Frohe und fröhliche Weihnacht(en) – Wie jetzt?

Zwischen 1906 und 1929 liegt im Google-Korpus (siehe Link) die fröhliche Weihnacht weit vorn. Interessat auch, dass es bis in die 1930 zwar frohe und fröhliche Weihnachten gegeben hat, die Weihnacht aber so gut wie immer fröhlich und niemals froh war. Auch in den Folgejahren ist die fröhliche Variante der Spitzenreiter. Seit Mitte der 1980er ist man allerdings nicht mehr fröhlich, sondern eher froh–vielleicht das Jahr überlebt oder doch noch alle Geschenke bekommen zu haben? Mit historischem Blick könnte man die verschobenen relativen Frequenzen sicher besser einordnen (Wirtschaftskrise, Terror, Krieg, Generationen und Bewegungen).

[on Google Ngrams]

Egal welche Variante nun eine höhere Frequenz aufweist, Weihnachten zu thematisieren scheint immer wichtiger zu werden, wie dieses Ngram zeigt.

Lesetipp/Kommentar: Marcel Weiß analysiert einen m. E. tendenziösen FAZ-Artikel zu den Presseleistungsschutzrechten

Soll nicht das Feuilleton der Platz sein, an dem die Intelligenz des Landes ihre Positionen herausarbeitet und intellektuell jede Konsequenz zu Ende denkt? ‘Was würde denn passieren, wenn unsere Forderung ‘A’ umgesetzt wird? Spielen wir das einmal durch.’ [hier]

Dass die FAZ von Zeit zu Zeit Kampagnen ohne Rücksicht auf die eigenen sonst inszenierten Qualitätsmaßstäbe fährt, ist m. E. bekannt (hier sei nur an die Rechtschreibreform erinnert). Marcel Weiß analysiert in seinem Text “Google-Krieg der deutschen Medien: Die Masken sind jetzt gefallen” bei neunetz.com: Wirtschaft im digitalen Zeitalter einen FAZ-Artikel von Jürg Altwegg. Leseempfehlung. Allerdings weiß ich nicht, ob der Weiß’sche Schluss nicht vielleicht doch zu radikal ist: Die kommerziellen Massenmedien seien nicht für eine demokratische Meinungsbildung geeignet. Schließlich zeigt der Text von Weiß, dass man diese Texte auch entlarven kann. Mein Schluss wäre, dass Medien oft nicht “neutral” über Themen berichten, die sie selbst direkt betreffen. Der FAZ-Artikel von Jürg Altwegg in der FAZ ist aber höchstens ein bisschen peinlich. Ich schäme mich ein bisschen fremd, wenn ich die zitierten Auszüge lese. Da schreiben Journalisten sich um Kopf und Kragen… Man muss natürlich überlegen, was aus dieser fehlenden kritischen Distanz folgt, wenn in der nächsten Zeit, den formativen Jahren des Internetzeitalters immer wieder besonders die Struktur und die Inhalte der Medien, ihre Vertriebsstrategien, veränderte Rezeptionsweisen und sich verschiebende gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen diskutiert werden müssen. Ich glaube, dass sich diese herkömmlichen Massenmedien zur Distanz zwingen und den Ton neutral halten sollten, weil sie sonst schneller weg vom Fenster sein werden, als sie sich jetzt vorstellen können.