Bereits geringfügiges technisches Wissen legt den Verdacht nahe, dass man ein Kinderschänder sei. (Wissen an sich legt übrigens den Verdacht nahe, man könnte nicht CDU wählen.) Prüfen Sie sich selbst! Wissen Sie, wie man ein Fahrrad repariert? Wissen sie, wie man einen Videorekorder programmiert? Haben Sie schon einmal ein Loch in eine Wand gebohrt? Wissen Sie, was ein Browser ist und wie man Einstellungen an ihm vornimmt? Dann gehören Sie zu den 20% der nicht ganz normalen Bürger, die zum Teil schwer pädokriminell sind. So ungefähr meint zumindest die Familien- und Zensur- Ministerin.
[Quelle: Interview "Kopf der Woche: Ursula von der Leyen" von Radio Eins/RBB am 24. 4. 2009.]
Übrigens ist natürlich auch erschreckend, dass 80% der “User des Internet” nicht fähig sein sollen, einen DNS-Server einzustellen (und dass, obgleich eine vollständige Anleitung dazu noch nicht einmal 30 Sekunden dauert).*
Besonders problematisch ist wohl, dass diverse Parteien das Thema Pädokriminalität offensichtlich wahlkampfstrategisch ausschlachten (vgl. Zensursula). Etwa ähnliches passierte ja vor geraumer Zeit auch beispielsweise in Leipzig (vgl. Mordfall Michelle), wo die Braunen bei Demonstrationen mit der Forderung der Todesstrafe für Kinderschänder für sich geworben haben. Nun wirbt die CDU mittels ihrer Ministerin in einer Debatte um die Bekämpfung von Kinderpornographie mit einer Internetsperre, die eines demokratischen Rechtstaats nicht würdig scheint; die nicht einmal funktioniert, die allerdings eine Zensurinfrastruktur schafft; die vor allem nicht das Übel, nämlich die schändliche sexualisierte Gewalt an Kindern anpackt, sondern nur einen Sichtschutz für die Bevölkerung installiert. Selbst Opfer dieser Gewalt wenden sich gegen das Vorgehen der Bundesregierung (z. B.). Bei der Zeit gibt es ein interessantes Interview dazu.
Da kann ich nur zwei Dinge inständig hoffen. 1.) Dass das BKA sich nicht nur um den Sichtschutz kümmert sondern auch wirklich gegen diese Gewalt an Kindern vorgeht, Inhalte aus dem Netz tilgen lässt und die Hintermänner dingfest macht. Auch hoffe ich 2.), dass die CDU mit dieser ekligen Wahlkampfmasche ordentlich auf die Fresse fällt. Die Sperrenkritiker, die offenbar mit der Leyen’schen Propaganda (vgl. Radiointerview) in die kriminelle Ecke gestellt werden und damit womöglich mundtot gemacht werden sollen, hat sie nun wohl schon gegen sich. Glückerweise sind das sehr häufig Multiplikatoren.
*Das ist übrigens ganz und gar keine schändliche Sache, sondern angezeigt, wenn man beispielsweise sich selbst gegen Phishing-Seiten oder sein Netzwerk mitnutzende Kinder vor gestimmten Inhalten (z. B. Pornographie, Gewalt, Cartoons, Religion oder anderes) schützen möchte. Dann kann man z. B. Open DNS nutzen.
UPDATE: Ein gut verständlicher Rant gegen die Symbolpolitik bei Telepolis von Bettine Winsemann.





Nicht nur politisch, sondern auch optisch erschien die FR am Freitag in rot. Die Titelseite grüßte mit dem Namen der Zeitung in chinesischer Schrift. Der Zusatz “Unabhängige Tageszeitung” wurde ganz weggelassen. Die Ausgabe war dem Gastgeberland der Olympischen Spiele gewidmet. Auf dutzenden Seiten fand man also Berichte, Kolumnen und Reportagen aus dem Land der neuen Pressefreiheit (Sehr schön die Landkarte als Centerfold.). Im Magazin dann die abgebildete Nachricht. Wann sonst hat man die Chance einen solchen Kalauer in eine Zeitung zu schreiben, und dabei gleichzeitig selbstreflektiv auf das Problemfeld Presse und Politik in China einzugehen? Herrlich. Wenig Resonanz im Bitwald übrigens (bis jetzt nur 



