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Category Archives: Zeitgeist

Pädokriminell

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Nimmt ja kein Wunder, dass das Thema so beliebt ist, so bei 20% schwer Pädokriminellen, die sich da im Netz tummeln.

Fällt mir noch der Begriff der “digital natives” ein. Vielleicht sind die Mengen gar deckungsgleich… “[G]eschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”, … könnte passen. ;-)

Können Briten kein ordentliches Bier brauen? Chauvinismus in der FAS?

In seinem Text “Höchst zerbrechliches Kulturgut” schreibt Jörg Thomann heute in der FAS über Neuentwicklungen bei Biergläsern in Großbritannien. Komische Textsorte, denn den letzten Satz “Jetzt müssen sie [die Briten] nur noch lernen, ordentliches Bier zu brauen”, kann ich schlecht zuordnen. Glosse oder Chauvinismus?

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[Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 28 Februar 2010, 55]

Calis’ Frühlings Erwachen bei Arte

Gestern Nuran David CalisFrühlings Erwachen bei Arte gesehen. Uiuiuiuiuiui! Ganz anders als die Inszenierung von André Rössler in Mainz. Calis konnte sich offensichtlich nicht entscheiden, für oder wider Wedekinds Text. Was auf dem Theater prima funzt, klappt im Film überhaupt nicht. Er ist nicht stimmig. Die Handlung, Figuren und Setting sind unglaubwürdig–dabei scheint es doch das Anliegen der Neufassungen zu sein: Wahrheitsnähe schaffen. Der Kontrast zwischen dem, was die Figuren sagen und tun zu Wedekinds Text, der immer einmal wieder durchscheint, sagt dem Zuschauer andauernd: “Schau, das ist Fiktion! Schau, wie modern diese Fiktion wirkt!” Einige Szenen (die Masturbationsszene, die keine ist (da kalauert der Film selbstgefällig mit dem Urtext); der Selbstmord) sind richtig stark. Das gelingt dann, wenn sich der Film kurz von seiner selbst auferlegten Aufgabe löst. Alles in allem, ist das wohl ein Deutschlehrerfilm: “Ich schaue mit meiner Klasse diesen Film, weil der viel näher an der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen ist…” *stöhn* *gähn* “Außerdem mögen die Schülerinnen doch den Ochsenknecht so.” (Welch epische Fehlbesetzung!) Bevor sich ein Jugendlicher wegen all dem Stress des Erwachsenwerdens das Leben nimmt, sollte er lieber Calis’ Film sehen. Aber erst dann und sonst nicht!

Günter Werner Freiherr von Gravenreuth ist tot…

…und Twitter kocht über.

Manche drücken ihre Anteilnahme aus:

@j4k3: Meine Anteilnahme gehört den hinterbliebenen Blogs und Angehörigen der in den Ruin prozessierten.

Andere sind dem Verstorbenen noch immer böse

@zynaesthesie: Was #Gravenreuth angeht, hat @dieternuhr Recht: so einer zeigt noch mit dem Suizid, dass er eine Drecksau war

… oder reagieren sarkastisch auf die Todesmeldung:

@sa7yr: Uiuiui, #Gravenreuth hat sich final selbst abgemahnt …

@kjow: oh und diese beiden tags müssen natürlich auch noch gepaart werden: #gravenreuth #attentionwhore

@joesstar: Schonmal jemand daran gedacht das das nur eine Finte ist und er uns jetzt alle Abmahnt, da wir über Ihn twittern?

Natürlich folgt darauf die Frage nach der Pietas:

@katjaberlin: bei so etwas zeigt twitter immer so schnell sein hässliches gesicht, dass man auf der stelle aufhören möchte.

@ReintjesT: Menschliche Abgründe tun sich auf beim Klick auf #gravenreuth :-(

@SpezNas: De mortius nihil nisi bene – über die Toten rede nur wohlwollend. Latein-Spezial zum Tode von “Tanja” #GvG #Tanja #Günni

Doch es gibt auch menschliche Worte. Einige sorgen sich um die Hinterbliebenen:

@eclipser: Die Frage, die sich mir in Sachen #Gravenreuth stellt, ist die: Was macht #Tanja #Nolte-#Berndel?

@FrogmasterL: Tanja Nolte-Berndel ist wieder zu haben: #Gravenreuth ist verstorben

Und manche loben Gravenreuth sogar:

@dori_doreau: vorbildliches verhalten eines abmahnwahnanwaltes…

@zynaesthesie: +++ Eil +++ #Gravenreuth Sonderpreis für längsten Zeitlupen-Amok +++ #Bosbach: Killerspielverbot für Anwälte +++

Andere trennen den Hype um den Tod eines Menschen vom Tod des Menschen.

@sixtus: Jobs, die man heute eher nicht machen möchte: Community-Management im Heise-Forum.

@dl1ely: Ich setze 10 EUR auf das heutige Top-Trending-Topic in der deutschen Netzgemeinde…

Das scheint auch vernünftig. Gravenreuth war sicher eine der schillerndsten Person der deutschen Computerszenengeschichte. Sein Name war nicht gut besetzt. Insofern kann man von den Massen keine milden Worte erwarten, was aber nicht heißt, dass der Einzellne nicht einsehe, dass der Tod eines Menschen traurig ist und dass der Selbstmord eines Menschen ein schlechtes Licht auch auf die ihn umgebende Gesellschaft–uns alle–wirft.

Winterliches Trierer Twitter-Biertrinken

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Gestern, wie angekündigt, im Cubiculum. Mit dabei (in order of appearance): Sebastian, Alex, $self, fide pus, Britta, Peter, Juice, Henning, Helen und Markus.

Mich hat es gefreut. Besonders bei ein/zwei Menschen, die ich sehr gern mal off-line sehen wollte… Übrigens auch eine Steigerung zum letzten Twitter-Grillen. Überlegt wurde, bald anzugrillen. Ich bin gespannt…

#trierbier

Die Katholische Kirche – Stephen Fry bei The Intelligence² Debate

Man muss was sagen an einem Tag, an dem Leute wie Walter Mixa – den ich, wie Joseph Ratzinger, für einen großen geistigen Brandstifter halte – die “Wahrheit” m. E. ganz bewusst verdrehen. Ich sage es mit dem grandiosen Stephen Fry, denn besser als er kann man das wohl nicht ausdrücken. Unbedingte Videoempfehlung.

[Info zum Rahmen der Rede]

Strobolotl

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[Quelle: Screenshot Amazon.de]

Ob der Blogger vielleicht Hegemanns Vater sei? *lol* Wäre fjeden kreativer und billiger als sich z. B. bei Thalia eine Platzierung zu “kaufen”… Trotzdem schuftig von Schmidt, das Original von Airen beim grandiosen SuKuLTuR-Verlag nicht zu erwähnen. Wer es lesen möchte, kann sich das Buch übrigens dort bestellen (oder auch in jeder Buchhandlung). 17 € plus Versand.

Lustig das Bekenntnis von 374 Schriftstellern beim Literatur-Café: “Wir haben abgeschrieben!“. +++ Ach, und das Interview mit dem bestohlenen Schriftsteller bei der FAZ.

Update 2010-02-12:

Danksagung: Ich sage “Danke!” und zwar dem hier.

Obama and Clinton Condemn Uganda’s Odious Anti-Gay Agenda

The National Prayer Breakfast, which is actually a series of meetings and luncheons, is held annually on the first Thursday of February. There is always a famous keynote speaker; this year, the Prime Minister of Spain, José Luis Rodríguez Zapatero. It is tradition that the US President takes part in this little event and delivers a speech–as I was told, normally something that would flatter the corrupted egos of the attending Christians. However, this time, the president and the foreign secretary pissed on the parade of their hosts, the so called “Fellowship,” a well-connected Christian fundamentalist organisation. Members of this group fostered the Evangelical revival in Uganda, they are said to be responsible for the rise in HIV infections, and they had proposed the bill that called for death penalty for homosexuals (details w/ links about the Uganda connection of the “Fellowship” on Wikipedia). Let us hope that the luncheons following up the speeches of Clinton and Obama had a slightly bitter taste for some of the hate preachers.

[via]

Wie finde ich heraus, ob Websites von China aus gesperrt sind?

Huiuiuiuiui, ist das aufregend, was Google da macht. Ich freue mich ziemlich darüber. :-) Vielleicht wird die Site des Unternehmens damit demnächst auch hinter der Chinesischen Firewall verschwinden. Wer testen möchte, was von China aus zu erreichen ist oder nicht, kann z. B. folgende Services verwenden:

  • Just Ping: Pingt Websites aus verschiedenen Städten der Welt an und gibt die Laufzeiten der Pakete zurück, bzw. wieviel davon verloren ging. Dabei sind auch Hong Kong und Shanghai. Wie zuverlässig das ist, kann ich nicht einschätzen, ich selbst bekomme gerade 100% Packets Lost aus Rio de Janeiro gemeldet…
  • WebSitePulse: Testet zusätzlich auch aus Beijing und Guangzhou.

Mein alter Favorit GreatFirewallOfChina funktioniert wohl wegen stärkerer chinesischer Zensurbestrebungen nicht mehr, hatte mir aber seinerzeit gemeldet, dass meine E.-M.-Forster-Website auch gesperrt sei. Das hat sich geändert. Irgendwer hat mich oder den Morgan inzwischen von der schwarzen Liste gestrichen.

Russel Brand vs. Jonas Bros

Wegen des Kalauers im WDR-Tatort “Klassentreffen”, noch einmal die Geschichte mit Russel Brand und den Jonas Brothers nachgeschaut.

Das famose Original:

“Because a lot of the things I say don’t look good written down”:

[Hier noch mehr von Brands Show.]

Balkenparade 2009

Da fehlten noch ein paar Tage im Dezember, aber das ist mir ziemlich egal.

Komplett

ZugriffeAlles2009

VisitorsAlles2009

Gelb.net

ZugriffeGelb2009

VisitorsGelb2009

Winter ist die Zeit zum Scheibenkratzen…

..aber was ist mit dem Geld für den neuen Player?

Scheibenkratzen

How Many Gays Poll

Schweinegeimpft

Pandemrix2

Hoffentlich hat dann bald das dauernde Händedesinfizieren ein Ende. Übrigens scheint der Pandemieplan von Rheinland-Pfalz überhaupt nicht zu funktionieren. Man stelle sich einmal vor, es wäre wirklich die Hölle los. Da bliebe einem wohl nur noch die Flucht über die Grenze ins ordentliche Luxemburg.

Studentenproteste lokal: Realitätsverleugnung beim Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen?

Zuerst einmal die Pressemitteilung des AStA der Uni Trier: hier (PDF, Quelle).

Dann der Artikel “OB Jensen verteidigt Stadt gegen AStA-Kritik” von Marcus Stölb bei 16vor (inklusive einiger triertypischer (engstirnig, provinziell, moralisierend) Kommentare).

Was ist nun von der Jensens Reaktion gegenüber 16vor zu halten? Klaus Jensen (SPD) sei erstaunt und befremdet über die Kritik des AStA, auch weil dieser sich direkt an die Presse gewandt habe, ohne vorher das Gespräch mit dem Rathaus gesucht zu haben. Ist ja blödsinnig, denn 1.) sollte die Wohnraumsituation und der Zustand des ÖPNV im Rathaus bekannt sein, wenn die Zuständigen nicht vollkommen auf der ältesten Wolke Deutschland schweben. 2.) Seit wann muss man, wenn man etwas zur Lage Triers sagt, das Rathaus um Erlaubnis bitten? Viele mögen sich in diesem miefigen Kaff mit allen anderen arrangieren, niemandem auf den Schlips treten wollen. Dass dieses Gebaren allerdings von den politischen Akteuren dieser Stadt erwartet wird, wirft schon einen dunklen Schatten auf ebendiese. 3.) Die Positionen des AStA sind bekannt. Im letzten Semester gab es gar ein Podiumsdiskussion zum Thema ÖPNV. Übrigens wurde damals auch die Haltung der Entscheidungsträger offensichtlich: mit ein paar Cent mehr Studienbeiträgen sei der Nachtbus schnell finanziert. Umschichtungen von Stadt nach SWT seien schwierig. Um- und Neudenken sind (so mein Eindruck) in Trier prinzipiell ausgeschlossen. Alles, was nicht aus dem Trierer Filz sickert, ist sowieso nichts wert… Dass eine Großstadt auch nachts ein halbwegs annehmbares ÖPNV-Netz bereitstellen sollte, versteht sich von selbst. Dass Trier es nicht tut, ist traurig und entlarvt die Stadt als Großstadt auf dem Papier. Dass der Oberbürgermeister einerseits die Studenten deklassieren zu wollen (keine Extrawurst!) und dann aber doch nichts gegen eine Finanzierung des städtischen Nachtverkehrs aus Studentenhand zu haben scheint, entlarvt ihn als Heuchler vor dem Herrn jemanden, der nicht zu wissen scheint, was er sagt oder will. Ich würde Klaus Jensen übrigens einmal empfehlen, eine Woche nur Bus zu fahren. Auch morgens kurz vor zehn vom Avelertal aus. Oder auch abends nach 20 Uhr von der Arnoldistraße Richtung Stadt.

Neben den irren Bemerkungen zum ÖPNV schlägt schon allein Jensens Hinweis auf die Wohnsituation für Studenten in Trier dem Fass die Krone ins Gesicht. In Trier-West solle aus einer ehemaligen Kaserne ein Studentenwohnheim werden. Braucht man gar nicht lange drüber nachzudenken. Man muss nur “Studenten” z. B. mit “Behinderten”, “Rentnern” oder “schwarzafrikanischen Asylbewerbern” ersetzen und schauen, ob das dann immer noch so gut klingt. Hätte der Trierer Oberbürgermeister gesagt, dass in Trier-West aus einer ehemaligen Kaserne ein Wohnheim für schwarzafrikanische Asylbewerber werden solle, hätte es wahrscheinlich schon deshalb Protest gegeben. Wie kann man die Leute in eine umgebaute Kaserne abschieben?

Latenten Hass auf Studenten möchte ich Klaus Jensen (neben all der zum Teil satirischen Polemik) nicht unterstellen. Eine große Arroganz und Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten der Stadt möchte ich nicht ausschließen. Die Uni und die Studenten sind ein wichtiger Standortfaktor und eine Bereicherung für diese Stadt. Dass die Politik die Studenten nicht ernst nimmt, sie stattdessen fast wie Dreck zu behandeln scheint und ihre kritischen Vorschläge einfach so vom Tisch wischen möchte, ist wirklich sehr sehr traurig.

Eigentlich müsste man in dieser Situation den AStA dazu aufrufen, das Semesterticket zu kündigen und den Studenten empfehlen, sich nicht in Trier anzumelden (bzw. sich wieder abzumelden). Eigentlich.

PS: Zur Unlogik des SWT-Verkehrsbetriebschef Frank Birkhäuer, der in Stölbs Artikel auch zu Wort kommt, kann man fast nichts mehr sagen. Der Nachtbus richte sich fast ausschließlich an eine Bevölkerungsgruppe und werde deswegen nicht von den SWT finanziert. … Die Busse morgens richten sich auch vor allem an eine Gruppe der Bevölkerung, nämlich die, die Frühschicht haben. Trotzdem werden die Busse von den SWT finanziert. Käse also, was Birkhäuser da meint. Vielmehr geht es wohl, wie auch bei Jensen, eher darum, dass man glaube, es mit den Studenten machen zu können.

Logik des Wikipedia-Relevanzkriteriums

Frage 1: Welches ist das relevanteste Thema, dass gerade noch nicht relevant genug für einen Wikipedia-Eintrag ist?

Ich nehme an, dass es auf diese Frage eine Antwort (”Die Antwort“) gibt und nenne das entsprechende Thema “Thema X“. Nun habe ich noch eine zweite Frage, deren Antwort nicht so trivial ist.

Frage 2: Ist Thema X nicht schon deshalb eintragsrelevant, weil es Die Antwort ist?

Falls die Antwort auf Frage 2 “nein” ist, dann ist alles prima.

Falls die Antwort auf Frage 2 “ja” ist, dann haben wir einen Widerspruch, aus dem folgt, dass es keine Antwort auf Frage 1 geben kann und damit jedes Thema das Relevanzkriterium der Wikipedia erfüllt.

Der Gedankengang stammt von Michael Nielsen, der auf die Ähnlichkeit zum Interessante-Zahlen-Paradoxon verweist.

[via]

Ich möchte wetten, dass die Wikipedia-Blockwarte dem Thema X keine Relevanz beimessen, weil sie sowieso alles löschen, was sich nicht wehrt. Für sie wäre also alles prima. ;-)

A Porn Musical

Weird. Have a look!


Jenna Haze Porn Musical

вíĸė” | MySpace Video

[via]

Maskuline Halloween-Kostüme für verweiblichte Jungs

Es ist noch Zeit, für die Kleinen das richtige Halloween-Kostüm zu schneidern. Und falls Ihr Junge sich ein bisschen zu schwuppig verhält, gibt es Tipps dafür, wie dem Einhalt geboten werden kann. Dann wird der Racker auch nicht von Justin und Jaqueline gehänselt.

Feridun Zaimoğlu liest in Trier aus seinem aktuellen Roman “Hinterland”

Ich gebe ja zu, dass ich normalerweise Probleme hätte, mich 450 Seiten bildreicher Prosa hinzugeben. Zu lang. Nicht zeitgemäß. Wahrscheinlich ist das doof. Denn: Bewegt mich der Text, dann atme ich ihn und atme ihn ein und aus, bis er aufgebraucht ist. Und wenn ich merke, was für ein kostbarer Schatz er ist, dann atme ich sogar langsamer und fürchte das Ende des Buchs.

Feridun Zaimoğlu hat vorgestern auf Einladung des Multikulturellen Zentrums in der Tufa in Trier gelesen. Fast eine Stunde. In der Zeit hat er gerade einmal zwanzig Seiten des Romans geschafft. Er hat sich Zeit gelassen, denn der Text hetzt nicht teleologisch zu irgendeinem Finale, sondern feiert das Leben, die Liebe, die Verrücktheiten des Alltags, die Blicke und Anblicke. Man sieht als Leser ondulierte Haarspitzen, die wie abgeschnittene Locken auf Schultern liegen. Man lernt den Unterschied zwischen Schustern und Schuhmachern. Man sieht, wie Leute über zusammengeknüllte nasse Zeitungen stolpern, wie Himbeergeist die Psyche vernebelt. Man riecht und spürt die Seele Prags, die Stimmung eines alten Hauses im Wald. Man fühlt–das ist besonders wichtig–die kleinen magischen Momente in den Leben anderer, die Momente, in denen plötzlich, in all dem Elend und der Traurigkeit, eine Hoffnung, ein Gefühl der Liebe aufkeimt.

Feridun Zaimuğlu im Stuhlkreis vor der Diskussion seines Buchs in der Tufa in Trier.

Feridun Zaimuğlu im Stuhlkreis vor der Diskussion seines Buchs in der Tufa in Trier.

Man kann das leicht als Schmus abtun. Die Welt sei nicht so. Wir seien alle aufgeklärt, rational. Wir haben eine Karriere und zeigen keine Emotionen weil wir keine haben. Naja, zynisch darf man manchmal sein. Es weint kein einsamer aufgeklärter Mensch nachts in sein Kissen. Es ertränkt kein aufgeklärter Mensch sein Elend im Himbeergeist. Es gibt keine Zwerge. Es gibt keine Liebe. Es gibt kein Glück, weil es sowieso nicht halten würde.

Feridun Zaimoglu ist ein geiler Typ. Er sieht die Schönheit und die Liebe. Er ist romantisch. Die Phrase, nach der die Welt romantisiert werden müsse, schmettert er nicht ab–stimmt ihr auch nicht zu. Warum auch? Die Welt ist schon romantisch. Da gab es z. B. diesen alten Schlägertypen, den er von der Straße kennt, und der in einer Lesung plötzlich vor ihm sitzt und ihm danach erklärt, dass er sich verliebt habe und dabei schmalzige Bilder verwendet, die er sonst als total schwul bezeichnen würde. Die Welt ist romantisch. Da gibt es die Leute, die Zwerge sehen, mit ihnen sprechen. Oder mit Hunden und Katzen. Leute, die sich Clowns auf Schaukeln in das Wohnzimmer hängen, damit sie weniger allein sind. Eigentlich sollten es fast alle Menschen sein, die ein kleines Glück, einen Funken Liebe–ab und zu–in sich spüren. Da sind die beiden obdachlosen Frauen, die ich vor der Tanke herumlungern sehe. Sie haben sehr schlechte Zähne, trinken zu viel, ihre Geschichte ist das beste was sie zu haben scheinen. Aber dann sehe ich, wie sie sich plötzlich küssen. So richtig, mit Zunge, und sich umarmen, festhalten … einen Moment des Glücks im scheinbaren Elend finden (”Und wenn ich solche Leute zeige, sagt ihr mir, ich spinne; die gibt es nicht.”). Es gibt auch die Leute, die vor lauter Aufgeregtheit ständig auf Toilette gehen und verrückte Sachen machen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen.

Wenn Zaimoglu nun diese Leute und ihr Innenleben in grandiose Bilder übersetzt, dann geraten die Zyniker in Abwehrhaltung. Sie verstehen nicht, weil es nicht rational ist, und man doch rational tun soll. Vielleicht denken sie sogar, dass sie rational seien. Vielleicht sind sie sogar rational. Also: tot. Wer weiß?

Nach der Lesung stellt sich Zaimoğlu den Fragen der Zuhörer und Leser. Eine Frau mit Notizblock, die ich für eine Buchhändlerin halte, die aber wohl eher für eine Zeitung arbeitet, wie man mir später erzählt, beklagt, dass sie verwirrt sei, keinen roten Faden in der Geschichte sehe. Zaimoğlu hatte–wie gesagt–20 von 450 Seiten gelesen. Die Art wie sie sich beklagt (ich glaube–bin mir aber nicht sicher–, sie hat die Rezension für die Lokalzeitung geschrieben) macht mir Sorgen. Ich denke mir: “Buchhändlerin, unzufrieden, weiß nicht recht, versteht nicht, will verstehen, nicht fühlen”. Ein anderer denkt: “Frau, ich möchte dir in die Fresse hauen. … Hast du je etwas gefühlt? Bist du schon ganz tot?”

Zaimoğlu gibt eine nette Antwort (Die Frau nickt einem Begleiter zu. “Dem habe ich’s aber gezeigt”, scheint sie ihm zu sagen.). Er verliert eher einen Wortwechsel, als einen Besucher bloß zu stellen–das wäre sehr einfach gewesen. Vielleicht liegt es an der guten Kinderstube. Vielleicht ist das eine Bedingung für erfolgreiche Lesereisen. Es gibt Autoren, die an bestimmten Orten nicht mehr auftreten dürfen, weil sie in Diskussionen billige Triumphe über blöde Zuhörer gefeiert haben…

Nach der Lesung, Diskussion und dem Signieren von Büchern geht Zaimoğlu mit ein paar Leuten in eine Trierer Kneipe. Auch dort geht die Diskussion weiter. Sehr ehrlich, sehr interessant, manchmal sachlich, aber meist ehrlich (!). Ein wahnsinnig interessanter und bereichernder Abend.

Traurig ist nicht nur, dass es so viele tote Menschen zu geben scheint. Traurig ist auch–für Trier–, dass es nicht mehr Interesse an hochkarätiger und überwältigend guter und schöner deutsche Gegenwartsliteratur gibt. Die Lokalzeitung hatte im Vorfeld nur ein paar Zeilen für die Veranstaltung übrig und berichtete lieber über Asterix und Obelix. Dabei gäbe es doch gerade in Trier so viel über Zaimoğlu zu schreiben. Hier wurde er einmal aus seiner eigenen Lesung (in einer Schule) geschmissen… Aber vielleicht hat der Trierische Volksfreund einfach nur die Pressemappe versemmelt. Wer kann das schon sagen?

Ich freue mich auf die nächste Buchmesse, wo ich Feridun Zaimoğlu bestimmt wieder hören werde. Ich freue mich auf die Lektüre seiner Texte. Ich freue mich, dass ich einen so schönen Abend mit deutscher Literatur und mit einem ehrlichen, lebendigen und wahnsinnig sympathischen Autor haben durfte, der einen tatsächlich nicht dumm wirken lässt, wenn man doch noch etwas empfindet…

Feridun Zaimoglu, Hinterland (Köln: Kiepenheuer, 2009). 442 Seiten, 19,95€.

Homophobe Schmiererei kann wohl kein Qualitätsjournalismus sein

Philipp Gut hat in einer Zeitung eine m. E. homophobe Schmähschrift veröffentlichen dürfen. Das ist nicht nur peinlich für die Zeitung sondern auch an sich ein skandalöser Vorgang. Während manche das Thema aufgreifen ohne Stellung dazu zu beziehen, kocht in vernünftigeren und demokratischeren Medien die Empörung hoch. Mario Sixtus erkennt in Guts “Sud aus Gift, Hysterie und Dumpfheit” das Versagen des Journalismus der alten Medien. Ich wollte mich an dieser Stelle auch genauer mit dem Text Guts beschäftigen, muss es aber gar nicht mehr, wenn ich auf Stefan Niggemeiers sehr richtige Analyse verlinke. Bleibt mir nur, ein paar Pfuis auszusprechen: Pfui, Herr Ruf! Pfui, Weltwoche! Pfui, Welt Online!