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Category Archives: Literarisches

Electronic Literature Collection 2 – ELO2 – Released

Today, the Electronic Literature Organization has announced the publication of their second compilation of digital Literature*:

The Electronic Literature Collection 2 comprises 60 works by almost 70 authors in 6 languages produced on the basis of a wide range of programming/mark-up languages. The anthology, which has been edited by Laura Borràs, Talan Memmott, Rita Raley and Brian Kim Stefans, is also being published as a hard copy (DVD).

ELC2 is ready for your syllabi and reading list. As a complement to our Electronic Literature Directory, and a continuation from Volume 1, this collection offers an anthology of works that pushes through the boundaries of literary forms, creating new kinds of experiences for interacting readers.

I don’t believe as yet that there will be that much real interaction, rather reaction. However, let’s see. This will be some nice reading for the semester break. The whole thing, by the way, is under a Creative Commons license. So, spread the word and the works.

* I am using Simanowski’s terminology here.

Franz Fühmann – Am Schneesee

Ganz liebe Animation des adaptierten Texts von Franz Fühmann. Wer nachlesen möchte, findet eine weitere Adaption bei Rüdiger Kupper am Schneesee. Der originale Text findet sich u. a. auf Seiten 136-37 im Hausbuch der Weihnachtszeit* oder auch im Pixi-Buch 874, das es wohl nur gebraucht gibt.

[via Kaiser Heinrich II]

*Man kann in der Buchvorschau übrigens bereits den gesamten Text lesen.

Poke 53280,11; Poke 53281,12; Print chr$(155)

Schon der Mantelbogen der FAS von gestern ist ein großes Ärgernis. Neben den furchtbar geschriebenen Aufhängerartikeln über einen pädophilen Lehrer dann das Assange-Bashing von Hendrik Ankenbrand auf Seite 14. Dieser schreibt: “Assanges Weltsicht kennt keine Grautöne, wie bei seinem ersten Computer, einem Commodore C 64, mit dem er mit 16 Jahren erstmals in ein großes Firmennetzwerk einbrach, gibt es nur 0 und 1, ein und aus, Schwarz und Weiß.” Das ist ja 1.) entweder totaler Quatsch (siehe Überschrift bzw. hier) und stilistisch blöde (Was soll mittels C64-Verweis gesagt werden? Geht es um eine Mystifikation der Figur Assange?) oder 2.) eine verhunztes Synekdoche und damit eine starke Vereinfachung (Alle digitalen Geräte arbeiten mit Binärcode.) und damit genau das, was Assange im nächsten Absatz vorgeworfen wird (Ironie? Ist der Text etwa heimlich auf der Seite Assanges?): Wikileaks sei (vom Text durch einen mutmaßlichen Assange fokalisiert) eine “Cybermassenvernichtungswaffe“, die gegen alles Böse eingesetzt würde. “Er ist ein großer Vereinfacher, das erklärt auch seine Popularität…”. Und diesem fiktiven Assange, der Geistfigur Ankenbrands, möchte man entgegnen: “Käse! Wissen ist höchstens Macht und keine Massenvernichtungswaffe.” Oder: “Wahrheit kann nie schaden.” Oder: “Die Wahrheit triumphiert nie.” Oder: “Die Wahrheit ist eine Braut ohne Aussteuer.” Oder auch einen anderen abgedroschenen Spruch. Für Ankenbrand und die FAS kann man höchstens geltend machen, dass Dichtung ja bekanntlich nur “eine Expedition nach der Wahrheit” ist. … Naja.

Falling “E.M. Forster”

I wonder if this means that less and less Forster is being tought at universities and high schools. Does the graph below vindicate this idea? The lows during the summer breaks stay more or less stable whereas the rest dwindels over the years.

By the way: Quite interesting to see how the precise search term has changed over the years and how it is also a function of the origin of searchers. The Brits, e.g., don’t exactly seem to like the dots after the given name initials…

Das Buch, das du als n*chstes liest/lesen willst

Ich habe da so einen ganzen Regalboden mit Werken die der Lektüre harren. Darunter so disparate Sachen wie T. C. Boyles The Women, Italo Calvinos Kosmokomische Geschichten, Raymond Queneaus Stilübungen und Markus Krajewskis thematisch eigenwilliges aber wahnsinnig spannendes Sachbuch ZettelWirtschaft: Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek. Dennoch möchte ich als sobald wir möglich endlich einmal das vielversprechende Werk Die Südharzreise: Abstrakter Tourismus zwischen Leipzig und Göttingen von Frank Fischer lesen. Ich wollte ja schon seit der Veröffentlichung. Alas! … man kennt das ja. Aber. Es ist geordert, angeblich auf dem Weg. Und wenn auf dem Grunde meines Briefkastens nicht ein schwarzes Loch hockt und alles verschlingt, was kein Gutschein für den Trierischen Volksfreund ist, dann sollte ich das Werk sehr bald gelesen haben, u.a. auch um es am Donnerstag mit Dorian Steinhoff besprechen zu können.

Dies ist der zweite Teil des Bücherstöckchens.

Лев Толстой: Кинохроника 1908-1910 гг.

[источник: Nechljudov/Youtube | виа]

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Bücherfr*gebogen: D*s Buch, d*s du zurzeit liest

Dies ist wirklich sehr schwierig zu erklären. Es sind immer eine Menge Bücher gleichzeitig. Und wie ist “lesen” präzis gemeint? Deswegen nur die Werke, die derzeit sowieso mehr oder weniger geöffnet bei mir herumliegen. Diese sind: Iser, Der implizite Leser; Stephen Spender, The Temple und Christopher Isherwoods Selbstbiofiktion, die derzeit von der BBC verfilmt wird. Eigentlich hätte sich eine Koproduktion mit einem deutschen Medium offeriert… Üblicherweise können jedoch die öffentlich-rechtlichen hier nicht die Güte der BBC erzielen. Mir ist es einerlei! Isers Werk ist eine Geschichte der Wechselwirkung von Text und Leser über die letzten Epochen–gesehen von der Perspektive des Rezipienten. Die implizite Leser wird demzufolge zur Spiegelfigur des impliziten Schreiberlings. Der wurde schon eine Weile länger theoretisiert. Stephen Spenders Text ist Semifiktion, wie viele der Werke, die im Kurs dieses Semester besprochen werden. Die Republik, die vor dem Hitlerismus hier existierte, muss sehr besonders und vielfältig gewesen sein, zog viele schöpferisch Tätige hier her. (Obwohl Isherwood den eigentlichen Grund sehr simpel mit “Berlin bedeutete Jungs” beschreibt…)

Dies ist der erste Teil des Bücherstöckchens.

On the doorstep…

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 7. Grund

Weil man neben Gründen 1-6 leicht noch mehr finden kann.

Ach so: Vorsicht, übrigens! Das Ende/das Ziel des Literaturstudiums ist nicht sein Grund.

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 6. Grund

Weil der Mensch das Wichtigste ist, und weil zum Menschen Kultur und Literatur gehören, diese nahe an seinem Wesen sind. Darum ist das Studium der Literatur ein Studium des Menschen.

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 5. Grund

Um Gesellschaft/Kultur zu verstehen (um damit dann etwas anderes zu tun/als Teil aller sozial-/kulturwissenschaftlichen Disziplinen).

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 4. Grund

Um dem dem Schönen nahe zu sein, das Wunder der Schönheit zu verstehen.

Leseempfehlung: “Vor dem Alkoholverbot: Auf ein letztes” von Peter Richter/FAS

Der Alkohol, heißt es, hat den Menschen in der Eiszeit gewärmt, gestärkt und sesshaft gemacht, er hat über Jahrtausende die Lebensmittel haltbarer und das Dasein erträglicher gemacht. Das alles muss er heute nicht mehr; wir haben Heizungen, Kühltruhen und eine Bundeskulturstiftung. [hier]

Grandios konstruierter Essay. Das ist die hohe Kunst.

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 2. Grund

Aus Langeweile…

…bzw. weil wir keine Wahl haben oder es sowieso gleich ist.

Aus der siebenteiligen Reihe “Warum wir Literatur studieren”: 1. Grund

Aus Eitelkeit.

In der Hoffnung, dass wir bei/durch die Beschäftigung mit dem Ästhetischen selbst ästhetisch sind/scheinen/werden.

Friedrich Christian Delius / “Tübingen 1964″

Das Gedicht hängt im Erdgeschoss, links vor der Treppe im Hölderlin-Turm herum. Ich musste sehr lachen, weil ich das so ähnlich sah, und die beschriebene Szene mit den Mauern voller Studenten nur ungefähr 10 Minuten (mit Besichtigung der Vitrinen 1-7) und 20 Meter weiter ist. Oder eben doch 46 Jahre und 20 Meter. Auf jeden Fall, das Gedicht selbst und Delius im Gespräch darüber:

Unerträglich, quälend, blödsinnig–In Klagenfurt werden wieder Menschen gefoltert

Er ist zum aus der Haut fahren, der Blödsinn, den die Juroren des Bachmannpreises von sich geben. Man könnte meinen, Jahrzehnte Literaturwissenschaft seien von ihnen verschlafen worden. Karin Fleischanderl, beispielsweise, scheint noch nicht einmal zwischen Autor und Erzähler unterscheiden zu können/wollen. Sie ist dabei aber nicht die einzige. Was haben diese Menschen für ein Selbstverständnis? Unerträglich, quälend, blödsinnig–m. E. zumindest. Das Schöne ist, ich kann wegschalten. Nur die Autoren tun mir sehr Leid–gerade eben jetzt der Ostthüringer Aleks Scholz. Vor allem, weil viele von ihnen gefoltert werden und am Ende doch keine Kohle bekommen…

Andreas Stichmann bei Bemerkenswert!

Um Gottes Willen! Nur nicht verpassen: Die Dernière der ersten Staffel der jungen Lesereihe in der Tufa steht vor der Türe. Am Donnerstag kommt der überaus gut aussehende und wahnsinnig fähige und fertige Andreas Stichmann nach Trier. Ich war bereits nach den ersten beiden Sätzen seines letzten Werks überaus begeistert und freue mich jetzt sehr darauf, ihn hier lesen und erzählen zu hören.

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Ach so, und dann ist natürlich auch der letzte Auftritt des Frasenphischs. Mal schauen, wie viel Phrasengeld sich in der ersten Saison angesammelt hat und ob es nur für billigen Fusel oder sogar für ordentlichen Stoff reichen wird… Eine Schreibaufgabe mit Gewinnchance wird es auch wieder geben.

Ach ja, Dorian Steinhoff und mein alter ego werden auch auf der Bühne sein.

Also: Kommen und auch weitersagen!

[Autorenfoto: Finn-Ole Heinrich]

Lydia Daher in Trier

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Gestern in der TuFa: Bemerkenswert! mit Lydia Daher. Whow! Moderiert vom großartigen Ken Yamamoto, der für Dorian Steinhoff eingesprungen ist. Wer es verpasst hat, hat den Zonk. Ha! :-P Lydia hat Lyrik und Prosa gelesen, Lyrik gesungen und auch ein paar ihrer Lieder gespielt. Toll! Wer ein bisschen nachhören möchte, kann das auf Lydias MySpace-Profil.

Bemerkenswert! wieder am vierten Donnerstag des nächsten Monats (also am 24. Juni) mit Andreas Stichmann.

Der Traum, den ich von dir habe

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In dem Traum, den ich von dir habe, sitzt du auf einem alten Eisenrohrstuhl auf der Grundplatte eines abgerissenen Hauses. Man kann die Spuren der Mauern erkennen, die früher einmal einen Raum um dich herum gebildet hätten. Das einzige, was noch intakt scheint, in diesem weggerissenen Raum, in diesem weggerissenen Haus, ist ein grauer alter Berliner Kachelofen, den man wohl zum Spaß hat stehen lassen. Du sitzt da auf diesem Eisenrohrstuhl, dessen Beine mit schwarzer Plastik überzogen sind, die Endkappen an den Füßen fehlen, der Bezug ist rotes Kunstleder. Ein Stuhl aus einem DDR-Lehrerzimmer. Obwohl die meist eckiger waren und mit Stoff bezogen, ganz weich und eher gelb oder beige oder in einem eigenartigen Popelgrün, wenn es doch nicht so ein schweres Rot sein sollte. So ein schweres Rot, wie es immer in diesen Andachtsräumen gab, in Pionierzimmern oder öffentlichen Einrichtungen. Du sitzt da auf diesem Stuhl, den jemand da gelassen hat, weil die Endkappen fehlen und der sowieso am neuen Ort nur den Fußboden kaputt macht und starrst auf die gegenüberliegende Wand. An die hat jemand, um die Einrichtung des weggerissenen Zimmers zu verbessern, ein Aquarium gemalt. Ein abgerundetes Rechteck, mit sonnenblumengelbem Wasser gefüllt, schwimmen in ihm drei bunte Fische. Sie kucken teilnahmslos durch neongrünen Bewuchs. Die Wand gehört zum angrenzenden Haus. Es wird auch irgendwann abgerissen werden müssen, wie alles hier. Die ganze Anlage wird irgendwann eine Brachfläche sein, die wieder auf Industrie oder Menschen warten wird. Jetzt steht noch die Hälfte der Gebäude, die von Straßen-Malern besucht werden oder von Fotografen auf der Suche nach dem morbiden Scharm von Abrisshäusern. Du sitzt da, auf deinem Stuhl, hinter dir der Ofen. Du blickst auf dein Aquarium. Ich sehe mich um, sehe den sandgrauen Putz der noch stehenden Häuser, der manchmal von herausragenden alten Nägeln oder alten Rohren rostbraun gefärbt wird. Unter mir eine einfache Betonfläche, mit vielen Rissen, mit Reihen von Klinkersteinen, die die Spuren der alten Mauern sind. Ein paar Meter weiter ist so etwas wie eine Tiefgarageneinfahrt. Nein, es ist keine Einfahrt, es ist ein breiter Eingang. Das Haus um ihn herum, falls da einmal eins gewesen ist, ist verschwunden. Der Eingang ist offen. In ihm eine Treppe, die nach unten führt. Ich stehe am Eingang und überlege, hinunter zu gehen, um zu sehen, wie es dort aussieht. Das Treppenhaus ist mit alten, ehemals blaugrünen Kacheln gefliest, die jetzt jedoch von einem schmierigen gelbbraunen Film überzogen sind. Auf der Treppe liegen ein paar Betonsplitter. Weit nach unten kann man nicht sehen, da der Weg nach einigen Metern nach links ins Dunkle abbiegt. Als ich gerade hinunter gehen möchte, höre ich deine Stimme. “Komm, lass uns gehen. Weg von hier.” Du hast dein schwarzes Trägerhemd ausgezogen, das du eben noch über der fliederfarbenen Bluse hattest. Du packst mich unterm Arm und ziehst mich Richtung Hausdurchgang, über den wir auf das Gelände gekommen waren. Vorbei an unserem Wohnzimmer, in dem noch immer die Fische trübe kucken, in dem noch immer der Ofen heizt und in dem du immer noch sitzt. Du oder eine andere Version von dir, eine, die das schwarze Trägerhemd noch über der Bluse trägt, eine, die immer noch auf die Fische schaut und die gar nicht gemerkt hat, dass ich zu diesem Eingang in den Keller gegangen bin oder dass wir beide jetzt von hier verschwinden. Wer ist sie, die dort sitzt? Bist du das, die du mich gerade zum Ausgang zerrst? Bin ich das? Oder wir?