Veraltet (vor ein paar Tagen)
Volker Beck meckert schon wieder. Diesmal gibt es keine Kloppe in Moskau, sondern die Aufforderung an die bundesdeutsche Familienministerin Ursula von der Leyen, sich doch bitte zu distanzieren.
Vielleicht ist sie ja mal da und kann das übernehmen, denn Not tut es in der Tat. Herr Beck fordert:
Frau von der Leyen muss sich von christlich-fundamtentalistischen, selbsternannten “Homosexuellenheilern” distanzieren!
Frau von der Leyen kann nicht als Bundesfamilienministerin Schirmherrin eines Kongresses sein, bei dem gefährliche Psychokurse und minderheitenfeindliche Angebote gemacht werden. Sie muss entweder die Absage dieses “Homosexuellenheilungsseminares” durchsetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückgeben.
[Quelle]
Aber schauen wir mal auf den Hintergrund: Die Bundesministerin ist Schirmherrin des Kongresses Christival 2008, auf dem (lt. Pressemeldung (oben)) ein fragwürdiges Seminar zur “‘Heilung’ von Homosexualität” angeboten werden wird. Das Seminar werde vom “Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft, OJC” veranstaltet.
Um dieses Seminar geht es:

[Auszug aus der Seminarliste.]
Zwar scheint die Beschreibung ziemlich kryptisch, jedoch spürt man nichts von etwaigen krankhaft christlich-fundamentalistischen Umpolungsorgien:

[Quelle]
Wundern mag man sich trotzdem z. B. über den Tippfehler im Text. Vielleicht ist er der Eile der Veränderung geschuldet. Kuckt (sic) man nämlich in den Google-Cache vom 4. Januar, stellt man fest, dass etwas ganz anderes im Zentrum des Interesses der Veranstaltung stehen sollte.

[Quelle: Google-Cache; Markierung im Vorschaubild von mir]
Sogar den Untertitel des Seminars “Chance zur Veränderung” hat man jetzt klammheimlich verschwinden lassen. Die Seminarleiter sind aber noch dieselben. Offensichtlich haben die beiden schon genug Erfahrung mit dem Thema der Begleitung von Schwulen und Lesben zu heterosexuellem Verhalten (vulgo Umpolung). So referierte die Juristin Monika Hoffmann (lt. Programm) bereits im April 2006 beim vom CVJM gesponserten “GemeindeFerienFestival Spring 2006″ in Ruhpolding unter dem Titel “Homosexualität verstehen” über “homosexuell empfindende” Männer und Frauen, und einen “alternativen Umgang” mit dem Thema: einen “Weg der Veränderung hin zur Heterosexualität”. Auch Konstantin Mascher war damals bereits dabei und sprach über Sexualität. In den “Nachrichten aus dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG)” tauchen beide Personen in unterschiedlichen Funktionen im Impressum auf. Überhaupt scheint die Publikationsreihe “Bulletin: Wissenschaftliche Artikel zu den Themenschwerpunkten Ehe und Familie, Identität, Homosexualität, Sexualität, Gender, Weiblichkeit, Männlichkeit” recht interessant. In ihr wird z. B. ein Text von Joseph Nicolosi, dem Autor des A Parents’ Guide to Preventing Homosexuality (2002) veröffentlicht, in dem von einer Heilung von Homosexuellen gesprochen wird. Auch die anderen Themen der Reihe sprechen Bände über diese Einrichtung.
Übrigens ist Frau Ministerin nicht die einzige, die ihren Namen für diese Veranstaltung hergibt. Der Herr Hahne vom ZDF darf natürlich auch nicht fehlen, und der CVJM sponsert auch hier.
Update (heute)
Inzwischen ist das Seminar gestrichen. Die Seminarleiter begründen: “Wir möchten nicht, dass eines von 225 Seminaren dazu führt, dass das Christival mit Kritik überhäuft wird, bevor es überhaupt startet” [hier]. Eigentlich sollten die Veranstalter des Kongresses froh sein, dass sie keine fragwürdigen christlich-fundamentalistischen Schwulenpathologisierer auf dem Christival haben. Stattdessen bedauert der Pressesprecher jedoch, “dass es Politiker gibt, die mit Vorurteilen an die Öffentlichkeit gehen, ohne die Inhalte einzelner Programmpunkte zu kennen” [dito]. Da (1: frage ich mich spontan | 2: fragt man sich),* (1: ob | 2: was sich) die Veranstalter (1: noch ganz sauber sind | 2: bei diesem Kommentar gedacht haben). Offensichtlich haben sie die Kritik entweder nicht verstanden, haben sich nicht mit dem Hintergrund der Seminaranbieter und deren Organisation beschäftigt, gehen mit ihnen sogar d’accord oder sind nicht kritikfähig. Ein Kommentar von Frau Familienministerin ist mir nicht bekannt.