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Category Archives: *nachdenk*

Samstag 10 vor 8 im Aldi

Vor mir an der Kasse, die Frau im zu langsam getrockneten schwarzen Baumwoll-Pullover–voller Haare–, die fürs Wochenende noch schnell 36 Dosen Katzenfutter kauft.

Waage Marisa oder: Sie wurden bedient…

…von wem, steht nicht auf dem Kassenzettel. Ist auch egal, denn besonders bemerkenswert waren lediglich die Unpersönlichkeit und die schlechten Manieren der Verkäuferin. Das ist mir natürlich nur aufgefallen, weil ich 1.) überempfindlich (Jetzt hab dich doch nicht so!) bin und mich 2.) einmal bewusst dafür entschieden habe, einmal nicht online zu kaufen, obwohl das meist billiger und viel bequemer ist. Ja, ich habe mir so gedacht, dass man doch einmal die Kaufhäuser unterstützen müsse. Außerdem bieten die doch persönliche Beratung. Aber denkste!

Naja, egal. Irgendwie dann doch meine (Ich habe mir für 24.95€ bei der Galeria Kaufhof eine Personenwaage gekauft, weil meine alte Ikea-Waage schon vor geraumer Zeit die Hufe hoch gemacht hatte.) Waage zur Kasse und hatte zumindest dort auf einen angenehmen Verkäuferkontakt (Herzlichen Dank, dass Sie bei uns gekauft haben, und mir damit einen Teil meines Lohns und meinem Sohn die neue Spielkonsole… Oder so.) gewartet. Aber nein! Kundin vor mir. Das ist okay. Man unterhält sich über die Materialeigenschaften von Espressotassen. Das ist wichtig. Beratungsgespräche müssen eben–weil sonst niemand dort durch die Gänge schleicht–an der Kasse durchgeführt werden. Dann ich an der Reihe. Die Verkäuferin sieht mich nicht an. Ich grüße sie. Sie reagiert nicht. Nachdem sie den Barcode der Waage eingelesen hat, nennt Sie mir den Preis. Ohne “Bitte”. Noch nicht einmal ein “Das wären dann…”. Nein. Nur den Preis. Ohne Euro. Keinen vollständigen Satz bin ich dieser Frau wert. Ich kaufe mir aus ideologischen Gründen ein vollkommen überflüssiges Produkt im falschen Laden (bei Karstadt kostet dieselbe Waage übrigens nur 19€ (später herausgefunden)), hoffe auf das, was diese Warenhäuser überhaupt am besten können sollten–weshalb sie überhaupt nur überleben könnten (von der Feinkost-Abteilung abgesehen): Beratung (is nich), einen netten menschlichen Kontakt…

– 24,95

Ich hole meine Karte raus, gebe sie der Verkäuferin. Sie zieht sie durch die Maschine und wirft (!) mir einen Stift hin. Den Zettel zum Unterschreiben liefert sie kurz darauf. Kein Wort. Ich werde langsam ein bisschen sauer, unterschreibe, und produziere ein deutlich hörbares “Bitteschön”, als ich ihr Zettel und Stift rüberschiebe.

– (An der Stelle kann man sich zirpende Grillen oder durch den Laden rollendes Wüstengras vorstellen.) Sie sagt: Nichts. Gar nichts. Sie packt die Waare in eine Tüte (ich stehe mit meinem geöffneten Rucksack an der Kasse) und schiebt sie mir rüber. Meine Karte klatscht sie mir auch hin.

– Dankeschön!

– (Wieder Wüstengras, Grillen, etc.) Ich nehme meine Tüte und verabschiede mich. Während ich die ersten Schritte laufe, merke ich, wie ich leicht den Kopf schüttle. (Ein erschreckendes Zeichen des Älter- oder Verrücktwerdens.) Sie muss aufgesehen haben, das Schütteln gesehen, den schockierten Unterton in meiner Stimme wahrgenommen haben. Ein leises “Wiedersehen” schiebt sie dann doch noch hinterher.

Ich bin mir unsicher, ob sie das wirklich möchte, was sie da macht, diese Kassiererin.

Eigentlich glaube ich, mag sie gar nicht Menschen abkassieren. Sie ist eine Beraterin. Dazu ist sie geboren: Leuten zu erklären, wie man Klebchen von neu gekauften Steingutespressotässchen ab bekommt. Erst in die Spülmaschine. Dann geht das ganz leicht (Wir haben das früher mit Butter gemacht)… Eigentlich glaube ich auch, dass die Galeria Kaufhof heute um 12.34 Uhr total versagt hat. Wenn ich mir die nächste Personenwaage kaufe (wenn diese nicht binnen kürzester Zeit unter meiner Masse in tausend Teile zerspringt), hoffe ich, dass es Warenhäuser mit blöden Verkäuferinnen, die unfreundlich sind, die keine Beratung bieten (oder wenn, dann im falschen Moment), Warenhäuser mit überhöhten Preisen … dass es also diese Warenhäuser nicht mehr gibt. Geschlossen sollten sie werden, und alle Leute entlassen. Aus den frei gewordenen Räumen könnte man Spielzimmer machen, und Rheinland-Pfalz kann aus dem kostenlosen Kindergartenangebot ab 2 Jahren eine kostenlose Rundumbetreuung ab 0,5 Jahren machen mit In-Door-Spielplätzen in den Innenstädten.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich die Waage gleich wieder umtausche. Ist das normal, dass die, je nachdem, auf welcher Unterlage und wie und je nachdem, wie man genau auf der Waage steht unterschiedliche Ergebnisse liefert (Eine Spanne von ganzen 3 kg! Die Fett-Anteil-Messung allerdings kommt immer auf 10,2%.)? Vielleicht bringe ich sie morgen zurück. Werde sagen, dass der Kauf ein Irrtum war. Ein großer. So wie das ganze Kaufhaus einer ist.

Frühlings Erwachen im Sommer

Wie die Wahrnehmung einen manchmal austrickst! Das ist schon unglaublich. Da gibt es die Geschichte der modernistischen britischen Autorin Virginia Woolf, „An Unwritten Novel“, in der die Erzählerin im Zug sitzt und darüber nachdenkt, welche Geschichte die Mitreisende, die ihr gegenüber sitzt, denn haben könnte. So ähnlich ging es mir heute.

Ich bin gerade auf dem Weg nach Mainz, im Zug eingeschlafen und wache ausgerechnet kurz vor St. Goar an der Loreley auf. Unglaublich! Ich mache also die Augen auf und erblicke die Lore. Das ist aber nicht alles. Was ich auch noch erblicke ist ein Zettel, der zu meinen Füßen liegt. Ein zerknüllter Brief. Weil er so direkt für mich hindrapiert zu liegen scheint, hebe ich ihn auf und streiche ihn glatt um ihn zu lesen. So etwas mache ich selten. Mich interessieren die meisten privaten Details anderer Leute nicht. In dem Fall ist es aber anders. Ich kann nicht sagen warum.

Also lese ich den Brief, den ein Lehrer des Kaiserin Friedrich Gymnasiums in Leerte an den Vater eines Zehntklässlers geschrieben hat. Ziel des Briefes ist, den Vater davon zu überzeugen, den Sohn die zehnte Klasse wiederholen zu lassen. Mir kommt das Ansinnen des Lehrers ekelhaft vor. Der Schüler, Moritz, sei „unkonzentriert, oft sehr verträumt“ und lenke sich und andere häufig vom Unterricht ab. In den Augen des Lehrerkollegiums ein Zeichen dafür, dass es Moritz an geistiger Reife fehle. Wie kann man so etwas tun? Ich meine, das schadet doch dem Heranwachsenden! Er verlässt sich auf klare Regeln: Wenn du die Noten hast, wirst du versetzt. Und dann bleibt er doch sitzen!

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Da haben wir doch in Frank Wedekinds „Kindertragödie“ Frühlings Erwachen auch so eine ähnliche Situation. Daran muss ich bei der Lektüre des Briefs denken. Bei Wedekind bringt sich der Schüler am Ende (naja, vor dem letzten Drittel) um. Unter anderem, weil er schulischem Druck ausgesetzt ist. Natürlich auch wegen der ganzen emotionalen Konfusionen, die die frisch durch die Adern strömenden Hormone mit sich bringen. Wie dem auch sei, muss ich also daran denken, weil der Schüler, an dessen Vater der Brief des Klassenlehrers gerichtet ist auch so heißt wie die Figur aus dem Drama: Moritz Stiefel. Verrückt!

Ich hatte in der Schule bei einer Aufführung des gesellschaftskritischen und auch einigermaßen satirischen Stücks Wedekinds mitgewirkt. Pastor Kahlbauch war ich und einer der fürchterlichen, gefühlskalten Lehrer. Das war eine sehr gute und intensive Zeit. Eine sehr wichtige Erfahrung, über die ich hier im Detail nicht schreiben möchte, da sie mir zu wertvoll ist (über die Logik kann man gern diskutieren). Wie ich also so über die Zeit damals nachdenke schlafe ich wieder ein und träume total absurd.

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Ich träume, dass ich nach Mainz nicht fahre, um mir den Kammerchor der katholischen Hochschulgemeinde Gießen unter der Leitung von Ralf Stiewe im Mainzer Dom anzuhören (eine wunderbare Veranstaltung übrigens), sondern dass ich nach Mainz ins Staatstheater fahre, wo die Derniere einer Neufassung des Wedekind-Dramas stattfindet. Ich sitze in der ersten Reihe. Direkt in der Mitte. Die Schauspieler spielen mich manchmal an, und ich freue mich zutiefst, weil die vom Rapper Nuran David Calis besorgte Neufassung des Stoffs das Original ehrt und immer wieder auf es verweist, was für Kenner des Originaltextes ein amüsantes Spiel ergibt. „Glaubst du nicht auch, Melchior, dass das Schamgefühl im Menschen nur ein Produkt seiner Erziehung ist?“ fragt Moritz, noch angezogen in einem der Löcher im Bühnenboden hockend sein Gegenüber. „Darüber habe ich erst vorgestern noch nachgedacht“ entgegnet Melchior, zitiert also das Original um alsgleich den Stil mit einer flapsigen Bemerkung direkt zu kommentieren und zur normalen, unmarkierten jugendlichen Umgangssprache zurückzukehren aber trotzdem genau das zu besprechen, was auch Wedekind seinerzeit diskutierte.

Aber dann geht der Traum mit mir durch. Ich sehe die Schauspieler nackt oder in verrückten Kostümen, die zeitlos wirken sollen. Ich imaginiere mir Namen von Schauspielern, die da mitwirken könnten. Im Gedächtnis sind mir jetzt noch die nasse Martha (die ganze Zeit hockt sie in einem Wassertrog auf der Bühne um manchmal hervorzukriechen und wild ins Publikum zu schreien), die von Tatjana Kästel gespielt wird. Auch grandios Friederike Bellstedt als Frau Bergmann. Die Männer haben aber, das mag am Text liegen, die schwierigeren und vielfältigen Rollen. Melchior, gespielt von Stefan Graf, Moritz (Lorenz Klee), Hänschen Rilow (Thomas Prazak) und Papa Stiefel (Stefan Walz), der im Original der Rentier Stiefel ist, spielen begnadet.

Wie macht man aber so ein Stück wirklich zeitgemäß? Ich stelle mir vor, dass die Jugendlichen Alkopops trinken, dass sie coole Sprüche ablassen, dass sie, was Sexualität angeht, nicht mehr verklemmt sind sondern nur bei Zärtlichkeit und Liebe, dass das Lehrerkollegium ganz anders dargestellt werden müsste oder am besten weggelassen—schließlich sind die Lehrer heute auch so individuell, dass sie keine Klasse von repressiven Idioten mehr bilden können. Und was ist mit den ganzen Szenen, die sich mir bei unserer Aufführung von Frühlings Erwachen so eingeprägt haben?

Die Beerdigung findet nicht statt. Die Masturbationszene von Hänschen Rilow „Die Sache will’s“ läuft ohne Strohballen, dafür mit Staubsauger. Es gibt keinen vermummten Herren mehr. Und aus der Pistole, mit der sich Moritz erschießt, wird ein großer roter Luftballon, den er am Ende so zum Zerplatzen bringt, wie die Melone, die zermatscht auf der weißen Bühne liegt. Sie ist das abgetriebene Kind von Melchior und Wendla, und ein großes klebendes Hindernis nach Ende des Stücks beim Applaus (ja, auch Abtreibungen führen nicht mehr so häufig zum Tod der Schwangeren). Für das Fehlen des vermummten Herren gibt es mehrere triftige Gründe. 1.) Melchior ist schon gegangen. 2.) Es gibt stattdessen Videoprojektionen. Und 3.) … aber das ist auch wieder etwas, was ich nicht erzählen möchte…

Ich träume also von dieser Aufführung. Das beste dabei: Ich stelle mir vor, dass der Regisseur André Rößler ist. Der junge Mann, der das Hänschen in unserer Aufführung gegeben hat. (Masturbation hinter dem Strohballen.) André Rößler, jetzt ein junger, begnadeter und deswegen erfolgreicher Theaterregisseur. Und ich treffe ihn sogar wieder. Nach der Aufführung, am Bühneneingang sehe ich die Schauspieler, die darüber reden, wer sie denn jetzt nackt gesehen habe (eigentlich: „Ganz Mainz kennt jetzt unsere Sch****e“) und André mit Frau und Kind. Alle drei sehen, zusammen sogar noch mehr, gut aus. Es ist ein bisschen komisch mit ihm zu reden. Zu lange haben wir uns nicht gesehen. Was kann und will man da spontan erreichen? Aber doch zu sehen, dass es dem anderen gut geht und dabei ein bisschen an die Vergangenheit erinnert zu werden ist doch schön.

Aber da ist der Traum auch schon zu Ende. Ich wache kurz vor Mainz mit verstreuten Satzfetzen in Hirn auf: „ich will frei sein“, „ich will jemandem unter die Haut gehen“, „ich will dass mir jemand unter die Haut geht“, „das Schamgefühl im Menschen ist Produkt seiner Erziehung“, „Manchmal habe ich das Gefühl, dass mit jedem Jahr das ich älter werde, die Temperatur um mich sinkt“ und „Schließlich hat jeder sein Teil–Sie das beruhigende Bewusstsein, nichts zu haben–du den enervierenden Zweifel an allem.–Leben Sie wohl!“

Den Brief habe ich noch immer in meiner Hand. Ich werde ihn aufheben, auch wenn er gar nicht an mich gerichtet ist sondern an den Vater des toten Moritz.

Der Chor im Dom singt: „Locus iste a Deo factus est, inaestimabile sacramentum, irreprehensibilis est.“ / „Dieser Ort ist von Gott gemacht, ein unschätzbares Geheimnis; er ist untadelig.“

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Jetzt geht es schon wieder los …

… mit den bundesweiten Abnehmaktionen. Aber auch diesmal werden sie scheitern. Fast alle. Vielleicht sollte man sie zu Projekten machen. So ganz öffentlich. Bei der Rauchentwöhnung fruchtet dieses Vorgehen ja auch.

Und abends gehen wir nicht mehr in das Horns / die Ilse / das UT / …

Und abends gehen wir ins Horns, um dort festzustellen, dass es irgendwie ziemlich leer ist, weil die Premiumklasse der Klubbesucher–wenn man das so nennen darf–gar nicht so groß ist und sich inzwischen über ganz Leipzig verteilt. Das war früher nicht so. (Was nicht heißen soll, dass es besser war, sondern lediglich, dass sich die Ausgangslage verändert hat.)

Jetzt geht man nicht mehr in die Ilse, um dort alle zu treffen. Nein, man geht ins Kultiviert Anders! oder ins Victor Jara. Auch im Sweat Club wird man fündig und im Café Knicklicht feiert man große Parties. Allerdings gibt es keine festen Szene-Zentren mehr. Die ganze studentische Nachtkultur-Suppe ist breit gelaufen. Das Problem dabei: Die Stadt gibt diese Entwicklung nicht wirklich her. Die von Banden kontrollierten Drogenumschlagplätze Teenie-Schubsen in der Innenstadt mögen voll sein, wie sie wollen, das leicht alternativ-subkulturelle Publikum indes ist in Leipzig zu klein. Eine starke Profilierung muss folgen–oder ein Gesundschrumpfen. Wann macht die Ilse zu? Oder spielt man dort doch wieder jeden Donnerstag Indy-Rock (um eine ganz bestimmte Zielgruppe aus der ganzen Stadt zu ziehen)? Oder übernimmt der Sweat Club diese Rolle auf Dauer? Wo ist ein szeniger Ort, an dem immer Minimal auf dem Plattenteller liegt? Wo bleibt der Nachfolger der Homo Elektrik? Wo bleiben die neuen Konzepte? Klar kann man in einem Wächterhaus regelmäßig auflegen (natürlich nur elektronisch, weil alles andere uncool ist) und sich selbst feiern. Doch scheint mir da die Substanz (Nachhaltigkeit, echte Investitionen und festes Engagement) völlig zu fehlen.

Die alten scheinen müde (Warum mach die Ilse keine Dependance in Schleußig auf?) und die jungen offensichtlich mit halben Sachen zufrieden.

Oder nicht?

Horn von Afrika im Ersten

Etwas störte mich an der Berichterstattung über “Hunger in Afrika“. War es, dass Kenia nach dem zu Grunde liegenden UN-Bericht nur in Teilen betroffen war und aber auf der Karte ganz markiert wurde? War es, dass entsprechende Karte so tut, als sei der Begriff “Horn von Afrika” sauber und unzweifelhaft definiert und würde Uganda und Kenia mit einbeziehen? War es, dass man einfach einmal auf einer politischen Karte die Ländernamen weggelassen hat? So nach dem Motto: Ja, wer weiß schon, wie diese ganzen hungernden Länder da heißen? Ja, ich denke das war es. So eine gefühlte Ignoranz und Arroganz. Aber vielleicht irre ich mich. Ich versuche es einmal mit einer ähnlich fragwürdigen Karte. Vielleicht finde ich die genau so falsch.

Wie fühlt sich denn das an? Falsch? Richtig? Egal? Und falls falsch, wie? Unvollständig, beleidigend, erhebend?

M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Eine Mutter in einer Arbeiterwohnsiedlung wartet ungeduldig auf die Rückkehr ihrer Tochter aus der Schule, die sich aber von einem nicht gezeigten Unbekannten mittels Süßigkeiten verschleppen lässt. Als man die Leiche findet, intensiviert die Polizei ihre Anstrengungen, ohne eine vielversprechende Spur zu finden. Die polizeilichen Aktionen vermindern die Nervosität der Bevölkerung nicht, zumal sie wirkungslos bleiben. Die Bürger steigern sich in gegenseitige Verdächtigungen und anonyme Anzeigen, was die Anspannung und Übermüdung der Polizeibeamten weiter verschlimmert.

Die ständigen Razzien und Kontrollen behindern aber die kriminellen Banden bei ihrem “Geschäft”…
[Quelle]

To be continued…

Ich überlege gerade…

…ob man Bilder von blauen und geschwollenen Füßen bloggen sollte und dabei den Post zur besseren Auffindbarkeit für Google und die Nachwelt mit den Tags, “massiver Bänderriss”, “Giganten am Netz” oder gar “Deutschland vs. Polen” versehen sollte. Ich weiß, dass mir ein Post dieser Art (ohne die Tags) anderswo mal negativ aufgestoßen ist. Nicht so schlimm wie der Präsident Georgiens, der gerade bei CNN babelt. Aber schlimm. Mal sehen. Vielleicht sollte ich mir auch die Röntgenaufnahmen besorgen? Die sind wenigstens nicht so verschwollen.

Unkaputtbares: Meine alten Badelatschen

In den alten Tagen der Billigproduktion hat man auf vieles verzichtet. Sogar auf das Anbringen von Sollbruchstellen. In der internationalen Produktion von Badelatschen aus Kunststoff gab es noch kein Phöbuskartell und keine Haltbarkeitsregel. Deswegen leben meine Latschen jetzt schon vielleicht fünfzehn Jahre. Weil sie nicht kaputtgehen, kann ich auch nicht umsteigen auf modischere Adiletten oder gar auf Zehenstegsandalen (es wäre Verschwendung). Nach Angabe meiner alten Chemielehrerin zerfällt Kunststoff erst nach ein paar Millionen Jahren. Wenn das stimmt, muss ich den Umstieg zum moderneren Modell wohl noch einmal verschieben.

In der Bibo müffelts nach Liebe

Verschwende deine Zeit

Gar nicht schlecht finde ich “Verschwende deine Zeit (Gisberts Blues Nr. 135)” von Gisbert zu Knyphausen. Aber vielleicht liegt das nur an der aktuellen Stimmung.

Olympia- und Olympia-Sponsoren-Boykott

Macht es Sinn, die Olympischen Spiele, die Sponsoren oder die für Übertragungsrechte zahlenden Medien zu boykottieren? Die Bloggosphäre scheint sich sehr intensiv damit zu beschäftigen. Es scheint sich jedoch keine Meinung durchzusetzen.

Eine Liste der Sponsoren der Olympischen Spiele in Peking findet sich auf der offiziellen Website. Mit dabei sind laut Website: Adidas, Coca Cola, McDonalds, Kodak, Panasonic, VISA, Samsung, VW und UPS. Schon eine ganze Weile (Darfur) wird über die Reaktionen der Sponsoren spekuliert. Passiert ist nicht viel.

Beispiel VW: Selbst jetzt, wo die International Campaign for Tibet (ICT) VW vor dem möglichen Szenario warnt (“Bunte VW-Fahrzeuge auf Straßen, die kurz zuvor Schauplatz blutiger Ereignisse waren, wären für die deutsche Öffentlichkeit unerträglich. Das kann nicht im Interesse von Volkswagen sein.”), hält der Autobauer an seinem Engagement fest (vgl. Frankfurter Rundschau, 26.3.: 14).

Gab es 1936 überhaupt auch Sponsoren?

Religiöses “Wie jetzt?”

Ignostizismus, schwacher Agnostizismus oder gar Apatheismus? Oder vielleicht doch theologischer Nonkognitivismus?

Literatur ist das Leben und das Leben Literatur, oder etwa nicht?

Heute hätte ich vielleicht die Chance gehabt, jemanden zum Studium der Literaturwissenschaft zu bewegen. Ich habe es nicht getan und frage mich nun warum. Ist nicht die Literaturwissenschaft die Wissenschaft, die sich mit dem Leben in all seinen Facetten beschäftigt? Ist nicht Literatur das Leben und Leben Literatur? Gerade für einen Menschen, der ein bisschen orientierungslos durch die Welt treibt, kann sie doch ein Anker sein. Sie kann helfen, sich selbst zu verorten, sich im Vergleich mit anderen Leben auszumitteln. Aber braucht man dafür die Wissenschaft? Würde nicht die Literatur allein genügen? Oder wäre ein Studium der Philosophie oder der Psychologie angebrachter? Vielleicht habe ich sie nicht empfohlen, weil der Spagat zwischen meiner Vorstellung von Literaturwissenschaft und dem Schwerpunkt an einer bestimmten Universität zu groß ist. Vielleicht glaube ich nicht, dass man mit dieser Ausrichtung das tun kann, was Literaturwissenschaft ihren Wert gibt. Vielleicht aber bin ich gar nicht so sehr überzeugt, wie ich dachte? Ich mache mir Sorgen. Um mich und um den Typen. Vielleicht war ich aber einfach viel zu müde.

Ig-Nobel ehrt Schwule Bombe

Der Ig-Nobelpreis ist so eine Art Antithese zum anderen, viel bekannteren Nobel-Preis. Die Preisverleihungen liegen nur ein paar Tage auseinander. Beim einen gibt es eine Menge Kohle und Anerkennung. Beim anderen ziemlich viel Spaß. Denn was dort belohnt wird ist eigenartige, auf den ersten Blick irrsinnige Forschung. Die Veranstalter meinen, dass es um Forschungen gehe, die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen.

Da wurden schon einmal Wissenschaftler belohnt, die untersuchten, warum der Specht keine Kopfschmerzen bekommt oder warum viele Menschen das Geräusch über eine Tafel kratzender Fingernägel nicht ausstehen können.

In diesem Jahr gab es u. a. Preise für Untersuchungen an Schwertschluckern, zu Zerknitterungsmustern in Bettlaken und zur Gewinnung von Vanillin aus Kuhdung.

Der ‘Friedenspreis’ aber ging am Donnerstag an das Wright Laboratory der Air Force in Dayton/Ohio. 1994 verfassten Forscher dort einen dreiseitigen Vorschlag zur Entwicklung neuer chemischer Waffen. Gegnerische Soldaten sollten unter dem Einfluss eines zu entwickelnden Aphrodisiakums lieber übereinander herfallen als zu kämpfen.

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Die Dokumente, die diese Vorschläge enthalten, wurden auf Anfrage des Sunshine Project, einer Lobbygruppe gegen biologische Waffen, herausgegeben.

‘We don’t know if this document was the start and end of it or whether, in fact, this project continued and perhaps continues to this day,’ said Marc Abrahams, editor of the Annals of Improbable Research and the man behind the Ig Nobel awards.
[GuardianScience]

Blut am Flaschenhals, HIV-Risiko, Blutvergiftung: Das Gelblog hilft da nicht.

Da heute einige Leute mit ziemlich eigenartigen, gesundheitsbezogenen Suchbegriffen zu diesem Blog kamen und ich mich etwas sorge, möchte ich dazu etwas sagen.

Lieber Besucher,

wenn du hier bist, um eine Anleitung zur Erkennung von Blutvergiftungen zu finden, bitte vergiss es! Geh zum Arzt wenn es dir sehr schlecht geht! Schnell! Das Gleiche gilt, wenn du hier Flaschenhals, Blut und HIV in Kombination suchst. Zur eventuellen Beruhigung sei nur bemerkt, dass meines Wissens das Risiko einer HIV-Infektion durch den Kontakt gesunder Haut mit kontaminiertem Blut sehr gering ist. Hast du dich jedoch an einer zerschlagenen Flasche geschnitten, mit der vorher bereits ein HIV-positiver Mensch aufgeschlitzt wurde, dann handel bitte sehr schnell! Ich würde die Wunde gut antiseptisch spülen und mich sehr schnell (! sofort !) mit einem Arzt in Verbindung setzten, um den Sinn und die Möglichkeit einer PEP zu klären.

Bitte bitte, lieber hierhergegoogelter Schwerkranker, bitte, geh zum Arzt und durchstöber nicht das Internet, wenn es um etwas sehr ernstes geht!

Mit herzlichen Genesungswünschen

Horatiorama / Gelblog

(Sch/St)öckchen: Das Messer Ruft

Morgen werde ich mich ans Messer liefern, denn Ubi pus, ibi evacua. Der Anästhesist warf mir in Vorbereitung darauf schon mal ein Schöckchen zu. Ich habe das ja mit den Stöckchen in Blogs nie verstanden. Wo kommen die her? Wird man dazu aufgefordert, oder nimmt man sich die irgendwo und warum überhaupt, und protestieren nicht so viele Menschen gegen Vorratsdatenspeicherung und geben dann ganz freimütig etc…

1.) Welchen Beruf üben Sie aus?
Ich bin Angestellter und Freiberufler in den Bereichen Bildung und Kunst. Warum ist das wichtig?

2.) Tragen Sie ein Hörgerät?
Nein.

3.) Tragen Sie Kontaktlinsen?
Mit Brille sehe ich angenehmer aus. Die verbirgt meine Augenringe und lässt mich, da ich übersichtig bin, wacher aussehen.

4.) Tragen Sie herausnehmbaren Zahnersatz?
Nein. Aber die Beschaffenheit meiner Zähne deutet darauf hin, dass es nicht ewig so weitergehen kann.

5.) Befanden Sie sich in letzter Zeit in ärztlicher Behandlung?
Hier fängt das ärztliche Schöckchen an unpräzise zu werden. Was heißt “in letzter Zeit”? Ich habe mich letzte Woche impfen lassen. Ob das zählt?

6.) Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
Nein.

7.) Wurde bei Ihnen schon einmal eine Operation mit Betäubungsverfahren durchgeführt?
Nope.

8.) Haben Sie schon einmal eine Bluttransfusion bekommen?
Bisher nur gespendet, und zwar entgeltfrei beim Roten Kreuz.

9.) Haben Sie für die vorgesehene Operation Eigenblut gespendet?
Jetzt bin ich verunsichert. Hätte ich das tun sollen? Wäre bestimmt besser gewesen. Aber eigentlich sollte nicht so viel Blut fließen. Doch wer weiß? Gibt es im Moment genug Spenderblut? Gerade am Sommeranfang ist doch immer das Blut knapp, oder? Die vier Feinde der Blutspendedienste: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das war zumindest das, was mir das DRK nach meinen Blutspenden jahrelang geschrieben hatte. Oder so ähnlich? Ich weiß nicht mehr.

10.) Leiden oder litten Sie an einer der folgenden Krankheiten?
Nein, außer bei der Sache mit diesen wuscheligen mausefangenden Dingern. Ich scheine fast absolut gesund zu sein. Da wundert es mich schon, dass es mir immer so schlecht geht. Ja, man wirft mir zuweilen vor, Hypochonder zu sein. Schnickschnack! Wenn man ab und an befürchtet, eine todliche, unheilbare Krankheit zu haben, dann muss das doch nicht krankhaft sein? Oder? Noch nie gedacht, dass Sie, lieber Leser, Krebs haben könnten (diverse Arten), HIV, eine Blutvergiftung, einen schlimmen Herzfehler, Tuberkulose oder auch Mukoviszidose? Nein? Oh! Naja… *Räusper (Bronchitis?)*

Hier breche ich mal ab, und erkenne, das Stöckchen nichts für mich sind. Sie machen mich nur fertig und produzieren unnützen Traffic für die Feed-Abonnenten, was in Zeiten globaler Erwärmung, kleinerer Salate in der Mensa, Nutten im Leipziger Rathaus, Nazis auf dem Triptiser Markt und so weiter nicht angebracht scheint.

Ja, wünscht mir Glück! Ich wünsche dem Operateur ein gutes Auge und eine ruhige Hand. War schön mit euch! Macht’s gut! (Ich hoffe, dass ich schon wieder übertreibe…)

Info: cf. link.

Seit mein Donnerstagsnachgetanerarbeitindernachhilfeschuledöner-Dönerladen geschlossen hat …

… kappiere ich einiges nicht mehr.

Beispielsweise lese ich viel zu spät solch interessante Posts wie von *******, der sich mit mit Mensaessen (Vor- und Nachspeise) im Park aufhielt und ein Kriegs-Musikvideo bewirbt. Dieses:

Rotz auf der Wiese.

Viel erstaunlicher ist jedoch, dass ******* auch ein Video von Rainald Grebe verlinkt, das ich vorgestern zum ersten Mal gesehen habe (ganz unabhängig von der Flohbude und nachdem ich seit Anfang 1978 nie irgendein Video von besagtem Grebe gesehen hatte), nachdem (oder kurz davor?) mir Raik beim Nonnen-Tanz am Wegekreuz im Park/Wald letzte Woche von Grebe erzählte.

Hoffentlich macht bald wieder der Döner auf.

“Sie haben durch ihren Dienst zum Frieden in der Welt beigetragen.” (F. J. Jung)

Haben sie das? Wie schön! Manchmal habe ich noch ein schlechtes Gefühl wenn Soldaten und Frieden in einem Atemzug genannt werden. Das ist z. B. auch bei Freiheit und Sklaverei oder Unwissenheit und Stärke der Fall. Woher dieses falsche Gefühl kommt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es ein generelles Unverständnis der neokondeutschen Sprechweise. Doch muss ich mich wohl beeilen und schnell Doppeldenk lernen, bevor mir die “Stasi 2.0” auch ein paar Metalstäbe zum Geruchsabgleich in die Hand drückt oder mich prophylaktisch in den Knast steckt.

(Zu diesem Thema fällt mir auch noch Frau Roys übermäßig polemischer Artikel in Outlook India vom 29. Oktober 2001 ein–mir ist gar nicht klar warum…)

Wie sich Leipzig, Sachsen und der Bund im Moment doch sehr unterscheiden, wenn man die Organisation der öffentlichen Sicherheit betrachtet…

Na wie schön, jetzt gehen die Verfassungsschutzakten über mutmaßlich organisierte Kriminalität doch an die Staatsanwaltschaft. Wichtig sei nach André Hahn von der Parlamentarischen Kontrollkommission des sächsischen Landtags nun, dass die Dokumente auch an die Generalbundesanwaltschaft und das BKA gingen, da die sächsischen Staatsanwaltschaften selbst verwickelt seien. “Die Unterlagen sollen brisantes Material zu Korruption, Amtsmissbrauch und Kinderprostitution enthalten”–das volle Programm also–und es seien “auch Politiker, Justiz- und Polizeibeamte aus Leipzig verwickelt” [hier].

Bunkhardt Jung indessen wartet auf Hinweise aus Dresden. Vielleicht kommen die ja doch noch, die Zeichen und Wunder aus dem Osten. Vielleicht…

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[Quelle: Mephisto]

Ach, und falls der lustige sächsische Sumpf nicht trockengelegt wird, dann kann man, falls man diese sächsische Qualifikation noch nicht erworben hat, das Nassfilzen auch erlernen.

Heiligendamm SchutzzaunNoch nicht qualifizierten Staatsdienern sei aber bewusst, dass sie ohnehin schon verdächtig sind: Du bist Staatsfeind [via: Batz]. Da kann man sich nur darüber wundern, dass im Bereich um unseren derzeitigen Lieblingszaun um Heiligendamm herum keine Selbstschussanlagen oder Minen angebracht wurden. Das gab es doch schon einmal, und hat ein paar Jahre ganz gut funktioniert. Damit ließen sich Demonstrationen im Sicherheitsbereich (200m / 2000m) doch viel leichter vermeiden. Lieber Herr “Staatssicherheitsminister”, das wäre doch viel effektiver als vorbeugende Haft.