Polizistenbeleidigung als letzte Rettung?

Der neue Polizeipräsident Horst Wawrzynski wolle, laut Mephisto, stärker gegen Beleidigungen von Polizisten vorgehen. Jedes Schimpfwort gegenüber Polizisten solle zukünftig zur Anzeige gebracht werden. Ist man nicht ganz doof, weiß man, dass diese Ankündigung und auch die Praxis so destruktiv ist, wie die Entfernung der Namensschilder in Parks rumprügelnder oder Pfeffergas versprühender Polizisten: Das alles entfernt den Polizisten von dem, dem er dient und den er schützen soll. Man stelle sich einmal vor, jeder in Schulen geplagte Lehrer würde alle Ausfälle der Schüler zur Anzeige bringen! Unterrichten wäre in Deutschland nicht mehr möglich. Aber vielleicht hat es ja auch etwas Gutes. Wenn man beispielsweise eine Meute randalierender Menschen vor einer Billigdisko sieht und die Polizei nur daneben steht, und der Sachbeschädigung untätig zuschaut, gar toleriert, dass Menschen in der Einrichtung zusammengeschlagen werden, dann hilf es vielleicht, und der einzelne Bürgerdiener in grün lässt sich zum Handeln motivieren, indem er beleidigt wird. Also: “Wirst du erschossen und der Polizist kuckt nur zu, beleidige ihn und gerettet wirst du”—oder so.

[Satirische Symbolcollage mit Browserscreenshot von Youtube.]

5:4 im Wartezimmer

Kati meint, dass die großen Serviceunterschiede zwischen Privat- und Kassenpatienten in Leipzig–ich erzählte ihr vom ersten Anruf bei meiner Orthopädin (privat:nächste Woche, Kasse:in drei Monaten)–daher kämen, dass so wenige Menschen hier privat versichert seien, was mir sofort einleuchtete. Auch hier ein Art Almendeproblem. In Leipzig warten jedoch nicht nur Privatversicherte noch nicht, sondern auch die Vertreter der Pharmaunternehmen. Zumindest ist das bei meiner Hausärztin so, auch wenn sie sie nicht sofort ins Sprechzimmer ruft. Am Montag stand es bei Frau Z. in der Kochstraße 5:4. Also fünf wartende Patienten vs. vier wartende Pharma-Vertreter. Zwei von denen, eine Dame, die mir das ideale Bild zum Eintrag “ungainly” in einem Bildwörterbuch des Englischen zu sein schien, und ihre Kollegin, eine aufgetakeltes Schiff, gehörten zusammen und entschieden sich für die mittlere Variante einer Reihe möglicher Vorgehensweisen in gefüllten Wartezimmern: die Mittelschnelle, bei der man die Ärztin vor dem Sprechzimmer abfängt und ihr fünf Minuten nimmt. Ein Herr, der mit seinem Subsubnotebook neben mit sitzend “zauberte” (so nannte das die recht formlose Dame)–ja, man kennt sich gut in der Szene–hatte sich indes für die lange Variante entschieden: Er würde es aussitzen bis er an die Reihe kam. Der letzte, ein Typ vom Schlage eines Agraringenieurs, kam zuletzt, entschied sich für den schnellen Weg, indem er nur eine Broschüre hinterließ, und eile alsbald, seine Kollegen kaum gewürdigt habend wieder davon. Vier von neun hatten also die Wahl. Der Rest saß bis zum bitteren Ende.

Axel-Dutschke-Koch in Berlin

Na, das ist doch mal was: Da hat man eine Straße schon vor längerer Zeit zur Axel-Springer-Straße gemacht, weil dort die Menschen im Springer-Verlag anliegen, und nun ziehen andere nach und lassen einen Teil des Kochs sausen, um es dem Rudi Dutschke zu widmen. Geile Sache, weil sich nun auch die Widersacher im Straßenbild gegenüber stehen. Vielleicht wird man sich in Zukunft wundern, wie es dazu kommen konnte, dass man beide hier auf Namenebene gleichsetzt und ähnlich würdigt. Meines Erachtens werden Täter und Opfer selten so zusammen gebracht (Weitere Info in Wort und Bild beim Sender, den ich ab und an DDR2 nenne.).

Buchmessenlogbuch | Tag 4

Volker Strübing bestätigte gestern die Einschätzung zur Buchmessenbratwurst. Sie sei frittiert, nicht gebraten und deshalb nicht zu empfehlen. Überhaupt war auf der Buchmesse so einiges wahres und gutes zu hören und zu sehen. Einige Impressionen.

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Volker Strübing liest aus seinem Buch Ein Ziegelstein für Dörte.

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Nach einer sehr musikalischen Comic-Buch-Vorstellung mit Harald “Sack” Ziegler entfernt Leo Leowald das Hintergrundposter.

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Ahne liest in der Ausbild-Bar.

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Winfried Glatzeder bei einem seiner vielen Gespräche zu seiner Autobiographie.

Top/Flop/Tipp für Sonntag, 16. März.

Top: 14 Uhr – 14.30 Uhr: Clemens Meyer auf dem Blauen Sofa.

Flop: Manche Leipziger kennen Burkhard Jung nur als das Gesicht der Stadtwerke-Verkaufs-Kampagne. Kaum einer weiß, dass er Oberbürgermeister dieser Stadt und geübter Vorleser ist. Griseldis Wenner, Dieter Bellmann und Sebastian Krumbiegel kennen sicher noch viel weniger Menschen. Aber auch sie können vorlesen. Ihre Fähigkeiten nutzen die vier heute für einen guten Zweck: Sie lesen Kindern etwas vor. 11 Uhr – 12 Uhr, Lesebude 2, Halle 2, Stand G304.

Tipp: Ein typischer Berliner Lesebühnenmensch ist Falko Hennig. In Leipzig kennt man ihn, wenn überhaupt, nur von seinem Buch Radio Hochsee. Und weil nicht nur die Hauptstadt ihn kennt sondern auch er die Hauptstadt, erzählt er morgen etwas über diese. 10:30 Uhr -11 Uhr, Sachbuchforum Halle 2, Stand K203, Lesung mit Präsentation.

[Dieser Beitrag wird zeitgleich bei Heldenstadt veröffentlicht und kann dort kommentiert werden.]

Ab nächstem Jahr wieder durchatmen

Keine verfetteten, stinkigen Achtklässler in abgewetzten Clan-T-Shirts mehr! Dann nämlich nur noch dunkel gekleidete mit Pogostemonöl beträufelte Süddeutsche vom Dorfe, die zwischen Agra und Zentrum pendeln und so die 10/11 unbrauchbar machen; und, natürlich, die Bachfest-Japaner, die beim Fotografieren der Obststände Trauben bilden, in die man dann rennt, wenn man mal schnell zum Fahrkartenautomat auf dem Markt möchte.

Einige Stichworte zu 008

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Der Euro ist der neue Dollar

Ja klar, man munkelt schon eine Weile auf der anderen Seite des großen Teichs “the euro is the new dollar”. Und das mag stimmen. Top-Thema also im nächsten Jahr. Und wenn der Wertverfall des US-Dollars so weitergeht, dann kann ich alles bei Amazon.com bestellen, mir direkt ins Haus kommen lassen, und es ist trotz Mindestlohns für Briefzusteller immer noch billiger, als selbst aus dem Haus zu gehen und im Laden um die Ecke zu kaufen.

Rauchverbot

Wenn man aber dann doch aus dem Haus geht, dann ist man besser vorsichtig, da ja überall die aus den “Gaststätten” verbannten Raucher herumstehen und die Umwelt zuquarzen. Früher wurde der ganze Feinstaub direkt durch die Lungen des Thekenpersonals gefiltert. Jetzt muss man als Passant diesen Job erledigen. Wenigstens wird es aber schön warm draußen. Im Sommer ist Klimawandel und für den Winter haben wir die Heizpilze.

Innere Sicherheit

Alles wird sicher. Hofft man. Auch wenn es viele Freiheiten kostet. Das ist auch sicher.

OBM vs. Bevölkerung

Au ja, mein sehr geschätzter Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung. Der wird seine Linie wohl durchsetzen. Da wird in der Jahresendansprache Werbung gemacht für sein großes Projekt, im Amtsblatt, in der Mieterzeitschrift des kommunalen Wohnungsunternehmens. Überall tritt der Mann, der sich gern als Diener des Stadtrats und Freund des Bürgers darstellt, als Werber für die sehr eigene Ansicht auf, dass man doch endlich mal das Tafelsilber verscherbeln sollte. Wahrscheinlich steht Herr Jung auch gerade vor–auch was sag ich: im–Bäckerladen um die Ecke und quatscht Einkaufende an. Mich soll’s nicht stören. Wegen Dollar-Verfall etc. muss ich da ja nicht mehr hin. Zum Bürgerentscheid muss ich wohl aber trotzdem aus der Bude.

Semesterticket

Großer Skandal. Jaja. Die Studierendenschaft an der Uni Leipzig entscheidet dagegen. Also gegen das, was es jetzt neu geben sollte. Ein Pflichtticket für alle, ziemlich teuer sogar, wie ich finde. Aber ich fahre ja Rad. Habe mich selbst der Stimme enthalten, da ich wegen der Pendelei vom Ticket profitieren würde aber trotzdem dagegen bin.

Mal sehen, was passieren wird. Die LVB bekämen dann den Sockelbeitrag nicht mehr, Studierende aus dem Umland würden sich den Zuzug nach Leipzig auch sparen können (spart die Stadt auch noch den Bonus), brillante Leute mit 1,0er Abi, die sich nicht leisten können, z. B. in Bayern zu studieren, würden es sich auch bei Leipzig stärker überlegen müssen (aber das Problem löst sich ja im Herbst 2009, wenn der Ehemann der Tunnelfee in Dresden genug Sitzfleisch hat)… Also, Moment! Das heißt ja, dass die LVB, die der Stadt gehören, mehr Kohle durch die Tickets bekommen (zumindest, wenn das Wetter schlecht ist oder man ein paar Radfahrer im Park überfällt oder so), gleichzeitig spart sich die Stadt den Zuzugsbonus und Kohle für die freie Szene. Denn, wo keine Studenten (vor allem abends nicht), da auch wenig Kultur–behaupte ich. Das klingt nach dem finanziellen Polster, das die Stadt bräuchte, falls man doch die Stadtwerke nicht teilverkaufen darf. Denn verplant ist es wohl schon.

Knut

Man glaubt es nicht, da denkt man, man hätte Ruhe vor dem Vieh–gerade wo der doch irgendwie gar nicht mehr so schön anzuschauen ist (Irgendwie sieht der doch schmutzig aus, oder?)–und dann wählt man ihn als Maskottchen für die UN-Naturschutzkonferenz im Mai. Äks!

Geselligkeit

Ja, und dann werden Menschen in diesem Jahr auch z. B. dreißig. Ob, wann und wie das gefeiert wird, kann man noch nicht sagen. Mal schauen. Was man aber weiß ist, dass dieses Jahr der 1. Mai auf einen ersten. Nein, dass Christi-Himmelfahrt auf den ersten Mai fallen wird. Zum ersten Mal. Das heißt: Demonstration die Adolf Südknecht bist runter zum Kreuz. Aber morgens schon volltrunken.

Zum ersten Mal gibt es 008 dann auch Andreas Keppler und Eva-“Ist das nicht dem Assauer seine Frau aus der Bierreklame?”-Saalfeld. Damit gibt es dann also auch sowas wie einen Thüringer Tatort. Also wegen des Namens. Aber was ist denn dann mit Keppler–bei diesen sprechenden Namen? Der kam doch aus Weil der Stadt, und hatte ein P weniger. Aber vielleicht ist das auch Humbug. Hauptsache die neuen sind nicht so öde wie die alten. Aber da müsste man sich ja arg anstrengen. Anstrengung aber muss man beim Heimatsender nicht befüchten.

Serverumzug

Steht auch irgendwann auf dem Plan. Hier wird wahrscheinlich einiges den Bach runter gehen. Aber Herr Schäuble stellt mir bestimmt sein Backup zur Verfügung. 😉

In diesem Sinne, auf ein gutes neues Jahr!

Denn auch Herr Jung…

…ist ein lupenreiner Demokrat. Zwar fand ich das Interview mit unserem Oberbürgermeister im LF (Ich mache dem Stadtrat nur einen Vorschlag…) und auch die Nutzung des Leipziger Amtsblatts für die Zwecke des Stadtwerketeilausverkaufs deplaciert, doch muss ich sagen, dass die angekündige Rechtsprüfung des Bürgerbegehrens gegen diesen Verkauf Leipziger Eigentums natürlich sehr für Jungs demokratisches Selbstverständnis spricht. (Herr Jung, ich möchte kotzen.) Während Dona-Nobis-Tiefi in Berlin für die Bahnprivatisierung verheizt wird, betreibt man hier schon wieder eine schlimme Provinz-Posse. Ich sehe für die nächsten Oberbürgermeisterwahlen schwarz für die SPD in Leipzig und goldene Zeiten für Dunkelrot und Konservativ. Vielleicht sollte wirklich einmal der Antifilz-KFZ-Mechaniker die Werkstatt durchkehren. In Sachen Bewahrung wünsche ich den Bewahrern (Konservativen) im Stadtrat ein glückliches Händchen.

Übrigens ist die Idee, dass der Käufer der Anteile ein paar Jahre Geld in die Leipziger Kultur stecken würde nicht sehr beruhigend. So wie freie Kulturprojekte in Leipzig (nicht) gefördert und gleichzeitig sinnlos Kulturkohle verbrannt wird (vgl. Henri Maier vs. Riccardo Chailly Burk Jung), wird das Leipzig wohl kaum etwas nutzen.