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Category Archives: *nachdenk*

Unkaputtbares: Meine alten Badelatschen

In den alten Tagen der Billigproduktion hat man auf vieles verzichtet. Sogar auf das Anbringen von Sollbruchstellen. In der internationalen Produktion von Badelatschen aus Kunststoff gab es noch kein Phöbuskartell und keine Haltbarkeitsregel. Deswegen leben meine Latschen jetzt schon vielleicht fünfzehn Jahre. Weil sie nicht kaputtgehen, kann ich auch nicht umsteigen auf modischere Adiletten oder gar auf Zehenstegsandalen (es wäre Verschwendung). Nach Angabe meiner alten Chemielehrerin zerfällt Kunststoff erst nach ein paar Millionen Jahren. Wenn das stimmt, muss ich den Umstieg zum moderneren Modell wohl noch einmal verschieben.

In der Bibo müffelts nach Liebe

Verschwende deine Zeit

Gar nicht schlecht finde ich “Verschwende deine Zeit (Gisberts Blues Nr. 135)” von Gisbert zu Knyphausen. Aber vielleicht liegt das nur an der aktuellen Stimmung.

Olympia- und Olympia-Sponsoren-Boykott

Macht es Sinn, die Olympischen Spiele, die Sponsoren oder die für Übertragungsrechte zahlenden Medien zu boykottieren? Die Bloggosphäre scheint sich sehr intensiv damit zu beschäftigen. Es scheint sich jedoch keine Meinung durchzusetzen.

Eine Liste der Sponsoren der Olympischen Spiele in Peking findet sich auf der offiziellen Website. Mit dabei sind laut Website: Adidas, Coca Cola, McDonalds, Kodak, Panasonic, VISA, Samsung, VW und UPS. Schon eine ganze Weile (Darfur) wird über die Reaktionen der Sponsoren spekuliert. Passiert ist nicht viel.

Beispiel VW: Selbst jetzt, wo die International Campaign for Tibet (ICT) VW vor dem möglichen Szenario warnt (”Bunte VW-Fahrzeuge auf Straßen, die kurz zuvor Schauplatz blutiger Ereignisse waren, wären für die deutsche Öffentlichkeit unerträglich. Das kann nicht im Interesse von Volkswagen sein.”), hält der Autobauer an seinem Engagement fest (vgl. Frankfurter Rundschau, 26.3.: 14).

Gab es 1936 überhaupt auch Sponsoren?

Religiöses “Wie jetzt?”

Ignostizismus, schwacher Agnostizismus oder gar Apatheismus? Oder vielleicht doch theologischer Nonkognitivismus?

Literatur ist das Leben und das Leben Literatur, oder etwa nicht?

Heute hätte ich vielleicht die Chance gehabt, jemanden zum Studium der Literaturwissenschaft zu bewegen. Ich habe es nicht getan und frage mich nun warum. Ist nicht die Literaturwissenschaft die Wissenschaft, die sich mit dem Leben in all seinen Facetten beschäftigt? Ist nicht Literatur das Leben und Leben Literatur? Gerade für einen Menschen, der ein bisschen orientierungslos durch die Welt treibt, kann sie doch ein Anker sein. Sie kann helfen, sich selbst zu verorten, sich im Vergleich mit anderen Leben auszumitteln. Aber braucht man dafür die Wissenschaft? Würde nicht die Literatur allein genügen? Oder wäre ein Studium der Philosophie oder der Psychologie angebrachter? Vielleicht habe ich sie nicht empfohlen, weil der Spagat zwischen meiner Vorstellung von Literaturwissenschaft und dem Schwerpunkt an einer bestimmten Universität zu groß ist. Vielleicht glaube ich nicht, dass man mit dieser Ausrichtung das tun kann, was Literaturwissenschaft ihren Wert gibt. Vielleicht aber bin ich gar nicht so sehr überzeugt, wie ich dachte? Ich mache mir Sorgen. Um mich und um den Typen. Vielleicht war ich aber einfach viel zu müde.

Ig-Nobel ehrt Schwule Bombe

Der Ig-Nobelpreis ist so eine Art Antithese zum anderen, viel bekannteren Nobel-Preis. Die Preisverleihungen liegen nur ein paar Tage auseinander. Beim einen gibt es eine Menge Kohle und Anerkennung. Beim anderen ziemlich viel Spaß. Denn was dort belohnt wird ist eigenartige, auf den ersten Blick irrsinnige Forschung. Die Veranstalter meinen, dass es um Forschungen gehe, die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen.

Da wurden schon einmal Wissenschaftler belohnt, die untersuchten, warum der Specht keine Kopfschmerzen bekommt oder warum viele Menschen das Geräusch über eine Tafel kratzender Fingernägel nicht ausstehen können.

In diesem Jahr gab es u. a. Preise für Untersuchungen an Schwertschluckern, zu Zerknitterungsmustern in Bettlaken und zur Gewinnung von Vanillin aus Kuhdung.

Der ‘Friedenspreis’ aber ging am Donnerstag an das Wright Laboratory der Air Force in Dayton/Ohio. 1994 verfassten Forscher dort einen dreiseitigen Vorschlag zur Entwicklung neuer chemischer Waffen. Gegnerische Soldaten sollten unter dem Einfluss eines zu entwickelnden Aphrodisiakums lieber übereinander herfallen als zu kämpfen.

gay_bomb.png

Die Dokumente, die diese Vorschläge enthalten, wurden auf Anfrage des Sunshine Project, einer Lobbygruppe gegen biologische Waffen, herausgegeben.

‘We don’t know if this document was the start and end of it or whether, in fact, this project continued and perhaps continues to this day,’ said Marc Abrahams, editor of the Annals of Improbable Research and the man behind the Ig Nobel awards.
[GuardianScience]

Blut am Flaschenhals, HIV-Risiko, Blutvergiftung: Das Gelblog hilft da nicht.

Da heute einige Leute mit ziemlich eigenartigen, gesundheitsbezogenen Suchbegriffen zu diesem Blog kamen und ich mich etwas sorge, möchte ich dazu etwas sagen.

Lieber Besucher,

wenn du hier bist, um eine Anleitung zur Erkennung von Blutvergiftungen zu finden, bitte vergiss es! Geh zum Arzt wenn es dir sehr schlecht geht! Schnell! Das Gleiche gilt, wenn du hier Flaschenhals, Blut und HIV in Kombination suchst. Zur eventuellen Beruhigung sei nur bemerkt, dass meines Wissens das Risiko einer HIV-Infektion durch den Kontakt gesunder Haut mit kontaminiertem Blut sehr gering ist. Hast du dich jedoch an einer zerschlagenen Flasche geschnitten, mit der vorher bereits ein HIV-positiver Mensch aufgeschlitzt wurde, dann handel bitte sehr schnell! Ich würde die Wunde gut antiseptisch spülen und mich sehr schnell (! sofort !) mit einem Arzt in Verbindung setzten, um den Sinn und die Möglichkeit einer PEP zu klären.

Bitte bitte, lieber hierhergegoogelter Schwerkranker, bitte, geh zum Arzt und durchstöber nicht das Internet, wenn es um etwas sehr ernstes geht!

Mit herzlichen Genesungswünschen

Horatiorama / Gelblog

(Sch/St)öckchen: Das Messer Ruft

Morgen werde ich mich ans Messer liefern, denn Ubi pus, ibi evacua. Der Anästhesist warf mir in Vorbereitung darauf schon mal ein Schöckchen zu. Ich habe das ja mit den Stöckchen in Blogs nie verstanden. Wo kommen die her? Wird man dazu aufgefordert, oder nimmt man sich die irgendwo und warum überhaupt, und protestieren nicht so viele Menschen gegen Vorratsdatenspeicherung und geben dann ganz freimütig etc…

1.) Welchen Beruf üben Sie aus?
Ich bin Angestellter und Freiberufler in den Bereichen Bildung und Kunst. Warum ist das wichtig?

2.) Tragen Sie ein Hörgerät?
Nein.

3.) Tragen Sie Kontaktlinsen?
Mit Brille sehe ich angenehmer aus. Die verbirgt meine Augenringe und lässt mich, da ich übersichtig bin, wacher aussehen.

4.) Tragen Sie herausnehmbaren Zahnersatz?
Nein. Aber die Beschaffenheit meiner Zähne deutet darauf hin, dass es nicht ewig so weitergehen kann.

5.) Befanden Sie sich in letzter Zeit in ärztlicher Behandlung?
Hier fängt das ärztliche Schöckchen an unpräzise zu werden. Was heißt “in letzter Zeit”? Ich habe mich letzte Woche impfen lassen. Ob das zählt?

6.) Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
Nein.

7.) Wurde bei Ihnen schon einmal eine Operation mit Betäubungsverfahren durchgeführt?
Nope.

8.) Haben Sie schon einmal eine Bluttransfusion bekommen?
Bisher nur gespendet, und zwar entgeltfrei beim Roten Kreuz.

9.) Haben Sie für die vorgesehene Operation Eigenblut gespendet?
Jetzt bin ich verunsichert. Hätte ich das tun sollen? Wäre bestimmt besser gewesen. Aber eigentlich sollte nicht so viel Blut fließen. Doch wer weiß? Gibt es im Moment genug Spenderblut? Gerade am Sommeranfang ist doch immer das Blut knapp, oder? Die vier Feinde der Blutspendedienste: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das war zumindest das, was mir das DRK nach meinen Blutspenden jahrelang geschrieben hatte. Oder so ähnlich? Ich weiß nicht mehr.

10.) Leiden oder litten Sie an einer der folgenden Krankheiten?
Nein, außer bei der Sache mit diesen wuscheligen mausefangenden Dingern. Ich scheine fast absolut gesund zu sein. Da wundert es mich schon, dass es mir immer so schlecht geht. Ja, man wirft mir zuweilen vor, Hypochonder zu sein. Schnickschnack! Wenn man ab und an befürchtet, eine todliche, unheilbare Krankheit zu haben, dann muss das doch nicht krankhaft sein? Oder? Noch nie gedacht, dass Sie, lieber Leser, Krebs haben könnten (diverse Arten), HIV, eine Blutvergiftung, einen schlimmen Herzfehler, Tuberkulose oder auch Mukoviszidose? Nein? Oh! Naja… *Räusper (Bronchitis?)*

Hier breche ich mal ab, und erkenne, das Stöckchen nichts für mich sind. Sie machen mich nur fertig und produzieren unnützen Traffic für die Feed-Abonnenten, was in Zeiten globaler Erwärmung, kleinerer Salate in der Mensa, Nutten im Leipziger Rathaus, Nazis auf dem Triptiser Markt und so weiter nicht angebracht scheint.

Ja, wünscht mir Glück! Ich wünsche dem Operateur ein gutes Auge und eine ruhige Hand. War schön mit euch! Macht’s gut! (Ich hoffe, dass ich schon wieder übertreibe…)

Info: cf. link.

Seit mein Donnerstagsnachgetanerarbeitindernachhilfeschuledöner-Dönerladen geschlossen hat …

… kappiere ich einiges nicht mehr.

Beispielsweise lese ich viel zu spät solch interessante Posts wie von Hansi, der sich mit mit Mensaessen (Vor- und Nachspeise) im Park aufhielt und ein Kriegs-Musikvideo bewirbt. Dieses:

Rotz auf der Wiese.

Viel erstaunlicher ist jedoch, dass Hansi auch ein Video von Rainald Grebe verlinkt, das ich vorgestern zum ersten Mal gesehen habe (ganz unabhängig von der Flohbude und nachdem ich seit Anfang 1978 nie irgendein Video von besagtem Grebe gesehen hatte), nachdem (oder kurz davor?) mir Raik beim Nonnen-Tanz am Wegekreuz im Park/Wald letzte Woche von Grebe erzählte.

Hoffentlich macht bald wieder der Döner auf.

“Sie haben durch ihren Dienst zum Frieden in der Welt beigetragen.” (F. J. Jung)

Haben sie das? Wie schön! Manchmal habe ich noch ein schlechtes Gefühl wenn Soldaten und Frieden in einem Atemzug genannt werden. Das ist z. B. auch bei Freiheit und Sklaverei oder Unwissenheit und Stärke der Fall. Woher dieses falsche Gefühl kommt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es ein generelles Unverständnis der neokondeutschen Sprechweise. Doch muss ich mich wohl beeilen und schnell Doppeldenk lernen, bevor mir die “Stasi 2.0” auch ein paar Metalstäbe zum Geruchsabgleich in die Hand drückt oder mich prophylaktisch in den Knast steckt.

(Zu diesem Thema fällt mir auch noch Frau Roys übermäßig polemischer Artikel in Outlook India vom 29. Oktober 2001 ein–mir ist gar nicht klar warum…)

Wie sich Leipzig, Sachsen und der Bund im Moment doch sehr unterscheiden, wenn man die Organisation der öffentlichen Sicherheit betrachtet…

Na wie schön, jetzt gehen die Verfassungsschutzakten über mutmaßlich organisierte Kriminalität doch an die Staatsanwaltschaft. Wichtig sei nach André Hahn von der Parlamentarischen Kontrollkommission des sächsischen Landtags nun, dass die Dokumente auch an die Generalbundesanwaltschaft und das BKA gingen, da die sächsischen Staatsanwaltschaften selbst verwickelt seien. “Die Unterlagen sollen brisantes Material zu Korruption, Amtsmissbrauch und Kinderprostitution enthalten”–das volle Programm also–und es seien “auch Politiker, Justiz- und Polizeibeamte aus Leipzig verwickelt” [hier].

Bunkhardt Jung indessen wartet auf Hinweise aus Dresden. Vielleicht kommen die ja doch noch, die Zeichen und Wunder aus dem Osten. Vielleicht…


[Quelle: Mephisto]

Ach, und falls der lustige sächsische Sumpf nicht trockengelegt wird, dann kann man, falls man diese sächsische Qualifikation noch nicht erworben hat, das Nassfilzen auch erlernen.

Heiligendamm SchutzzaunNoch nicht qualifizierten Staatsdienern sei aber bewusst, dass sie ohnehin schon verdächtig sind: Du bist Staatsfeind [via: Batz]. Da kann man sich nur darüber wundern, dass im Bereich um unseren derzeitigen Lieblingszaun um Heiligendamm herum keine Selbstschussanlagen oder Minen angebracht wurden. Das gab es doch schon einmal, und hat ein paar Jahre ganz gut funktioniert. Damit ließen sich Demonstrationen im Sicherheitsbereich (200m / 2000m) doch viel leichter vermeiden. Lieber Herr “Staatssicherheitsminister”, das wäre doch viel effektiver als vorbeugende Haft.

Quelle-Versand arbeitet an seinem Image als Captain of Industry

323 Beschäftigten des Quelle-Versandzentrums in Leipzig soll nun gekündigt werden. Das ist jede vierte Stelle. Für den Rest bedeutet das, dass die Arbeitszeit von 38 auf 42 Stunden pro Woche steigt. Das nenne ich doch mal sozial! Wahrscheinlich heißt das dann also, dass Quelle geringfügig mehr einnimmt (weniger für die Löhne ausgibt) und Kosten an das Gemeinwesen abschiebt. Für mich heißt es, dass ich dort bestimmt nicht bestellen werde–ich freue mich immer, wenn ich bei soetwas konsequent ideologisch sein kann (”Keine Müller-Milch für mich, bitte!”). Schließlich bekommen die ehemaligen Arbeiter von mir ja schon direkt über die Sozialabgaben Geld. Vielen Dank, Quelle!

Barbara Hans über Cyber-Bullying von Lehrern: Ein Grund mehr…

Die Gründe für die Belastungen sind zahlreich: Die Klassen werden immer größer, die Eltern immer kritischer, zugleich erziehen sie ihre Kinder immer weniger, und die Kultusbürokratie erlässt immer mehr Auflagen. [hier]

Sehr milde drückt sich da Frau Hans aus. Man könnte das auch krasser formulieren.

Jean Baudrillard tot

Gerade habe ich aus England eine billige Ausgabe der Barthes’schen Sammlung Image, Music, Text bekommen, mich sogleich noch einmal über den sogar falsch zitierenden Lev Manovič geärgert und etwas über das Simulacrum nachgedacht, da erfahre ich, dass Jean Baudrillard verstorben ist. Wie damals bei Kurt Cobain (der sich eine Woche nachdem ich entschieden hatte, richtig Nirvana-Fan werden zu wollen das Hirn wegblies) oder später bei den Beatles (ich gebe zu: die hatten sich bereits geraume Zeit vor meinem Interesse aufgelöst) komme ich auch diesmal nicht mehr dazu, das Werk zu Lebzeiten des Autors* zu verfolgen. Vielleicht hat das in diesem Fall sogar Vorteile. Obgleich ich mir schon eine Weile “Forget Baudrillard!” gesagt habe, überlege ich jetzt wieder. Man kann von einem abgeschlossenen Werk ausgehen, was ganz andere Perspektiven eröffnet, einem eine gewisse Sicherheit verschafft. Wie dem auch sei. Traurig ist so etwas immer. Im GWZ wird sicher mindestens ein Professor mit schwarzer Binde herumlaufen. Aber es bleibt die sehr exakte Karte des Poststrukturalismus. Sie bleibt auch dann ein genaues Abbild des Geländes, wenn dieses bereits verschwunden ist. Nur gut!

Früher aufstehen und mit dem orange Schleifi eine Runde drehen

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich meist

  • eine Minute vor dem Wecker aufstehe und, dass
  • ich synchron mit dem Fahrplan des Schienenschleifzugs lebe. Ich treffe ihn fast täglich auf der Arthur-Hoffmann südlich der Eisner.

Jetzt frage ich mich natürlich, was denn los ist, woran das alles liegt und ob ich etwas dagegen tun könnte und sollte. Es ist ja nicht etwa so, dass die LVB einen Satz Schienenschleifzüge gewonnen hätte und die jetzt, bestückt mit Langzeitarbeitsloses (das nennt sich dann “Aktiv-Excel” oder so) pausenlos über die Leipziger Schienen schlurfen ließe. Oder doch?

Zum Thema LVB noch ein Nachsatz: Weiß jemand, wie die dort auf den Namen “Aktiv-Office” gekommen sind, was das zu bedeuten hat und ob eine Agentur dahinter steckt? Auf meine Anfrage reagiert bei den Leipziger Verkehrsbetrieben niemand…

Ein Browser ist ein Netzleser

Im Allgemeinen sind Browser Programme, mit denen Textdateien betrachtet werden können. To browse bedeutet im Englischen stöbern, und genau das tut nun der Browser: er stöbert (durch Verzeichnisse, Textdokumente, Skripte etc.).

Nun denkt man aber bei Browser vor allem an Web-Browser, also den Internet Explorer, Safari, Mozilla, Opera, Firefox, Konqueror oder gar den Netscape Navigator. Diese Programme sind allgegenwärtig, nur man redet nicht über sie. Browser (gesprochen: ‘Brauser’) kommt den Menschen schwer über die Lippen (ausgenommen sind natürlich die Netzarbeiter). Warum gibt es da kein deutsches Wort? Mit einem einfach zu merkenden deutschen Wort könnte man auch die Alleinstellung des IE bei Windows leichter brechen. “Wie gehen Sie ins Internet?” “Da starte ich mein’ Internet (Explorer) und gebe da die Adresse ein.” …

Die Macher des weltbesten* Internetbrowsers Opera (gesprochen: ‘Oppera’) sitzen in Oslo/Norwegen. Wenn man sie fragte was denn ein Browser sei, würden sie vielleicht so etwas sagen wie,

En nettleser (engelsk browser) er et program som brukes til å vise innhold fra internett som finnes i HTML-formatet. Nettleserens jobb er å ‘oversette’ HTML-kodene som angir plassering av tekst og bilder og vise dette i henhold til koden. Nettlesere opererer vanligvis på den delen av internett som kalles Verdensveven (WWW — World Wide Web). [Hier]

Und da kommt es schon vor: nettleser. Die Norweger verwenden diesen Begriff. Die deutsche Variante Netzleser könnte ein Ersatz für genanntes Problem sein. Ein paar Leute fordern diese Bezeichnung schon: der Wupperbayer oder der SoeDib. Der auf mich sehr suspekt wirkende Verein Deutsche Sprache e. V. (da wird auf der Website Erika Steinbach gefeatured und bei der Abkürzung “e. V.” verzichtet man auf das Leerzeichen zwischen den beiden Buchstaben) empfiehlt in seinem merkwürdigen Anglizismen-Index den Begriff Navigator, der unmöglich ist, da er als Begründungsgrundlage nur das Netscape-Produkt hat und keinem Menschen natürlich über die Lippen kommt.

Deswegen stelle ich folgende These zur Diskussion: Das Wort Netzleser ist eine brauchbare deutsche Bezeichnung für Webbrowser.

Netzleser, der; -s, - (EDV): 1.) Software zum Finden und Ansehen von Inhalten im World Wide Web. 2.) jmd., der etw. im Internet liest.

Ich bin mir bewusst darüber, dass man nicht nur mit Webbrowsern im Netz lesen kann. Übrigens sollte klar sein, dass ich kein Anglizismenhasser bin. Ich habe jedoch sehr viel mit netztechnisch unbeleckten Leuten zu tun, für die Bezeichnungen wie Browser oder Client immer noch unmöglich schwer sind. Diese Wörter gehen einfach nicht in den Kopf rein. Und das, obwohl diese Menschen täglich mit solchen Applikationen arbeiten. Noch etwas: im Englischen gibt es neben dem browser auch readers. Z. B. wenn es um RSS-Feeds oder PDF-Dokumente geht.

Jetzt wird dem Vista-Nutzer die Candara angezogen

Specimen of the typeface Comic Sans. Source: http://en.wikipedia.org/wiki/Image:ComicSansSpec3.svgWer kennt sie nicht, die Verdana von Matthew Carter, die Times New Roman von Stanley Morison und Victor Lardent, die Arial von Robin Nicholas und Patricia Saunders oder die oft von Förderpädagogen missbrauchte Comic Sans MS von Vincent Connare? Warum sind sie so viel bekannter als die Frutiger, die Baskerville oder die Helvetica? Machen wir uns nichts vor! Das liegt daran, dass die erstgenannten zu den Microsoft-Kernschriften für das Internet gehören. Früher durften sogar Unix- oder Mac-User diese Schriften kostenlos von Microsoft beziehen. Dies geht jetzt nicht mehr. Auch für Microsoft-Nutzer gibt es eine Änderung, denn nun gibt es ein neues Set Standardschriften. So hat in Office 12 Calibri die Times New Roman als Regelschrift verdrängt und im GUI von Vista tummeln sich auch die anderen: Cambria, Candara, Consolas, Constantia und Corbel. Stuart Brown berichtet in seinem Modern Life is Rubbish genau so darüber, wie Anne van Wagener bei Poynter Online. Sascha A. Carlin zeigt wie diese Schriften nun ohne ClearType aussehen.

Wie lange es dauern wird, bis sich diese Schriftarten überall durchsetzen, ist nicht klar. Schließlich werden sie diesmal nicht ‘cross-platform’ verbreitet. Wer dann aber am Mac eine Cambria-Website betrachtet, kann nur hoffen, dass der Webdesigner in seinem CSS Georgia als zweite Schriftart angegeben hat.

Ich bin gespannt, wann dann das erste Mal die Studis im Grundstudium vor der ersten Hausarbeit fragen, ob sie diese in Cambria oder Calibri setzen sollen. Mit Calibri schindet man ja Seiten und dann sieht es auch irgendwie frischer aus. Und wenn diese Menschen dann eine alte Hausarbeit von vor 2007 zur Hand nehmen, werden sie feststellen, dass die schon komisch aussieht, ungewöhnlich, irgendwie altbacken…

Was die Comic-Sans-Fans von der Grundschuldidaktik und Förderpädagogik mit diesen Schriften anfangen sollen, ist noch unklar.

Die Hits des Jahres 2006, und die von 1986: Bei Gudrun sind sie nicht wirklich zu hören

StempelIch bezeichnete die Ilse ja eine Zeit lang als meinen Hausklub, aber was sich eben dort abspielte spottet jeder Beschreibung: fünf Euro Eintritt scheinen mir noch in Ordnung zu sein. Aber wenn man seine Bude dann so füllt, dass man nirgends mehr tanzen kann und vom Eingang kaum zum Klo oder von der Bar kaum zum Ausgang oder vom Klo kaum zur Bar oder wie auch immer kommt, dann hat die reine Profitgier wohl wirklich obsiegt und die Ilse wird zur No-Go-Area. War das früher besser? Vielleicht ist ja Gudruns Gesellschaft für angewandte Popkultur mbH der Beitrag der Zeit zu Kopf gestiegen? Wer noch etwas wirklich alternatives oder neues erleben möchte, kann nun wahrscheinlich wirklich nicht mehr in der Südvorstadt oder in Connewitz bleiben… Ich, jedenfalls, habe die Schnauze erst einmal gehörig voll vom Ilses Erika und gehe demnächst vielleicht wieder in die MB. Ist ja dasselbe, nur größer und billiger. ;-)

Zur Hölle mit der Moral?

Christian Stöcker von SpOn schreibt gestern über die mogelnden, tricksenden und betrügenden Deutschen. Eine neue Studie zeige, dass die Mehrheit der Deutschen sich nicht an Gesetze halte und dass Misstrauen gegenüber dem Markt, Angst vor Verbrechen und “rechtlicher Zynismus” den Bürgern den Anstand austreiben.

“‘Die moralische Sensibiltät [sic] ist unterentwickelt’, sagt [Georg] Lind [Experte für Moralpsychologie an der Universität Konstanz]. In den Schulen sollten Jugendlichen anhand konkreter Entscheidungsbeispiele beigebracht werden, frühzeitig über ethische Grundsatzfragen nachzudenken. Wer sich ethischer Prinzipien wirklich bewusst sei, könne gar nicht anders, als sich richtig zu verhalten: Wie ein Mensch, der einen anderen ertrinken sehe, auch ohne nachzudenken zu Hilfe eilen würde.” [hier]

Das klingt ja furchtbar! Aus mindestens zwei Gründen.

Erst einmal sollen schon wieder die Schulen ran bei der Erziehung. Da wird dann nicht nur die richtige Mülltrennung, das Poppen mit Präser und die einseitige Toleranz gegenüber muslimischen Fundamentalisten eingeübt, nein, die ohnehin schon überforderten Lehrer sollen ethische Grundsatzfragen, interindividuell differenziert natürlich, denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft (außer natürlich in den national-befreiten Provinzkäffern Ostdeutschlands und Bayerns), im Unterricht aushandeln. Nur muss man sich dann, wenn es praktisch werden soll, auch auf einen ethischen Rahmen einigen. Welcher soll denn das sein? Eigentlich müsste das doch, mit unserem schönen abendländisch-christlichen Hintergrund, ein deontologischer sein. Nur wie will man das denn unterrichten, wie kann denn das Gewollte geschult werden, und, vor allem, passt das auch gar nicht zu einem Rechtstaat wie Deutschland, der, bis auf wenige Ausnahmen, dann doch das Resultat als Maxime kennt. Vertragstheoretisch müsste also dann der Ethikunterricht sein. Man müsste ihn mit dem Wirtschaft- und Recht-Unterricht zusammenlegen, doch was dabei raus käme, wenn man ständig Gesetze und ihre Begründungen predigen würde, ist klar: entweder ein Aufbegehren gegen diesen Unsinn oder gesetzestreue Idioten.

Zuletzt ist Lind wohl immer noch zwei Fehllehren verfangen, 1.) dass Wirtschaft gleich Leben ist und die Einhaltung von Gesetzen moralisch, und 2.) dass Fähigkeiten und Fertigkeiten allein zu einem guten Menschen führen. Um mal den Heidegger rauszukramen: Was kann den Menschen nach dem Scheitern des Humanismus noch Zähmen? Liebe, Gott, Strafen, …, …? Die Frage klingt zwar ein bisschen zu ernst für das Thema der Mogler und Trickser, ist aber im Grundsatz gerechtfertigt. Wäre es nicht vielleicht angebracht, gerade das Brechen von Gesetzen (das Unrecht) zu legitimieren um dem Guten zu dienen?