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Category Archives: Zeitgeist

Ist Christus ein Spielverderber?

Eigentlich sind es ja mindestens elf. Aber gut...

“Kackbratze”…

…sagt mir etwas. “Hohlbraze” jedoch nichts. Schön, dass der Anwalt von Sandra Ahrabian/Callactive bei der Erklärung nachhelfen kann. Hätte nicht gedacht, dass der eigene Anwalt solche Verknüpfungen herstellen könnte. Frau Ahrabias wirkt doch gar nicht doof, und hässlich ist sie auch nicht; wenngleich ich auch sagen muss, dass ich sie manchmal ziemlich spooky finde, wenn sie sich m. E. eigentümlich bewegt. Ich habe mir immer vorgestellt, dass es sich dabei um operante Konditionierung handeln müsse. Dafür würde man allein einen Anrufzähler im Studio benötigen. Der Rest wäre dann ganz klassisch. Wie bei der berühmten Taube, die sich irgendwann–in der Hoffnung auf ein Korn–total den Hals verdreht…

Übrigens habe ich die Sender, die Callactive-Produktionen ausstrahlen immer noch nicht gespeichert. Eine große Hilfe gegen “Braze” und andere Freunde aus der Wortfamilie.

Wird Beck die Leyen umpolen? Wohl nicht mehr.

Veraltet (vor ein paar Tagen)

Wo ist Ursula?Volker Beck meckert schon wieder. Diesmal gibt es keine Kloppe in Moskau, sondern die Aufforderung an die bundesdeutsche Familienministerin Ursula von der Leyen, sich doch bitte zu distanzieren.

Vielleicht ist sie ja mal da und kann das übernehmen, denn Not tut es in der Tat. Herr Beck fordert:

Frau von der Leyen muss sich von christlich-fundamtentalistischen, selbsternannten “Homosexuellenheilern” distanzieren!

Frau von der Leyen kann nicht als Bundesfamilienministerin Schirmherrin eines Kongresses sein, bei dem gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote gemacht werden. Sie muss entweder die Absage dieses “Homosexuellenheilungsseminares” durchsetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückgeben.
[Quelle]

Aber schauen wir mal auf den Hintergrund: Die Bundesministerin ist Schirmherrin des Kongresses Christival 2008, auf dem (lt. Pressemeldung (oben)) ein fragwürdiges Seminar zur “‘Heilung’ von Homosexualität” angeboten werden wird. Das Seminar werde vom “Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, OJC” veranstaltet.

Um dieses Seminar geht es:

seminarliste.png

[Auszug aus der Seminarliste.]

Zwar scheint die Beschreibung ziemlich kryptisch, jedoch spürt man nichts von etwaigen krankhaft christlich-fundamentalistischen Umpolungsorgien:

644_20080109.png

[Quelle]

Wundern mag man sich trotzdem z. B. über den Tippfehler im Text. Vielleicht ist er der Eile der Veränderung geschuldet. Kuckt (sic) man nämlich in den Google-Cache vom 4. Januar, stellt man fest, dass etwas ganz anderes im Zentrum des Interesses der Veranstaltung stehen sollte.

google_cache_vom_4_jan_teil.png

[Quelle: Google-Cache; Markierung im Vorschaubild von mir]

Sogar den Untertitel des Seminars “Chance zur Veränderung” hat man jetzt klammheimlich verschwinden lassen. Die Seminarleiter sind aber noch dieselben. Offensichtlich haben die beiden schon genug Erfahrung mit dem Thema der Begleitung von Schwulen und Lesben zu heterosexuellem Verhalten (vulgo Umpolung). So referierte die Juristin Monika Hoffmann (lt. Programm) bereits im April 2006 beim vom CVJM gesponserten “GemeindeFerienFestival Spring 2006″ in Ruhpolding unter dem Titel “Homosexualität verstehen” über “homosexuell empfindende” Männer und Frauen, und einen “alternativen Umgang” mit dem Thema: einen “Weg der Veränderung hin zur Heterosexualität”. Auch Konstantin Mascher war damals bereits dabei und sprach über Sexualität. In den “Nachrichten aus dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)” tauchen beide Personen in unterschiedlichen Funktionen im Impressum auf. Überhaupt scheint die Publikationsreihe “Bulletin: Wissenschaftliche Artikel zu den Themenschwerpunkten Ehe und Familie, Identität, Homosexualität, Sexualität, Gender, Weiblichkeit, Männlichkeit” recht interessant. In ihr wird z. B. ein Text von Joseph Nicolosi, dem Autor des A Parents’ Guide to Preventing Homosexuality (2002) veröffentlicht, in dem von einer Heilung von Homosexuellen gesprochen wird. Auch die anderen Themen der Reihe sprechen Bände über diese Einrichtung.

Übrigens ist Frau Ministerin nicht die einzige, die ihren Namen für diese Veranstaltung hergibt. Der Herr Hahne vom ZDF darf natürlich auch nicht fehlen, und der CVJM sponsert auch hier.

Update (heute)

Inzwischen ist das Seminar gestrichen. Die Seminarleiter begründen: “Wir möchten nicht, dass eines von 225 Seminaren dazu führt, dass das Christival mit Kritik überhäuft wird, bevor es überhaupt startet” [hier]. Eigentlich sollten die Veranstalter des Kongresses froh sein, dass sie keine fragwürdigen christlich-fundamentalistischen Schwulenpathologisierer auf dem Christival haben. Stattdessen bedauert der Pressesprecher jedoch, “dass es Politiker gibt, die mit Vorurteilen an die Öffentlichkeit gehen, ohne die Inhalte einzelner Programmpunkte zu kennen” [dito]. Da (1: frage ich mich spontan | 2: fragt man sich),* (1: ob | 2: was sich) die Veranstalter (1: noch ganz sauber sind | 2: bei diesem Kommentar gedacht haben). Offensichtlich haben sie die Kritik entweder nicht verstanden, haben sich nicht mit dem Hintergrund der Seminaranbieter und deren Organisation beschäftigt, gehen mit ihnen sogar d’accord oder sind nicht kritikfähig. Ein Kommentar von Frau Familienministerin ist mir nicht bekannt.

Einige Stichworte zu 008

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Der Euro ist der neue Dollar

Ja klar, man munkelt schon eine Weile auf der anderen Seite des großen Teichs “the euro is the new dollar”. Und das mag stimmen. Top-Thema also im nächsten Jahr. Und wenn der Wertverfall des US-Dollars so weitergeht, dann kann ich alles bei Amazon.com bestellen, mir direkt ins Haus kommen lassen, und es ist trotz Mindestlohns für Briefzusteller immer noch billiger, als selbst aus dem Haus zu gehen und im Laden um die Ecke zu kaufen.

Rauchverbot

Wenn man aber dann doch aus dem Haus geht, dann ist man besser vorsichtig, da ja überall die aus den “Gaststätten” verbannten Raucher herumstehen und die Umwelt zuquarzen. Früher wurde der ganze Feinstaub direkt durch die Lungen des Thekenpersonals gefiltert. Jetzt muss man als Passant diesen Job erledigen. Wenigstens wird es aber schön warm draußen. Im Sommer ist Klimawandel und für den Winter haben wir die Heizpilze.

Innere Sicherheit

Alles wird sicher. Hofft man. Auch wenn es viele Freiheiten kostet. Das ist auch sicher.

OBM vs. Bevölkerung

Au ja, mein sehr geschätzter Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung. Der wird seine Linie wohl durchsetzen. Da wird in der Jahresendansprache Werbung gemacht für sein großes Projekt, im Amtsblatt, in der Mieterzeitschrift des kommunalen Wohnungsunternehmens. Überall tritt der Mann, der sich gern als Diener des Stadtrats und Freund des Bürgers darstellt, als Werber für die sehr eigene Ansicht auf, dass man doch endlich mal das Tafelsilber verscherbeln sollte. Wahrscheinlich steht Herr Jung auch gerade vor–auch was sag ich: im–Bäckerladen um die Ecke und quatscht Einkaufende an. Mich soll’s nicht stören. Wegen Dollar-Verfall etc. muss ich da ja nicht mehr hin. Zum Bürgerentscheid muss ich wohl aber trotzdem aus der Bude.

Semesterticket

Großer Skandal. Jaja. Die Studierendenschaft an der Uni Leipzig entscheidet dagegen. Also gegen das, was es jetzt neu geben sollte. Ein Pflichtticket für alle, ziemlich teuer sogar, wie ich finde. Aber ich fahre ja Rad. Habe mich selbst der Stimme enthalten, da ich wegen der Pendelei vom Ticket profitieren würde aber trotzdem dagegen bin.

Mal sehen, was passieren wird. Die LVB bekämen dann den Sockelbeitrag nicht mehr, Studierende aus dem Umland würden sich den Zuzug nach Leipzig auch sparen können (spart die Stadt auch noch den Bonus), brillante Leute mit 1,0er Abi, die sich nicht leisten können, z. B. in Bayern zu studieren, würden es sich auch bei Leipzig stärker überlegen müssen (aber das Problem löst sich ja im Herbst 2009, wenn der Ehemann der Tunnelfee in Dresden genug Sitzfleisch hat)… Also, Moment! Das heißt ja, dass die LVB, die der Stadt gehören, mehr Kohle durch die Tickets bekommen (zumindest, wenn das Wetter schlecht ist oder man ein paar Radfahrer im Park überfällt oder so), gleichzeitig spart sich die Stadt den Zuzugsbonus und Kohle für die freie Szene. Denn, wo keine Studenten (vor allem abends nicht), da auch wenig Kultur–behaupte ich. Das klingt nach dem finanziellen Polster, das die Stadt bräuchte, falls man doch die Stadtwerke nicht teilverkaufen darf. Denn verplant ist es wohl schon.

Knut

Man glaubt es nicht, da denkt man, man hätte Ruhe vor dem Vieh–gerade wo der doch irgendwie gar nicht mehr so schön anzuschauen ist (Irgendwie sieht der doch schmutzig aus, oder?)–und dann wählt man ihn als Maskottchen für die UN-Naturschutzkonferenz im Mai. Äks!

Geselligkeit

Ja, und dann werden Menschen in diesem Jahr auch z. B. dreißig. Ob, wann und wie das gefeiert wird, kann man noch nicht sagen. Mal schauen. Was man aber weiß ist, dass dieses Jahr der 1. Mai auf einen ersten. Nein, dass Christi-Himmelfahrt auf den ersten Mai fallen wird. Zum ersten Mal. Das heißt: Demonstration die Adolf Südknecht bist runter zum Kreuz. Aber morgens schon volltrunken.

Zum ersten Mal gibt es 008 dann auch Andreas Keppler und Eva-”Ist das nicht dem Assauer seine Frau aus der Bierreklame?”-Saalfeld. Damit gibt es dann also auch sowas wie einen Thüringer Tatort. Also wegen des Namens. Aber was ist denn dann mit Keppler–bei diesen sprechenden Namen? Der kam doch aus Weil der Stadt, und hatte ein P weniger. Aber vielleicht ist das auch Humbug. Hauptsache die neuen sind nicht so öde wie die alten. Aber da müsste man sich ja arg anstrengen. Anstrengung aber muss man beim Heimatsender nicht befüchten.

Serverumzug

Steht auch irgendwann auf dem Plan. Hier wird wahrscheinlich einiges den Bach runter gehen. Aber Herr Schäuble stellt mir bestimmt sein Backup zur Verfügung. ;-)

In diesem Sinne, auf ein gutes neues Jahr!

Hern Wikert seine Baletrupe

Irene Dische bereits am 4. November bei NDR im Gespräch mit Uli Wickert, der (vgl. 24′30″) beim Thema neue Rechtschreibung ziemlich ertappt und unfokussiert klingt:


Das ist ein Link zum NDR-Podcast.

Wie war das noch?

“Wenn es jetzt die Balletttruppe mit drei t heißt. [...] Das ist so absurd.”

“Vermutlich haben die auch nicht richtig nachgedacht. Sondern da hat ein Beamter ihnen [den Kultusministern] eine Vorlage gemacht [...].”

Hauptsache Herr Wickert verfügt da über die entsprechende Expertise.

“Da kann man nur seufzen!”

Fragen an Gunter Weißgerber (MdB)

Leicht gekürzte Kopie meiner Nachricht an MdB Gunter Weißgerber (Wahlbezirk Leipzig II).

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

[...] Wie ich der Website des Bundestages entnommen habe, haben sie in der 124. Sitzung des Bundestages am 9. November in der namentlichen Abstimmung zur “Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG; Drs.16/5846 und 16/6979″ mit “Ja” gestimmt.

Leider finde ich weder auf Ihrer Website eine Stellungnahme dazu, noch habe ich eine Antwort auf Anfragen im Vorfeld (vgl. hier) bzw. nach (vgl. hier) der Abstimmung gefunden. Deswegen wende ich mich nun direkt an Sie.

Mich würde interessieren, wie Sie Ihre Entscheidung mit Ihrem rechtsstaatlichen und demokratischen Verständnis vereinbaren können. Denken Sie, dass Sie Ihrer Pflicht nach Artikel 38, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nachgekommen sind? Wie haben Sie, auch im Hinblick auf die deutsche und Ihre eigene Geschichte, der Konstruktion einer abstrakten Terrorgefahr folgend, massiven Einschränkungen bürgerlicher Rechte (besonders nach Artikel 5, GG) zustimmen können? Oder vertrauen Sie, vielleicht nicht allein nach Ihrem Gewissen entschieden habend, wie andere Kollegen auf das Bundesverfassungsgericht (vgl. Anlage 4 “Erklärung nach §31 GO” des stenografischen Berichts der Sitzung)?

In der Sitzung haben Sie über das “Einheitsdenkmal” gesprochen. Sie waren an der friedlichen Revolution in der DDR beteiligt. Waren Sie einmal in der Runden Ecke? Schätzen sie das Fernmeldegeheimnis nicht? Wie konnten Sie gesetzlichen Regelungen, die de facto dafür sorgen werden, dass von allen Bundesbürgern festgehalten wird, wann sie mit wem telefoniert haben, wem sie welche E-Mail zu welchem Thema geschrieben haben und auf welchen Internetseiten sie nach Informationen gesucht haben an einem 9. November zustimmen?

Schämen Sie sich dafür kein bisschen? Oder sorgen Sie sich nur darum, dass die SPD für die Generation Internet nun eigentlich unwählbar geworden sein sollte? Oder ist es Ihnen ganz gleich?

Herzliche Grüße

[...]

Gegen den Präventivüberwachungsstaat, gegen Stasi 2.0: CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke entscheiden heute über Vorratsdatenspeicherung

Damit mir spätere Generationen keine Mitläuferschaft vorwerfen können, muss ich jetzt ganz kurz vor der Abstimmung (trotz Ecke rechts oben) noch einmal sagen, dass ich gegen die Vorratsdatenspeicherung und die Umwandlung Deutschlands vom freiheitlich demokratischen Rechtsstaat zum präventiven Überwachungsstaat bin und davor warne. Es wäre sehr sehr traurig, wenn der Bundestag heute tatsächlich für die Vorratsdatenspeicherung stimmen würde.

Damit man weiß wie und wer dafür oder dagegen gestimmt hat und wer denn anwesend war oder nicht, möge man heute Debatte und Abstimmung auf einem der folgenden Nachrichtenkanäle live verfolgen:

Von 12.55 Uhr bis 13.55 Uhr will der Bundestag über den Gesetzentwurf zur “Neuregelung der Telekomunikationsüberwachung”, der eine sechsmonatige Speicherung aller (!) Verbindungsdaten in Deutschland vorsieht debattieren.

Weitere Info bei vorratsdatenspeicherung.de.

Wie man langweilige Nachrichten schön schreibt: Sebastian Wieschowski bei SpOn

Glücklich und erschöpft liegen sich die Kollegen des T-Punktes in der Schildergasse in den Armen, stoßen mit Sekt an, verschwinden in der Finsternis der Großstadt. Und immer wieder sieht man zwischen Einkaufsstraße und Hauptbahnhof einsame Menschen im strömenden Regen auf Bänken sitzen, die eifrig eine schwarze Kiste aufreißen und gierig ein futuristisch aussehendes Telefon herausnehmen.

Wie damals bei der Autorennbahn. Wie an Weihnachten.
[Quelle]

Bisschen Klischee, aber schön.

“Wie reden Physiker in der Kneipe, wenn sie überhaupt in eine Kneipe gehen?”: Juli Zeh redet schon wieder

Dabei wäre es doch besser, wenn sie schriebe.

Gut, da redet sie mit SpOn über ihr Schilf, macht aber den Fehler, den viele machen.

Ich muss gestehen, dass ich das Fach gleich abgewählt habe. Aber das lag nicht am mangelnden Interesse, sondern an meiner mangelnden Mathebegabung. Meine einzige Erinnerung an den Physikunterricht ist, dass der Lehrer eine riesige Bleikugel nahm, sie runterfallen ließ und sagte: “Das ist Gravitation”. Danach war eine riesige Delle im Boden.

Na, wenn nur die Delle im Kopf blieb, war die Abwahl des Fachs ja begründet.

Mich kotzt geistes- und sozialwissenschaftliche Naturwissenschaftsignoranz an. Enorm. Wenigstens lobt sich Zeh nicht noch für ihre Defizite.

Der Argentinier…

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…spielt keine große Rolle mehr nach 40 Jahren. Aber Name und Abbild sind ein Kultsymbol, das von entpolitisierten “Linken” hochgehalten wird.

Übrigens bildet die FR den Che heute ganz oben (jedoch rechts außen und ganz klein) auf der Titelseite ab, während die FAZ tanzende Greise (sic!) zeigt. Damit hat sich auch geklärt, welche Politik man bei der FAZ mit den Titelbildern fährt. Man zeigt einfach jeden Scheiß, solange das Foto farbig ist.

[Photo: Che Guevara statue at the site of his death in Bolivia. | Original author: Augusto Starita. | Source: English Wikipedia, original upload 1 April 2004 by Pilaf. | GFDL 1.2]

“Religion ist vielleicht die älteste totalitäre Versuchung”: Arno Widmann zu Joachim Meisner

Source + info: cf. link.Zwar ist es einige Tage her, doch sollte man noch einmal auf Arno Widmanns Meisner-kritischen Artikel aus der FR verweisen (FR. 17. Sep. 2007, 32). Im Rahmen der allgemeinen, aber doch zu schnell eingeschlafenen Kritik am Kölner Kardinal, schreibt Widmann grundsätzlicher. Nicht nur um Meisners unverschämte Entartungs-Rhetorik ist es ihm, sondern um alle seine verstörenden Verweise auf den Nationalsozialismus.

Der 1933 in Breslau geborene Joachim Meisner scheint besessen vom Nationalsozialismus. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, ihn zu erwähnen. Mal braucht er ihn, um abtreibenden Frauen klarzumachen, dass sie nicht besser sind als die massenmordenden Nazis es waren, mal kultiviert er selbst das nationalsozialistische Vokabular und spricht von ‘Entartung’ oder um ihn genau zu zitieren: ‘Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.’ [hier]

Widmann bewertet, dass Meisners Katholizismus totalitär sei:

Der Anspruch darauf, überall und in allem das letzte Wort zu haben, wird derzeit von niemandem so vorbehaltlos, ja so schamlos vorgetragen wie von Joachim Meisner. Er weiß nicht nur genau, wie Ehepaare sich zu verhalten haben, er weiß auch, was Kunst ist und keine. Er weiß ganz genau wie Gott verehrt werden möchte und dass nur Männer ihm als Priester dienen dürfen. Besorgniserregend ist freilich nicht der totalitäre Wahn von Meisners Glauben. Besorgniserregend wäre eine Gesellschaft, die ernst nimmt, die ihm mit Respekt begegnete.

Bleibt zu hoffen, dass die Position des Herrn Meisner beim nächsten sicher kommenden Meisner-Feuilleton-Bashing einmal Schaden nimmt und er sich nicht wieder für eine Beförderung nach Rom profilieren kann. Ich frage mich, was er äußern muss, damit die Kölner Katholiken ihm mal altes Obst an die Kanzel klatschen.

Aus der Reihe “Horatiorama bei Heldenstadt”: ToT - Der MDR feiert sich und sein Publikum

Es ist 9.30 Uhr. Vorm Haus diskutieren ältere Menschen aus dem Umland, ob es denn zu diesem besonderen Anlass okay wäre, in der zweiten Reihe zu parken. Leute stehen auf dem Bürgersteig und schaffen es nicht, die Straße zum Aldi zu überqueren. Was ist passiert? Der Heimatsender feiert seinen Tag der offenen Tür. Zur großen Einzugssause des MDR nach der Umwidmung des alten Schlachthofs im Jahr 2000 waren die Nachbarn nicht eingeladen, sie sammelten sich vor dem verschlossenen Tor am Ende der Kantstraße und beobachteten von dort ein spektakuläres Feuerwerk. Aber man veranstaltete einen Tag der offenen Tür. Der gab und gibt (denn er wiederholt sich) allen die Möglichkeit zu sehen, wie es bei den Öffentlich-Rechtlichen aussieht. Man erstaunt sich über Wasser im Hochhaus, man freut sich über B- und C-Prominente. “Stars” aus Funk und Fernsehen werden aufgeboten als Verkünder einer verzerrten Medienrealität. Für den MDR ist das eine ganz wichtige Sache. Schon geraume Zeit stehen auf dem Gelände die großen Veranstaltungszelte. An kleineren Aufbauten wurde gestern Abend noch geschraubt. Jetzt ist es soweit. Autos aus den Vororten und dem Umland blockieren die südliche Südvorstadt östlich der Karl-Liebknecht-Straße.

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Die “Stars” des MDR verteilen Autogramme.

Vorsorglich hatte der MDR schon einmal Zettel mit dem Hinweis auf eventuelle Geräusch- und Verkehrsbelästigung am Freitagabend (MDR-Sommerfest) und Samstag an die Haustüren umliegender Häuser geklebt. Die 240 Meter bis zu mir hat man nicht geschafft, auch wenn inzwischen so ziemlich jede Parkverbotszone innerhalb von 500 Metern um den Eingang zum MDR-Gelände zugestellt ist und im Aldi gegenüber vielleicht der Umsatz einbricht, weil Einkaufswillige keinen Parkplatz mehr finden oder schlicht den Gang über die Straße scheuen.

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Grün so grün sind alle meine Tories

Natürlich sind die Tories konsequenter als die entsprechende deutsche Volkspartei. Es ist ja fast immer so, dass dort, wo die Deutschen Probleme mit ihren Entscheidungsprozessen haben, die Engländer einfach schneller sind. Hier hatte man lange überlegt, wie es denn mit einer Zusammenarbeit von CDU und Grünen aussehen könnte. Zuweilen wird sie praktiziert. Trotzdem hat die CDU kein grünes Image. Grund mag sein, dass trotz aller guten ökologischen Absichtsbekundungen dann doch immer wieder die Industrieinteressen vorn stehen. Die Briten sind da anders. Da wird erst ein vollständig neues Gesamterscheinungsbild entwickelt, das die Partei in eine grüne Ecke stellen soll. In frischem grün und blau steht dort ein Baum neben den Zeilen “Conservatives / it’s time for change”. Sehr schön, auch wenn manchem die Thatcher-Fackel besser gefiel. Damit nicht der Inhalt fehlt, äußert man sich nun zur Erderwärmung, und das nicht zu knapp, mit großem Getöse und gegen Teile der Industrie gerichtet. Erst einmal soll es der Bereitschaftsfunktion von Elektrogeräten an den Kragen gehen. 2,25 % des Britischen Energiebedarfs würden für die Stand-By-Funktion verschwendet. Ein älterer Konservativer im Guardian: Continue reading ›

Viewer Response

Habe übrigens jetzt einen deutschen Musiksender und einen recht neuen Comedy-Kanal aus meiner Fernsehprogrammliste gelöscht. Hintergrund sind Entscheidungen deutscher Gerichte zur ‘Störerhaftung’ (ich würde so etwas als Zensurinstrument bezeichnen wollen). Danach sei z. B. ein Blog-Betreiber für die Kommentare seiner Besucher haftbar, nicht die Kommentatoren selbst. Stefan Niggemeier hat das schon spüren müssen. Eine Firma, die eine Sendung produziert, die über die beiden bei mir entfernten TV-Sender ausgestrahlt wird, sah ihre Rechte durch Kommentare auf Stefans Blog beschnitten und ließ ihn abmahnen. Auch der Spiegel schrieb über diese Firma. Ich werde nicht darüber schreiben; auch keinen Brief an Frau Zypries, die als Bundesministerin der Justiz ein Auge auf absurde, repressive und gegen den Internetstandort Deutschland gerichtete Gesetzgebung und Rechtsprechung haben sollte. Ich drehe für mich einfach das Prinzip der Störerhaftung um und schalte entsprechende Sender nicht mehr ein. Das heißt für mich dann auch: nie wieder Klingeltonwerbung. *Jubel*.

Ich finde übrigens, dass ich soetwas viel häufiger tun sollte. So wie mein norditalienischer Bekanntenkreis - aus für mich nachvollziehbaren Gründen - keine Produkte des größten Lebensmittelkonzerns kauft, so meide ich schon seit langem Produkte einer bestimmten deutschen Molkerei. Leider kann man schwer eine Liste fieser Geschäftemacher publizieren. Vielleicht sollte man es anders herum tun: Einfach einmal Firmen loben, die sich ihrer gesellschaftlichen/sozialen Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln. Für Umweltverträglichkeit gibt es eine Reihe verschiedener Ökosiegel. Wie steht es mit der Sozialverträglichkeit?

GEZ noch?: GEZ mahnt ab

Jetzt wurde es der Gebühreneinzugszentrale wohl auch zu bunt. (Imho) hatte man jahrelang Schwarzkucker als “Schwerkriminelle” dargestellt–man erinnere an Heinz G.–oder versucht ebendiese einzuschüchtern* um sie zur Anmeldung eventuell vorhandener Radios und Fernseher zu bewegen. Nun ärgert man sich wohl über das damit aufgebaute Image, das natürlich auch auf die Rundfunkanstalten zurück fällt. Continue reading ›

Zwei Frauen, ein Mann, ein Kondom: Pizza in Leipzig

aktion_2007-07.jpgVorgestern im Briefkasten einen Werbeflyer von World of Pizza gefunden und mich gefragt, was diese Werbung bedeuten soll. Dazu gibt es dann den Satz “Welcher von beiden es besser geschmeckt hat, erfährt er wohl nach dem Dessert,” der mich genau so fragen zurück lässt. Was will mir diese Werbung sagen? Geht es um das Angebot des Monats, “Pizza Summer Night”? Bekommt man ein Kondom mit dazu? Soll hier einfach nur Safer-Sex propagiert werden? Werde ich mit Rauke und Weichkäse auf der Pizza besonders attraktiv für Frauen, oder hat die Pizza den idealen Nährwert für sonst auslaugende Threesome-Abenteuer? Warum scheint eine der beiden Frauen auf dem Bild zu schlafen? Macht zu viel Pizza müde? Vielleicht muss ich einfach mal das Angebot ordern. Dann weiß ich bestimmt mehr.

[Abbildung: World of Pizza]

Festspielzeitsonderbildbericht Bayreuth 2007/1

Blut am Flaschenhals, HIV-Risiko, Blutvergiftung: Das Gelblog hilft da nicht.

Da heute einige Leute mit ziemlich eigenartigen, gesundheitsbezogenen Suchbegriffen zu diesem Blog kamen und ich mich etwas sorge, möchte ich dazu etwas sagen.

Lieber Besucher,

wenn du hier bist, um eine Anleitung zur Erkennung von Blutvergiftungen zu finden, bitte vergiss es! Geh zum Arzt wenn es dir sehr schlecht geht! Schnell! Das Gleiche gilt, wenn du hier Flaschenhals, Blut und HIV in Kombination suchst. Zur eventuellen Beruhigung sei nur bemerkt, dass meines Wissens das Risiko einer HIV-Infektion durch den Kontakt gesunder Haut mit kontaminiertem Blut sehr gering ist. Hast du dich jedoch an einer zerschlagenen Flasche geschnitten, mit der vorher bereits ein HIV-positiver Mensch aufgeschlitzt wurde, dann handel bitte sehr schnell! Ich würde die Wunde gut antiseptisch spülen und mich sehr schnell (! sofort !) mit einem Arzt in Verbindung setzten, um den Sinn und die Möglichkeit einer PEP zu klären.

Bitte bitte, lieber hierhergegoogelter Schwerkranker, bitte, geh zum Arzt und durchstöber nicht das Internet, wenn es um etwas sehr ernstes geht!

Mit herzlichen Genesungswünschen

Horatiorama / Gelblog

Terrorangst in Überwachungsmensa?

Beckfachinlaufrichtung schreibt über ein Erlebnis in der Mensa Petersteinweg. Wegen der Anfertigung eines Fotos wurde er dort von der Polizei befragt, über ein mögliches Hausverbot wurde gesprochen und die Löschung des Fotos verlangt. Hansi hatte bereits über die Installation von Überwachungskameras in der Einrichtung des Studentenwerks Leipzig berichtet. Ich frage mich, was die Kameras dort machen und warum man offensichtlich panisch auf Fotografien reagiert. Wie steht es wohl um die Gefahrenlage der Mensa? Weiß man um mögliche konkrete Anschlagspläne, oder wurden nur Tabletts geklaut? Wurden die Überwachungsfragen auch mit dem StuRa abgesprochen? Fragen über Fragen. Vielleicht meldet sich Frau Hölzel von der Öffentlichkeitsarbeit des Studentenwerks und erklärt die eigenartigen Vorgänge in der Einrichtung.

Bionade in der Plasteflasche

Wie ich im Gespräch des Öfteren schon vernommen habe, hat sich in Leipzig der Glaube breit gemacht, dass es das Erfrischungsgetränk “Bionade” nur in Glasflaschen gäbe. Man kennt sie aus den szenigeren Kneipen und Klubs. Ein bisschen wie vor ein paar Jahren die Premium-Cola, nur vielleicht sogar noch gesünder, ist die Bionade ein Trend der möglicherweise bald von etwas neuem, vielleich dem Tannenzäpfle abgelöst werden könnte. Wer weiß? Also, das Gelblog reißt, um das ein bisschen stadel zu vermeiern, diesem fiesen Irrglauben das Feigenblatt vom Etikett und präsentiert ein Beweisfoto. Ta. Ta.

Bionade in der Plastikflasche