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Category Archives: Zeitgeist

Lösungsvorschlag Ärztemangel

Wenn Krankenkassen Geld für homöopathische Medikamente und Behandlungen ausgeben, dann sollten sie den medizinischen Fachkräftemangel auf dem Land auch mit Placeboärzte beheben können.

Guttenberg letztlich nur ein weiteres Zeichen der Bananenrepublikanisierung

Wieso braucht man da eine Abstimmung in Zeitungen? Wer sich nach dem Auffliegen seines Diebstahls und Betrugs nicht für eine Zeit in seine Ecke verzieht, kann nur zutiefst verderbt sein und hat in einem Spitzenamt nichts zu suchen.

Obgleich es in der Regierung noch andere gibt… Bin mir nicht ganz sicher, wie sich Finanzminister, die eben mal vergessen, dass sie tausende Euro Schwarzgeld in der Schublade haben; Familienminister ohne Familie (obgleich die wahrscheinlich noch eine der besten im Kabinet ist–ohne Ironie–auch wenn sie sich selten durchzusetzen scheint); Familienminister, die die Schirmherrschaft für Veranstaltungen mit Hasspredigern übernehmen; Minister, die ganz offensichtlich gegen jeden Sinn und gegen ihren eigenen angenommenen Verstand eine Agenda vorantreiben, ständig verfassungswidrige (vgl. Vorratsdatenspeicherung, Rasterfahndung, Luftsicherheit) Gesetzesvorhaben voranbringen oder einfach auch so by default lügen … ob die also viel besser sind.

Guttenberg scheint mir ein so offensichtlicher, krasser Fall zu sein, dass es schon mehr als irritierend ist. Dass die Kanzlerin, eine Physikerin, die Temperaturdifferenzen auch gern mal in Grad Celsius angibt (Brigitte und Martin Staudte eine schlaflose Nacht), sich freut, wenn der Aufstieg eines möglichen Konkurrenten gebremst wird, dass sie lieber einen schwachen Minister als einen starken Herausforderer hat, kann ich verstehen (nicht aber gutfinden). Aber was ist mit zu Guttenberg selbst? Besitzt der kein Fünkchen Ehre mehr? Nicht, dass das eine Kategorie wäre, die ich für essentiell hielte. Aber in solch konservativen, vorgeblich traditionsbewussten Kreisen generell und bei jemandem, dessen Markenkern eine gewisse Tugendhaftigkeit, im Speziellen, sein soll… (obgleich er von Anfang an, auch in dieser Hinsicht, eine fragwürdige Figur abgegeben hat: ich sage nur “Wirtschaftskompetenz“)?

Die Bananenrepublikanisierung schreitet, gestützt von unfähigen Journalisten, gewissenlosen Politikern und einer Welle von bodenloser Einfältigkeit voran. Ich werde einen Taschenspiegel einpacken. Und immer, wenn sich jemand überheblich über den Zustand der politischen Klasse in Italien oder die Korrumpiertheit in Südeuropa aufregt, werde ich den Spiegel zücken. … Du, scheinheiliger Prediger; mein Ebenbild; mein Freund!

PS: Um mal zu illustrieren, warum sich Frau Merkel ins eigene Fell ihrer Glaubwürdigkeit beißt:

Man darf nicht sagen, ach das ist doch nicht so schlimm. Hier ‘n bisschen was weggeschmissen und dort einen angerempelt, hier mal auf’m Bürgersteig gefahren und dort mal in der dritten Reihe geparkt, immer so hinter dem Motto “Is alles nicht so schlimm”. / Ist alles nicht nach dem Gesetz, und wer einmal Gesetzesübertretungen duldet, der kann anschließend nicht mehr begründen, warum’s irgendwann schlimm wird und irgendwann nicht so schlimm ist. [hier]

Medienrepräsentation von WikiLeaks und Stillosigkeiten bei der ARD / FAS-Nachlese

Nach dem verunglückten Assange-Bashing von Hendrik Ankenbrand im Mantelbogen der FAS vom letzten Sonntag ist das Feuilleton wirklich eine Erholung. Nicht nur dass Medienmann Harald Staun kenntnisreich die irreführende Medienrepräsentation von Wikileaks und den Protesten gegen Zensur gerade rückt. Er schreibt:

Dass viele Medien solche digitalen Provokationen als ‘Angriffe’ brandgefährlicher Cyberkrieger beschreiben, liegt nicht nur an technischer Unkenntnis, sondern auch am klaren Willen, Wikileaks wieder in den Kontext des Verbrechens einzuordnen. Kaum jemand macht sich deshalb die Mühe zu erklären, was eigentlich an den ‘Angriffen’ gefährlich oder kriminell sein soll. ‘Distributed Denial of Service’-Versuche sind sicher keine besonders zivilisierte From der Meinungsäußerung–und trotzdem handelt es sich eher um die zeitgemäße Form eines Sit-ins als um virtuelle Gewalt. (“Daten statt Worte: Wikileaks oder Wie die Medien den Cyberkrieg erfinden”, FAS 12. Dez. 2010: 33)

Nein. Besonders gut: Nils Minkmars Aufmacher “Gerechtigkeit für Anne Will! Warum belohnt die ARD weder Loyalität noch Qualität?”. Klar, weil sie möglicherweise nach dem Bohlen-Prinzip verfährt. Eine Schande! Wills Sendung habe eine Reihe starker Fernsehmomente produziert. Zum Beispiel war da “die Erläuterung von Bischof Franz-Joseph Overbeck zur Homosexualität: ‘Das widerspricht der Natur. Die Natur des Menschen ist angelegt auf das Miteinander von Mann und Frau.’ Ein Satz für die Archive, abgelegt gleich neben solchen Dokumenten, in denen früher Wissenschaftler die unterlegene Natur der Frau oder die geistige Primitivität der Schwarzen darlegten” (ibid., 25). Minkmar fällt auch auf, dass die Frauen in der ARD, der “dysfunktionalen Familie”, offenbar einen schweren Stand haben: “Am Ende der ganzen ARD- Renovierung (sic) haben die Frauen den späten Wochentagsplatz, die Herren talken besonders wertvoll für die wachen Geister. Man möchte nicht, dass das beispielgebend ist”. Stark auch Minkmars letzter Absatz über die “ans Vulgäre grenzende Stillosigkeit” der ARD in dieser Sache.

PS: Minkmar ist auch nicht ganz ironiefrei. Wie er beispielsweise den Moderator des deutschen Franchises eines britischen Game-Show-Formats und eines boulevardesken Reportagemagazins ständig als “berühmt” bezeichnet, lässt zumindest jüngere Leser schmunzeln.

Poke 53280,11; Poke 53281,12; Print chr$(155)

Schon der Mantelbogen der FAS von gestern ist ein großes Ärgernis. Neben den furchtbar geschriebenen Aufhängerartikeln über einen pädophilen Lehrer dann das Assange-Bashing von Hendrik Ankenbrand auf Seite 14. Dieser schreibt: “Assanges Weltsicht kennt keine Grautöne, wie bei seinem ersten Computer, einem Commodore C 64, mit dem er mit 16 Jahren erstmals in ein großes Firmennetzwerk einbrach, gibt es nur 0 und 1, ein und aus, Schwarz und Weiß.” Das ist ja 1.) entweder totaler Quatsch (siehe Überschrift bzw. hier) und stilistisch blöde (Was soll mittels C64-Verweis gesagt werden? Geht es um eine Mystifikation der Figur Assange?) oder 2.) eine verhunztes Synekdoche und damit eine starke Vereinfachung (Alle digitalen Geräte arbeiten mit Binärcode.) und damit genau das, was Assange im nächsten Absatz vorgeworfen wird (Ironie? Ist der Text etwa heimlich auf der Seite Assanges?): Wikileaks sei (vom Text durch einen mutmaßlichen Assange fokalisiert) eine “Cybermassenvernichtungswaffe“, die gegen alles Böse eingesetzt würde. “Er ist ein großer Vereinfacher, das erklärt auch seine Popularität…”. Und diesem fiktiven Assange, der Geistfigur Ankenbrands, möchte man entgegnen: “Käse! Wissen ist höchstens Macht und keine Massenvernichtungswaffe.” Oder: “Wahrheit kann nie schaden.” Oder: “Die Wahrheit triumphiert nie.” Oder: “Die Wahrheit ist eine Braut ohne Aussteuer.” Oder auch einen anderen abgedroschenen Spruch. Für Ankenbrand und die FAS kann man höchstens geltend machen, dass Dichtung ja bekanntlich nur “eine Expedition nach der Wahrheit” ist. … Naja.

Viva la resolución

Hihi! Das Shirt ist da. :-)

…blei’m hier! Mir blei’m hier! Mir blei’m hier! Mir blei’m hier! Mir…

[Poster von pantoffelpunk / CC-BY-NC-SA]

Der novellierte Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) lauert schon. Hoffentlich führt er vor allem dazu, dass sogenannte Grüne–ich sage nur: “Wir sind weiterhin gegen den JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen”–bei der nächsten Wahl ein paar Stimmen weniger bekommen. So unaufrichtig! Bäh!

Also, falls es notwendig wird, was ich nicht glaube (vgl. Lawblog), bin ich mein eigener Jugendschutzbeauftragter. Schließlich habe ich erst gestern mit Staunen gelesen, dass ich in einer “Tageseinrichtung für Kinder” arbeite.

Sachsenklinik im Internet

Hätten die zu der Zeit in der Media City in Leipzig gedreht, dann stünden wohl mehr Leute auf der Straße, und auch Scheinwerfer. Ergo: die Fiktion der Sachsenklinik muss wohl direkt für Google Street View kreiert worden sein. Sehr cool. Also, Fans von In aller Freundschaft, hier ist der Klinikeingang:


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Wir sind Helden // … und unserer Plattenfirma sollte entweder Pleite gehen oder sich überlegen, wie Marketing 2010 eigentlich funktionieren sollte

Denkt ihr, dass sich ein Konzertbesuch bei den Helden lohnt?

Wollte gerade bei Laut in die Titel hineinhören und bekam nur ein “This video contains music from Sony Music Entertainment. // It is not available in your country.” angezeigt. (Eigentlich falsch: drei Mal hintereinander! Deswegen nervt es mich überhaupt. Dass mal ein Youtube-Video “in my country” nicht verfügbar ist, damit habe ich mich längst abgefunden) … Tja, dann eben nicht. Konzert fällt also aus (denn ich kaufe doch nicht die Helden im Sack). Vielleicht kaufe ich mir das Album bei meinem nächsten Russland-Aufenthalt für 1,92€. Da freut sich Sony Music Entertainment sicher drüber.

Banksy zeichnet kritische und wahnsinnig geile Simpson-Eröffnungssequenz

Einer der wichtigsten Britischen Gegenwartskünstler ist zweifellos Banksy. Dieser hat nun ein eine erweiterte Eröffnungssequenz für die US-amerikanische Animationsserie The Simpsons gestaltet (siehe UNBEDINGT!!!1!!! unten). BBC News weiß von Banksy, dass “his storyboard led to delays, disputes over broadcast standards and a threatened walk out by the animation department”. Der Simpsons-Produzent Al Jean habe gemeint, “This is what you get when you outsource”. Auf jeden Fall aber sehr sehenswerte einhundertvier Sekunden:

PS: Ach so, das Ganze ist natürlich nicht die erste Auseinandersetzung des Künstlers mit den Simpsons. “I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. I must not copy what I see on the Simpsons. …

[Graffiti depicting graffiti removal by Banksy. May 2008, Leake Street, London, painted over by August 2008. (details).]

Carl Barât – Run with the Boys

Ich kann gar nicht so recht sagen warum, aber das Video zu Carl Barâts “Run with the Boys” gefällt mir. Vielleicht weil es mit der Fiktion arbeitet, dass sich im Leben nicht viel ändere, dass Freundschaften zuverlässig hielten, dass jedermann gesund und überhaupt alles beim Alten bliebe. Natürlich wäre das auch traurig, weil Entwicklung wichtig ist. Aber: Im geschlossenen Bereich um regelmäßige Outings with the boys … warum nicht? Anyway, vielleicht liegt es auch an den schnellen Schnitten zwischen häuslichem Frieden und dionysischem nächtlichen Treiben. Oder–und das wäre noch viel besser–es liegt an der Musik, dem fünften Lied auf dem Solo-Debüt-Album des Frontmanns der Libertines, Carl Barât. Das Album ist seit Montag draußen. Hier kann man in alle Tracks hineinhören. Die BBC schreibt, es sei ein “handwerklich sauber gearbeitetes Solo-Debüt, dass sich aber–so sehr es auch versucht–nicht von der Vergangenheit seines Machers befreien kann”.

Marketingmäßig nicht schlecht, dass das Album gleichzeitig mit Barâts Libertines-Biographie Threepenny Memoir: The Lives of a Libertine erscheint.

[via Popnutten]

Es ist katastrophal!

Und wenn, man den Überblick darüber nicht verlieren möchte, wie die Welt gerade auseinander bricht, sich die Apokalypse nähert oder es einfach nur mit der Menschheit den Bach herunter geht, der findet alle notwendigen Informationen beim Havaria Information Service der ungarischen National Association of Radio-Distress Signalling and Infocommunications (RDSI). Mit dabei: ein wunderbarer Google-Maps-Mashup mit klickbaren Katastrophen-Icons, Listen aktueller, kurz- und langfristiger Ereignisse. Auch Autounfälle im UK, Tsunamies, der Zustand der Supervulkane und die zu erwartenden Asteroideneinschläge werden in wertvollen, informativen Tabellen verzeichnet. Definitiv mein Tipp fürs Wochenende: Katastrophentourismus mit dem Mauszeiger auf der Landkarte.

PS: Ich finde ja die nicht weiter kommentierten Epidemie-Risikofälle am beeindruckendsten. Was wird es wohl sein? SARS, die Vogelgrippe, hämorrhagische Fieber, Super-Resistenzen oder noch nie gesehene Keime aus Biowaffen-, oder Pharmalaboren, aus dem langsam auftauenden Permafrostboden, aus Asteroiden oder dem großartigen Darwinschen Variationskosmos?

Überholen ohne Einzuholen beim Zwersten Trierer Science Slam

Die Zweiten werden die Ersten sein, heißt es irgendwo. Vielleicht auch nicht. Aber das ist auch egal, denn es scheint zumindest beim ersten Trierer Science Slam so zu sein. Der ist mindestens der zweite, was aber keinen stört, denn mit der Wahrheit ließe sich schlechter werben.

Beim Stadtblog mit Identitätsproblem lokalen Nachrichtenportal 16vor schreibt man, dass das Studentenwerk zusammen mit dem Verein “Kulturraum Trier” zu Beginn des Semesters den “ersten Trierer ‘Science Slam’ veranstalten” wolle. “Wir sind auf dem besten Weg, eine rheinland-pfälzische Premiere zu veranstalten”, weiß dann auch der Organisator zu behaupten. Allerdings wird nur durch einen O-Ton die Unwahrheit nicht richtiger. (Und ganz nebenbei: Eine gute Idee, keinen Verfasser zum offensichtlich überhaupt nicht recherchierten Artikel bei 16vor zu setzen.)

Interessanterweise verweist der Text nicht auf die vom traditionreichsten Slam-Veranstalter, dem Haus der Wissenschaft in Braunschweig, geführte Website scienceslam.org, sondern auf so etwas wie die zweite Reihe der Szene (was ja dann auch wieder zum Motto–die Zweiten werden die Ersten sein–passt): auf die Website der Hamburger Biologin Dr. Julia Offe, die u. a. auch den zweiten Berliner Science Slam veranstaltet. (Übrigens unterscheiden sie die beiden URLs, wenn man will, nur in einem Bindestrich: science-slam.de vs. scienceslam.de) Überhaupt scheint es in dem Bereich einiges an Wettbewerb zu geben, wie ein Blick auf die Veranstaltungsseite der ersten Berliner Slammer zeigt. Die wollen u.a. auch nach Köln, wo Frau Offe schon veranstaltet. Aber all das ist total verworren und kompliziert und sowieso ohne Garantie und vollkommen uninteressant. Was viel wichtiger ist, ist festzustellen: der erste Trierer Science Slam fand bereits am 14. Mai 2010 statt. Und er war auch noch richtig authentisch trierisch, denn er wurde vom ortsansässigen selbstredend e. V. organisiert.

Wer das alles noch einmal nachlesen möchte: Informationen zum wirklich ersten Trierer Science Slam gibt es hier. Ach so, und dass die Pressestelle der Uni die falsche Nachricht weiterverbreitet (obgleich sie es am besten wissen sollte, schließlich war die Uni Veranstaltungsort des ersten Slams), kommentiere ich am besten nicht.

PS: Für die nächste Werbeoffensive: Powerpoint-Karaoke gibt es übrigens auch schon regelmäßig in Trier. Da kann man eigentlich auch wieder nur Zwerster sein. ;-)

UPDATE/KORREKTUR: Erfahre gerade [via Marcus Stölb], dass Meldungen, die de facto nur auf einer Pressemitteilung basieren nicht mit Namen getaggt werden. Also kein passender Einfall für diesen spezifischen Artikel bei 16vor, sondern generelles Prinzip.

Doch nicht vom Tisch! Was Hunde in Sektionsdarstellungen suchen…

Hogarth, "The Reward of Cruelty"

Tatsächlich scheint die Kunst den Hund bei der Darstellung der Sektion nicht vergessen zu haben. Er bekommt das, was vom Tische fällt. Wie beim Essen auch. Eine Art Nebenmotiv in der Darstellung der Obduktionspraxis. Vielleicht mit einem zwinkernden Auge gezeichnet. In William Hogarths The Four Stages of Cruelty (1751) z. B. findet sich der Hund in einer ausgezeichneten Position. Er ist einer der Endverwerter des zur Strafe geschändeten Tom Nero, dessen Karriere der Grausamkeit freilich auch mit dem Quälen von Hunden began, wie die erste Bildtafel zeigt. Eine späte Genugtuung also. Die vierte Tafel vielleicht ein Zitat, vielleicht ein Pastiche von anderen.

Vesalius, _De humani corporis fabrica_

Im Frontispiz zu Andreas Vesalius’ De humani corporis fabrica (1543) findet sich der Hund etwas weiter abseits als Zuschauer. (Auch einen Affen gibt es.) Aber er hat das Maul schon aufgerissen, muss zurückgehalten werden.

Im nächsten möglichen Vorbild, der Sektionsszene aus Johannes de Kethams Fasiculo de Medicina (1495), gibt es keinen Hund. Vielleicht geht er gerade Gassi. Warum aber ausgerechnet Rembrandt van Rijn 1632 glaubte, dass seine Anatomie des Dr. Tulp ohne Hund auskäme, bleibt bis heute rätselhaft. Noch nicht einmal ein versteckter Hinweis, ein Napf in der Ecke oder so etwas!

Besonders schön indes, gemalte Kommentare zur Motivpraxis: wenn Hunde Hunden zuschauen. So wie in Emile-Edouard Mouchys “Physiological Demonstration with Vivisection of a Dog” (1832). Ich gebe zu, eine Nekropsie wäre das bessere Beispiel.

Swanenburgh, "Anatomische Theater zu Leiden" (1610)

Übrigens: Mein Favourit ist Willem Swanenburghs Kupferstich von 1610, “Anatomische Theater zu Leiden”. Wie frech der Hund den Betrachter anzuschauen scheint! Wie er zu wissen scheint, wo es etwas zu Fressen gibt. Jetzt, und potentiell auch später, wenn der Betrachter in Leiden aufgeschnitten und verfüttert wird an den besten Freund des Menschen.

 

 

 

 

Rainald Grebe – Prenzlauer Berg

Neulich wieder drüber nachgedacht, zu Weihnachten über den Prenzlberg zu ziehen. Da sind dann alle bei den Eltern in Süddeutschland und man hat das Viertel für sich…

[via Carsten]

Leseempfehlung: “Vor dem Alkoholverbot: Auf ein letztes” von Peter Richter/FAS

Der Alkohol, heißt es, hat den Menschen in der Eiszeit gewärmt, gestärkt und sesshaft gemacht, er hat über Jahrtausende die Lebensmittel haltbarer und das Dasein erträglicher gemacht. Das alles muss er heute nicht mehr; wir haben Heizungen, Kühltruhen und eine Bundeskulturstiftung. [hier]

Grandios konstruierter Essay. Das ist die hohe Kunst.

Warum ich als Radfahrer bei Rot über die Kreuzung fuhr?

  1. Weil ich mich nicht gefährdete, weder durch den Verkehr, noch durch die Exekutive oder durch selbstgefällige, anmaßende und gewalttätige Spießbürger.
  2. Um zumindest symbolisch gegen das kleinkarierte, provinzielle, faschistoide Rechtsempfinden der Kleinstadteinwohner aufzubegehren.
  3. Weil ich nur gewartet hätte, weil da ein rotes Lämpchen vor mir brannte. Ohne Sinn und Verstand.
  4. Weil ich dachte, dass man auch einmal Ordnungswidrigkeiten wagen sollte. Dafür sind die da.
  5. Um cool, sport- und jugendlich-rebellisch vor mir selbst zu wirken.
  6. Weil ich mich nicht von Automaten gängeln lassen wollte.
  7. Um cool vor dem Autofahrer hinter mir zu wirken.
  8. Weil ich andere nicht gefährdete.
  9. Um schneller voran zu kommen.
  10. Weil ich es konnte.
  11. Weil nichts kam.

Waage Marisa oder: Sie wurden bedient…

…von wem, steht nicht auf dem Kassenzettel. Ist auch egal, denn besonders bemerkenswert waren lediglich die Unpersönlichkeit und die schlechten Manieren der Verkäuferin. Das ist mir natürlich nur aufgefallen, weil ich 1.) überempfindlich (Jetzt hab dich doch nicht so!) bin und mich 2.) einmal bewusst dafür entschieden habe, einmal nicht online zu kaufen, obwohl das meist billiger und viel bequemer ist. Ja, ich habe mir so gedacht, dass man doch einmal die Kaufhäuser unterstützen müsse. Außerdem bieten die doch persönliche Beratung. Aber denkste!

Naja, egal. Irgendwie dann doch meine (Ich habe mir für 24.95€ bei der Galeria Kaufhof eine Personenwaage gekauft, weil meine alte Ikea-Waage schon vor geraumer Zeit die Hufe hoch gemacht hatte.) Waage zur Kasse und hatte zumindest dort auf einen angenehmen Verkäuferkontakt (Herzlichen Dank, dass Sie bei uns gekauft haben, und mir damit einen Teil meines Lohns und meinem Sohn die neue Spielkonsole… Oder so.) gewartet. Aber nein! Kundin vor mir. Das ist okay. Man unterhält sich über die Materialeigenschaften von Espressotassen. Das ist wichtig. Beratungsgespräche müssen eben–weil sonst niemand dort durch die Gänge schleicht–an der Kasse durchgeführt werden. Dann ich an der Reihe. Die Verkäuferin sieht mich nicht an. Ich grüße sie. Sie reagiert nicht. Nachdem sie den Barcode der Waage eingelesen hat, nennt Sie mir den Preis. Ohne “Bitte”. Noch nicht einmal ein “Das wären dann…”. Nein. Nur den Preis. Ohne Euro. Keinen vollständigen Satz bin ich dieser Frau wert. Ich kaufe mir aus ideologischen Gründen ein vollkommen überflüssiges Produkt im falschen Laden (bei Karstadt kostet dieselbe Waage übrigens nur 19€ (später herausgefunden)), hoffe auf das, was diese Warenhäuser überhaupt am besten können sollten–weshalb sie überhaupt nur überleben könnten (von der Feinkost-Abteilung abgesehen): Beratung (is nich), einen netten menschlichen Kontakt…

- 24,95

Ich hole meine Karte raus, gebe sie der Verkäuferin. Sie zieht sie durch die Maschine und wirft (!) mir einen Stift hin. Den Zettel zum Unterschreiben liefert sie kurz darauf. Kein Wort. Ich werde langsam ein bisschen sauer, unterschreibe, und produziere ein deutlich hörbares “Bitteschön”, als ich ihr Zettel und Stift rüberschiebe.

- (An der Stelle kann man sich zirpende Grillen oder durch den Laden rollendes Wüstengras vorstellen.) Sie sagt: Nichts. Gar nichts. Sie packt die Waare in eine Tüte (ich stehe mit meinem geöffneten Rucksack an der Kasse) und schiebt sie mir rüber. Meine Karte klatscht sie mir auch hin.

- Dankeschön!

- (Wieder Wüstengras, Grillen, etc.) Ich nehme meine Tüte und verabschiede mich. Während ich die ersten Schritte laufe, merke ich, wie ich leicht den Kopf schüttle. (Ein erschreckendes Zeichen des Älter- oder Verrücktwerdens.) Sie muss aufgesehen haben, das Schütteln gesehen, den schockierten Unterton in meiner Stimme wahrgenommen haben. Ein leises “Wiedersehen” schiebt sie dann doch noch hinterher.

Ich bin mir unsicher, ob sie das wirklich möchte, was sie da macht, diese Kassiererin.

Eigentlich glaube ich, mag sie gar nicht Menschen abkassieren. Sie ist eine Beraterin. Dazu ist sie geboren: Leuten zu erklären, wie man Klebchen von neu gekauften Steingutespressotässchen ab bekommt. Erst in die Spülmaschine. Dann geht das ganz leicht (Wir haben das früher mit Butter gemacht)… Eigentlich glaube ich auch, dass die Galeria Kaufhof heute um 12.34 Uhr total versagt hat. Wenn ich mir die nächste Personenwaage kaufe (wenn diese nicht binnen kürzester Zeit unter meiner Masse in tausend Teile zerspringt), hoffe ich, dass es Warenhäuser mit blöden Verkäuferinnen, die unfreundlich sind, die keine Beratung bieten (oder wenn, dann im falschen Moment), Warenhäuser mit überhöhten Preisen … dass es also diese Warenhäuser nicht mehr gibt. Geschlossen sollten sie werden, und alle Leute entlassen. Aus den frei gewordenen Räumen könnte man Spielzimmer machen, und Rheinland-Pfalz kann aus dem kostenlosen Kindergartenangebot ab 2 Jahren eine kostenlose Rundumbetreuung ab 0,5 Jahren machen mit In-Door-Spielplätzen in den Innenstädten.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich die Waage gleich wieder umtausche. Ist das normal, dass die, je nachdem, auf welcher Unterlage und wie und je nachdem, wie man genau auf der Waage steht unterschiedliche Ergebnisse liefert (Eine Spanne von ganzen 3 kg! Die Fett-Anteil-Messung allerdings kommt immer auf 10,2%.)? Vielleicht bringe ich sie morgen zurück. Werde sagen, dass der Kauf ein Irrtum war. Ein großer. So wie das ganze Kaufhaus einer ist.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Warum nicht einfach freie Inhalte?

Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).Es ist mir vollkommen rätselhaft, wie die öffentlich-rechtlichen MurksProduzenten ständig über das Verweildauerkonzept für Inhalte im Netz jammern können aber nicht auf die Idee kommen, Content einfach unter CC-Lizenz (oder ähnlichem (z. B. einer Lizenz für Gebührenzahler)) zu produzieren und den Rundfunktteilnehmern die Verbreitung zu überlassen. Bisher werden Angebote über antiquierte und auch widersinnige urheberrechtliche Beschränkungen (warum sollten öffentlich-rechtlich produzierte Inhalte überhaupt urheberrechtlich geschützt werden?) von der freien Verbreitung ausgeschlossen. Auch Menschen, die mit ihren Gebühren für die Produktion der Inhalte zahlen, haben letztlich keine Rechte daran. Es ist absurd. Gleichzeitig klagen die Produzenten jetzt darüber, dass durch das Verweildauerkonzept die Inhalte im Netz verloren gingen. Dabei waren sie es doch, die sich bewusst gegen eine Freigabe ihrer Inhalte entschieden haben. (Ich habe das Copyright-Zeichen aus dem Fernsehen gelernt.) Mir tun sie gar nicht Leid. Übrigens auch deswegen nicht, weil in Deutschland mit wahnsinnigen Gebührengeldmengen m. E. vor allem minderwertiger Mist produziert wird–ganz im Gegensatz übrigens zu überlegenen Anstalten wie der BBC. Wahrscheinlich liegt das am System oder am Selbstverständnis.

So, jetzt stelle man sich einmal vor, die Öffentlich-Rechtlichen würden unter CC-Lizenz publizieren, die Menschen könnten Inhalte speichern und weiterverbreiten! Plötzlich wäre es nicht mehr der Rundfunkrat oder der Intendant oder der Chefredakteur oder wer auch immer, der entschiede welche Beiträge wie im Netz aufrufbar blieben (unter Einhaltung der gesetzlichen Maximalverweildauer). Nein! Plötzlich wären es die Konsumenten, die Finanziers der Rundfunkanstalten. Was passierte denn dann, wenn das Steckenpferd eines Intendanten von niemandem gespeichert und angeboten würde? Hui! Plötzlich gäbe es eine Konkurrenzsituation! Das können viele Entscheidungsträger in den Anstalten nicht wollen. … Mal schauen, was sich da in der nächsten Zeit tut (ich glaube nicht, dass die sich wirklich rühren)! Vorerst freue ich mich, wenn ich für die Archivierung des über die Jahren produzierten Drecks nicht noch einmal zahlen muss.

[Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).]

Unerträglich, quälend, blödsinnig–In Klagenfurt werden wieder Menschen gefoltert

Er ist zum aus der Haut fahren, der Blödsinn, den die Juroren des Bachmannpreises von sich geben. Man könnte meinen, Jahrzehnte Literaturwissenschaft seien von ihnen verschlafen worden. Karin Fleischanderl, beispielsweise, scheint noch nicht einmal zwischen Autor und Erzähler unterscheiden zu können/wollen. Sie ist dabei aber nicht die einzige. Was haben diese Menschen für ein Selbstverständnis? Unerträglich, quälend, blödsinnig–m. E. zumindest. Das Schöne ist, ich kann wegschalten. Nur die Autoren tun mir sehr Leid–gerade eben jetzt der Ostthüringer Aleks Scholz. Vor allem, weil viele von ihnen gefoltert werden und am Ende doch keine Kohle bekommen…

Trier Hoists Rainbow Flag

At this very moment, the rainbow flag is being hoisted on Trier’s marked square. For the first time in history, Trier shows its pride of being a tolerant, friendly and open city by allowing the flag to flutter at central places. After a rather lengthy discussion in the City Council this May, in which the Christian conservatives mainly opposed the idea (allegedly for reasons other than homophobia) of flying the flag, the motion, which had been brought forward by human rights activists of the Green Party and the Social Democrats, was eventually endorsed by the majority of the house. It is part of the CSD weekend here.

Pictures of the event to follow… // Watch this wonderful video in the meantime:

UPDATE: Pictures are here.