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Category Archives: The Third Culture

Überholen ohne Einzuholen beim Zwersten Trierer Science Slam

Die Zweiten werden die Ersten sein, heißt es irgendwo. Vielleicht auch nicht. Aber das ist auch egal, denn es scheint zumindest beim ersten Trierer Science Slam so zu sein. Der ist mindestens der zweite, was aber keinen stört, denn mit der Wahrheit ließe sich schlechter werben.

Beim Stadtblog mit Identitätsproblem lokalen Nachrichtenportal 16vor schreibt man, dass das Studentenwerk zusammen mit dem Verein “Kulturraum Trier” zu Beginn des Semesters den “ersten Trierer ‘Science Slam’ veranstalten” wolle. “Wir sind auf dem besten Weg, eine rheinland-pfälzische Premiere zu veranstalten”, weiß dann auch der Organisator zu behaupten. Allerdings wird nur durch einen O-Ton die Unwahrheit nicht richtiger. (Und ganz nebenbei: Eine gute Idee, keinen Verfasser zum offensichtlich überhaupt nicht recherchierten Artikel bei 16vor zu setzen.)

Interessanterweise verweist der Text nicht auf die vom traditionreichsten Slam-Veranstalter, dem Haus der Wissenschaft in Braunschweig, geführte Website scienceslam.org, sondern auf so etwas wie die zweite Reihe der Szene (was ja dann auch wieder zum Motto–die Zweiten werden die Ersten sein–passt): auf die Website der Hamburger Biologin Dr. Julia Offe, die u. a. auch den zweiten Berliner Science Slam veranstaltet. (Übrigens unterscheiden sie die beiden URLs, wenn man will, nur in einem Bindestrich: scienceslam.de vs. scienceslam.de) Überhaupt scheint es in dem Bereich einiges an Wettbewerb zu geben, wie ein Blick auf die Veranstaltungsseite der ersten Berliner Slammer zeigt. Die wollen u.a. auch nach Köln, wo Frau Offe schon veranstaltet. Aber all das ist total verworren und kompliziert und sowieso ohne Garantie und vollkommen uninteressant. Was viel wichtiger ist, ist festzustellen: der erste Trierer Science Slam fand bereits am 14. Mai 2010 statt. Und er war auch noch richtig authentisch trierisch, denn er wurde vom ortsansässigen selbstredend e. V. organisiert.

Wer das alles noch einmal nachlesen möchte: Informationen zum wirklich ersten Trierer Science Slam gibt es hier. Ach so, und dass die Pressestelle der Uni die falsche Nachricht weiterverbreitet (obgleich sie es am besten wissen sollte, schließlich war die Uni Veranstaltungsort des ersten Slams), kommentiere ich am besten nicht.

PS: Für die nächste Werbeoffensive: Powerpoint-Karaoke gibt es übrigens auch schon regelmäßig in Trier. Da kann man eigentlich auch wieder nur Zwerster sein. 😉

UPDATE/KORREKTUR: Erfahre gerade [via Marcus Stölb], dass Meldungen, die de facto nur auf einer Pressemitteilung basieren nicht mit Namen getaggt werden. Also kein passender Einfall für diesen spezifischen Artikel bei 16vor, sondern generelles Prinzip.

Ig-Nobel ehrt Schwule Bombe

Der Ig-Nobelpreis ist so eine Art Antithese zum anderen, viel bekannteren Nobel-Preis. Die Preisverleihungen liegen nur ein paar Tage auseinander. Beim einen gibt es eine Menge Kohle und Anerkennung. Beim anderen ziemlich viel Spaß. Denn was dort belohnt wird ist eigenartige, auf den ersten Blick irrsinnige Forschung. Die Veranstalter meinen, dass es um Forschungen gehe, die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen.

Da wurden schon einmal Wissenschaftler belohnt, die untersuchten, warum der Specht keine Kopfschmerzen bekommt oder warum viele Menschen das Geräusch über eine Tafel kratzender Fingernägel nicht ausstehen können.

In diesem Jahr gab es u. a. Preise für Untersuchungen an Schwertschluckern, zu Zerknitterungsmustern in Bettlaken und zur Gewinnung von Vanillin aus Kuhdung.

Der ‘Friedenspreis’ aber ging am Donnerstag an das Wright Laboratory der Air Force in Dayton/Ohio. 1994 verfassten Forscher dort einen dreiseitigen Vorschlag zur Entwicklung neuer chemischer Waffen. Gegnerische Soldaten sollten unter dem Einfluss eines zu entwickelnden Aphrodisiakums lieber übereinander herfallen als zu kämpfen.

gay_bomb.png

Die Dokumente, die diese Vorschläge enthalten, wurden auf Anfrage des Sunshine Project, einer Lobbygruppe gegen biologische Waffen, herausgegeben.

‘We don’t know if this document was the start and end of it or whether, in fact, this project continued and perhaps continues to this day,’ said Marc Abrahams, editor of the Annals of Improbable Research and the man behind the Ig Nobel awards.
[GuardianScience]

Jean Baudrillard tot

Gerade habe ich aus England eine billige Ausgabe der Barthes’schen Sammlung Image, Music, Text bekommen, mich sogleich noch einmal über den sogar falsch zitierenden Lev Manovi? geärgert und etwas über das Simulacrum nachgedacht, da erfahre ich, dass Jean Baudrillard verstorben ist. Wie damals bei Kurt Cobain (der sich eine Woche nachdem ich entschieden hatte, richtig Nirvana-Fan werden zu wollen das Hirn wegblies) oder später bei den Beatles (ich gebe zu: die hatten sich bereits geraume Zeit vor meinem Interesse aufgelöst) komme ich auch diesmal nicht mehr dazu, das Werk zu Lebzeiten des Autors* zu verfolgen. Vielleicht hat das in diesem Fall sogar Vorteile. Obgleich ich mir schon eine Weile “Forget Baudrillard!” gesagt habe, überlege ich jetzt wieder. Man kann von einem abgeschlossenen Werk ausgehen, was ganz andere Perspektiven eröffnet, einem eine gewisse Sicherheit verschafft. Wie dem auch sei. Traurig ist so etwas immer. Im GWZ wird sicher mindestens ein Professor mit schwarzer Binde herumlaufen. Aber es bleibt die sehr exakte Karte des Poststrukturalismus. Sie bleibt auch dann ein genaues Abbild des Geländes, wenn dieses bereits verschwunden ist. Nur gut!

Richard Dawkins’ Vorlesung “Queerer Than We Suppose: The Strangeness of Science” (Podcast-Empfehlung)

Now my own suspicion is that the Universe is not only queerer than we suppose, but queerer than we can suppose. [J. B. S. Haldane]

Picture of Prof. Richard Dawkins, March 2005. Permission for photo granted by Richard Dawkins. Photo by Christopher G Street, Bransgore, Dorset, UK. Public Domain. Source: WikipediaDer Mensch sei nicht fähig, eine Realität zu erfassen, die außerhalb der Wahrnehmung liege. Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins, Professor für populäres Wissenschaftsverständnis in Oxford, erklärt am 21. Oktober 2006 in seiner “Beatty Memorial Lecture” an der McGill University warum dem so sei. Es liege wohl daran, dass der Mensch in einer Mittelwelt entstanden sei und eben nicht in der Welt des ganz kleinen (QM), des ganz großen oder des ganz schnellen (SRT). Richard Dawkins ist bekannt durch kontroverse Bücher wie The Selfish Gene (1976) oder The God Delusion (2006). Dawkins’ Analogien und Metaphern sind grandios, wie auch seine Sprache. Inhalt, Sprache und Dawkins selbst wirken queerer than we suppose, indeed. Sehr hörenswert!

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[51’58” (1′ Anmoderation)]

Hier ist die kanadische Rede (CBC Radio: The Best of Ideas), hier ein entsprechendes Video des gekürzten Vortrags aus Oxford.