Pina sein Laubsauger – Jetzt bei Amazon

Nebel hat ein Kleinod aus den Tiefen des Kundenrezensionsdickichts bei Amazon gehoben: “Eine Frau geht mit einem Laubsauger in künstlerischer Pose durch einen Blätterwald“. Es handelt sich um eine Besprechung der recht aktuellen filmischen Hommage an die großartige Pina Bausch. Ich habe mir die Diskussion per E-Mail abonniert und vorher noch frisches Popcorn bei Amazon geordert…

Folgen auch Sie den kritischen Kommentaren zum Bausch-Verriss von Mc Kay, dem Rezensenten von [das muss man sich jetzt auf einzelnen Seiten in Trajan gesetzt vorstellen] Lesbian Babes 3D, My Sweet Sexy Interactive Girl 3D Edition 1 und und und … [Trajan off]

Aber ganz im Ernst: Ich weiß nicht, wie ich dazu stehen soll. Soll ich den Rezensenten gut finden, weil er auf die Diskussionsbeiträge eingeht und irgendwie ehrlich scheint? Soll ich eine Kanondiskussion fordern? Soll ich das Bildungssystem und die Gesellschaft anklagen, die massenhaft Leute hervorzubringen scheint, die die größte Choreografin unserer Zeit nicht kennen (und dabei aber auch nicht blöde sind)? Sollte ich als allgemeines Gesetz fordern, dass man die Fresse halten soll, wenn man keine Ahnung hat? Soll ich mich heimlich darüber freuen, dass im Web 2.0 so einiges neu ausgehandelt werden zu müssen scheint? Oder soll ich es befürchten? Eine ähnlich unerquickliche Diskussion hätten wir auch, wenn (um das mal greifbarer zu machen) man dem normalen Bürger einer Stadt mal vorrechnen müsste, welche Förderung das Theater erhält und welche das Kino (zum Glück interessieren sich die meisten Menschen für fast nichts, so dass uns das erspart bleibt (zumindest so lange, bis der Rotstift durch kommunale Kulturetats wandert und sich bei der Unterschriftenaktion zum Erhalt der Theatersubventionen eine lächerlich geringe Anzahl von Unterzeichnern findet–im Gegensatz zu der Aktion zum Erhalt der nächtlichen Biertanke). Jetzt habe ich zu viele Klam)mern und Abschweifungen. … Kurzum: Ich weiß es nicht, halte selbst die Fresse und warte auf das Popcorn und weitere Diskussionbeiträge.

Trier, deine Kreativen / Podiumsdiskussion in der Tufa

Zum Abgang des Karussell e. V. aus der Moselmetropole veranstaltet der Verein im Moment das Festival “Brimborium und Tamtam” und hält Trier damit vor Augen, welches kulturelle Potential der Stadt zukünftig fehlen wird. Unter dem Titel “Trier, deine Kreativen” gab es heute Abend eine Art Think Tank zur hiesigen Kulturpolitik. Im Podium saßen dabei (v. l. n. r.) Roman Schmitz (Karussell), Kajo Pieper (Bildungsministerium), Moritz Schönecker (Theater Jena), Dieter Lintz (Lokalzeitung), Teneka Beckers (Tufa), Peter Oppermann (Theater) und Thomas Egger (Wirtschafts- und Kulturdezernent). Dieter Lintz übernahm die Moderation und lud auch das Publikum ein, seine Meinung zu sagen. Was genau gesagt wurde, wird man gut zusammengefasst in der Presse lesen können. Hier möchte ich feststellen, dass wohl Einigkeit darüber bestand, dass kulturpolitisch in Trier einiges im Argen liegt und dass, sollten das nicht nur verbale Nebelbomben gewesen sein, es sich vielleicht bessern könnte. Nur ein paar Beobachtungen:

  1. Die Provinzialität bekundet sich wohl u. a. darin, dass ein bereits sieben oder acht Jahre in Trier wirkender Theaterdramaturg immer noch als Außenstehender angesehen werden kann.
  2. Die Provinzialität bekundet sich wohl auch darin, dass Veränderungen in Trier mit sieben Jahren Verspätung ankommen.
  3. Kultur ist, laut Kulturdezernent, keine Sandwurmsülze.
  4. Das was man über Trier hört, hört man (Pieper) über alle anderen Städte in Rheinland-Pfalz. Das wäre, wenn es stimmt, dann wohl ein sehr trauriges Bundesland.
  5. Auch wenn Oppermanns Offerte der Offenheit (O3) wirklich ernst gemeint ist, wird man wohl nicht umhin kommen, sich in Zukunft die Frage zu stellen, ob es sinnvoll ist, den kulturellen Großinstitutionen so viel Geld aus dem Kulturetat zukommen zu lassen.

Wie dem auch sei. Alle haben an diesem Abend einen guten Job gemacht. Die Moderation von Dieter Lintz war klasse. Gut auch, dass er sich selbst mit seiner Expertise zu Wort meldete. Kajo Pieper denkt über Förderungsmöglichkeiten durch das Land nach, die neuen Projekten eine zeitlich begrenzte sichere Finanzierung bieten sollten. Moritz Schönecker ist mit Jena ganz zufrieden. Jemand aus dem Publikum meinte, dass aus Jena nicht alle wegziehen, wenn sie mit dem Studium fertig sind. Das ist großer Käse. Das aber zu thematisieren, war nicht Thema des Abends. Dass es für das Theaterhaus in Jena noch andere Bewerber gab, die ich persönlich für viel gewinnbringender für die östthüringische Universitätsstadt halte, gehört hier auch nicht hin. Teneka Beckers war lieb. Es wollte auch keiner etwas von der Tufa. Anders bei Herrn Oppermann. Oh, die Stadt gibt dem Theater sehr viel Kohle. Muss das sein? Was machen die damit? Sind riesige Ensembles zeitgemäß? Dazu könnte man einen ganzen Abend streiten. Man hat es nicht getan. Aber diese Fragen schienen in der Luft zu hängen. Immerhin entschärfte Oppermann mit seiner O3. Besonders überraschend für mich: Thomas Egger als Kulturdezernent der Stadt. Der scheint etwas bewegen zu wollen. Wenn das klappt, kann das für die Stadt nur gut sein. Die Frage ist, ob er der Stadtratsflüsterer werden kann, oder ob man sich in den Hinterzimmern lieber auf den Status quo einigt… Ach, das Publikum auch gut. Wirklich Kreative der Stadt. Die zu erleben war den Besuch wert. Trier ist kulturell nicht tot. Ach so, auch die Karussell-Leute sehr sympathisch. Aber: Nehmen wir einmal an, sie hätten in Trier einen neuen Veranstaltungsort und ein bisschen mehr Förderung bekommen. Hätten sie das Angebot aus der Saale-Stadt dann wirklich abgelehnt?