Aus der Zeitung: Schreiblernmethoden

Interessanter Artikel zu Schreiblernmethoden von Michael Becker-Mrotzek, Hartmut Günther und Simone Jambor-Fahlen gestern in der FAZ (“Rechtschreibung ist kein Selbstzweck”, 11. Sep. 2014: 8), in dem man nicht nur lernt, welche konkurrierenden Methoden welche Geschichte haben und was die aktuelle Lernforschung (natürlich mittels Metastudie) dazu sagt. Nein, der Artikel reißt kurz sinnvolle Schreibregeln ab, illustriert die Notwendigkeit geeigneter Typografie (sprachliches Objekt und die Rede darüber werden typografisch nicht immer unterschieden, was überaus verwirrend ist) und erstaunt mit seiner Einsicht über die Schreiblerntafeln des 16. Jahrhunderts (siehe Ausschnitt unten).

Ausschnitt FAZ vom 11.09.2014
[Ausschnitt aus FAZ vom 2014-09-11 / vgl. oben.]

Lesetipp/Kommentar: Marcel Weiß analysiert einen m. E. tendenziösen FAZ-Artikel zu den Presseleistungsschutzrechten

Soll nicht das Feuilleton der Platz sein, an dem die Intelligenz des Landes ihre Positionen herausarbeitet und intellektuell jede Konsequenz zu Ende denkt? ‘Was würde denn passieren, wenn unsere Forderung ‘A’ umgesetzt wird? Spielen wir das einmal durch.’ [hier]

Dass die FAZ von Zeit zu Zeit Kampagnen ohne Rücksicht auf die eigenen sonst inszenierten Qualitätsmaßstäbe fährt, ist m. E. bekannt (hier sei nur an die Rechtschreibreform erinnert). Marcel Weiß analysiert in seinem Text “Google-Krieg der deutschen Medien: Die Masken sind jetzt gefallen” bei neunetz.com: Wirtschaft im digitalen Zeitalter einen FAZ-Artikel von Jürg Altwegg. Leseempfehlung. Allerdings weiß ich nicht, ob der Weiß’sche Schluss nicht vielleicht doch zu radikal ist: Die kommerziellen Massenmedien seien nicht für eine demokratische Meinungsbildung geeignet. Schließlich zeigt der Text von Weiß, dass man diese Texte auch entlarven kann. Mein Schluss wäre, dass Medien oft nicht “neutral” über Themen berichten, die sie selbst direkt betreffen. Der FAZ-Artikel von Jürg Altwegg in der FAZ ist aber höchstens ein bisschen peinlich. Ich schäme mich ein bisschen fremd, wenn ich die zitierten Auszüge lese. Da schreiben Journalisten sich um Kopf und Kragen… Man muss natürlich überlegen, was aus dieser fehlenden kritischen Distanz folgt, wenn in der nächsten Zeit, den formativen Jahren des Internetzeitalters immer wieder besonders die Struktur und die Inhalte der Medien, ihre Vertriebsstrategien, veränderte Rezeptionsweisen und sich verschiebende gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen diskutiert werden müssen. Ich glaube, dass sich diese herkömmlichen Massenmedien zur Distanz zwingen und den Ton neutral halten sollten, weil sie sonst schneller weg vom Fenster sein werden, als sie sich jetzt vorstellen können.