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Category Archives: Geschichtliches

Dial Up Modem Handshake Sound – Spectrogram

There is only a thin tranche of the population whose memories (will) include the tinkling of a dial-up modem as it connects. If you are one of them, you are most probably tech-savvy, between 30 and 40 years of age and from the so-called Western World. Right?

Lieder gegen Thatcher?

Komplett pietätlose Menschen–oder solche, die ihr so ein paar Dinge nicht verziehen haben (rücksichtslose Privatisierungen, radikale Einschnitte bei den Sozialleistungen (Schulmilch), sinnlose Massenarbeitslosigkeit, sinnloser Krieg, Abwicklung des Nordens, die weitere Verarmung der Armen, die großere Bereicherung der Reichen, den Umgang mit Gegnern (Gewerkschaften, Nordirland))–können also heute auf kritische Weise Frau Thatcher gedenken. Mit Musik ist das ganz wunderbar möglich. Bei Buzzfeed gibt es seit Oktober 2011 eine Liste von “21 Incredibly Angry Songs About Margaret Thatcher“. Die meines Erachtens hörenswertesten sind folgende:

  • “Margaret On The Guillotine” / Morrissey
  • “Tramp The Dirt Down” / Elvis Costello
  • “Black Boys On Mopeds” / Sinéad O’Connor
  • “Thatcherites” / Billy Bragg
  • “The Day That Thatcher Dies” / Hefner
  • “Thatcher Fucked The Kids” / Frank Turner

Aber vielleicht haben diese Lieder bei oben genannten Menschen ja sogar eine kathartische Wirkung, so dass sie der alten Dame ein sympathisches “Rust in Peace” hinterherrufen können.

Eli Pariser on Online “Filter Bubbles”

Almost a year old but still very topical and worthwhile TEDTalk on filter bubbles and the threat that content-filtering algorithms might pose to democratic societies in the age of the internet.

[via]

This is What Wikipedia’s Protest against SOPA and PIPA Looked Like / 2012-01-18

[This is a post for historians of the future, when Wikipedia, after it will have been forbidden entirely (like all major “anarchistic” publications of the early years of the State-Grid-Halliburton-Google-Web (called World-Wide-Web back then)), will also have been systematically purged from all archives.]

Users at the time were not fully aware of the threatening danger posed by a legislation influenced by state politics/old-ecomnomy oligarchs/criminal syndicates to free speech, network neutrality, accessibility of internet services, … (plus the once in a century chance to change the whole planet for the better), worldwide. Therefore, they, instead of joining the protest, rather switched off JavaScript on Wikipedia.org and complained about those political nerds/idiots. Could they actually be so naive to believe that they could possibly change anything?

Auch knapp 150 Jahre nach der Veröffentlichung…

…scheint mir der Ruskin überaus lesenswert und höchst aktuell. Vielleicht sollte man Politiker und Wirtschaftsfunktionäre zur Lektüre solcher Texte drängen? (Das ist möglicherweise ein Vorteil der konsekutiven Studiensysteme, in denen als BA so etwas sinnvolles wie Literatur, Kultur oder Philosophie und als MA dann berufliches Handwerkszeug wie Wirtschaft oder Jura studiert wird…)

So far as I know, there is not in history record of anything so disgraceful to the human intellect as the modern idea that the commercial text, “Buy in the cheapest marekt and sell in the dearest,” represents, or under any circumstances could represent, an available pinciple of […] economy. (John Ruskin, “Unto this Last: Four Essays on the First Principles of Political Economy” (Unto this Last and Other Writings; Hg. Clive Wilmer; London: Penguin, 1997; 155-228; Print; 187))

…Mal so ganz aus dem Zusammenhang gerissen. Sorry. Müsster selber lesen! 😉

Das Gold der Steppe: Die Schätze der Skythen und Sarmaten

GarderobehakenAufKopfhoehe
[Was ist von unserer Zeit in 2500 Jahren noch übrig? … Vielleicht dieses Schild.]

Eine unglaubliche Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museeum Zeughaus in Mannheim. Angeblich flankierend zur großen Alexander-Ausstellung, von der mir viele abgeraten haben, kann “Das Gold der Steppe: Fürstenschätze jenseits des Alexanderreichs” sicher für sich allein stehen. “Ich mag keine Münzen sehen,” habe ich vorher gehört. “Es gibt auch keine zu sehen,” möchte ich nun entgegnen. Was es gibt ist beispielsweise Gänsehaut bei dem Gedanken, dass zwischen der Schöpfung des Artefakts, das da vor einem liegt, bis zum jetzigen Moment 2500 Jahre vergangen sind. Und: Man sieht sie nicht, die Jahre. Naja, bei Komposit-Materialien, bei denen auch Eisen zum Einsatz kam, ahnt man, dass da Zeit vergangen sein muss. Das Zeug ist längst zerquollen. Aber das Gold und Silber… Häufig sieht man in Museen die Zeit bei den schlimmen, platten, frühen christlichen, arg zweidimensionalen Heiligenabbildungen. Das ist auch bei einer Schale am Ende der Ausstellung der Fall. Aber das Nicht-Christliche, das Nomadische, das Naturverbundene und doch Kulturelle beeindruckt. Da ist z. B. diese Ziergürtelschnalle, die einen Elchkopf darstellt. Gegossen: Massenproduktion in der Steppe. Wenn ich das Motiv abpause und bei Spreadshirt auf ein T-Shirt drucke, ahnt keiner, dass der Künstler schon über 2000 Jahre tot ist. Eben mit größter handwerklicher Fertigkeit und individueller Kreativität (ohne mimetischen Impuls!) ist dieser Elch dargestellt. … Man muss ihn sehen. Man muss es sehen. Auch die Fabelwesen, die rechten Proportionen, die Ornamente. Flankierend zur Alexander-Ausstellung… Pfff! Fahrt nach Mannheim!

Noch bis 25. Mai 2010; Dienstags-Sonntags, 11-18 Uhr; Eintritt: 10/5€.

Hörenswerte Medien

Die Katholische Kirche – Stephen Fry bei The Intelligence² Debate

Man muss was sagen an einem Tag, an dem Leute wie Walter Mixa – den ich, wie Joseph Ratzinger, für einen großen geistigen Brandstifter halte – die “Wahrheit” m. E. ganz bewusst verdrehen. Ich sage es mit dem grandiosen Stephen Fry, denn besser als er kann man das wohl nicht ausdrücken. Unbedingte Videoempfehlung.

[Info zum Rahmen der Rede]

[Transkript der Rede]

Zensur im ARD-Putin-Interview?

Ich war in Peking, als die Ereignisse anfingen. Massierter Beschuß von Zchinwali, Anfang des Vorstoßes der georgischen Truppen, es gab sogar bereits vielfache Opfer, es hat keiner ein Wort gesagt. Auch Ihre Anstalt hat geschwiegen, alle amerikanischen Anstalten. So als ob gar nichts passiert. Erst als der Agressor in die Fresse bekam, “Zähne rausgeschlagen” bekommen hat, als er seine ganze amerikanische Ausrüstung aufgegeben und ohne Rücksicht gerannt ist, haben sich alle erinnert. An das internationale Völkerrecht, an das böse Rußland. Da waren alle wieder auf der Stelle.

Die ARD zeigt knapp zehn Minuten Interview mit Wladimir Putin. Da der Moskauer Studioleiter Thomas Roth viel länger mit dem Russischen Ministerpräsidenten gesprochen hatte, musste natürlich gekürzt werden. Das ist nicht erstaunlich. Erstaunlich ist allerdings, was da gekürzt wurde. Es schein, als hätte dieser Zusammenschnitt System. Wir reden also möglicherweise von Zensur, die hier in oder von der ARD ausgeübt wird.

Da das Interview anscheinend ungekürzt im Russischen Fernsehen (Westi) zu sehen war, kann man genau herausstellen, was da gestrichen wurde. Das Transkript mit einer Markierung der in der ARD-Fassung fehlenden Teile (Original ohne Farbmarkierung hier) findet sich beim Spiegelfechter, der zu folgendem Schluss gekommen ist:

Mit der vorgenommenen Kürzung erhält das Interview einen vollkommen anderen Informationsgehalt. Die ARD hat in diesem Falle die Grenze zwischen journalistischer Verantwortung und Meinungsmanipulation überschritten.

Besonders perfide an der Politik, die bei der ARD gefahren wird, ist, dass auch im im Internet veröffentlichten Transkript des Gesprächs (“Interview im Wortlaut”) die Streichfassung zu finden ist und keine Übersetzung des Originals.

Übrigens gibt es das gesamte Interview als deutsch untertiteltes Video ohne Streichung (Westi-Fassung) bei Youtube und mit Streichungen bei der ARD.

[Teil 2 | Teil 3]

Update 2008-09-01|02:25: Beim Tagesschau-Blog kocht gerade ein Eintrag Roths zum Interview kommentarmäßig über. Vielleicht liegt das an der Spreeblick-Verlinkung. Erstaunlich, dass sich bisher noch niemand aus der Redaktion der Sache angenommen hat. Zeit wird es langsam. Aber vielleicht will man es ja auch aussitzen.

Update 2008-09-02|01:54: Natürlich hat sich Herr Roth nicht herabgelassen, sein Statement als einfachen Kommentar neben die Kommentare der anderen Menschen (a.k.a. der wütende Mob) zu setzen. Zwar steht da irgendwie Blog dran, aber sein Text, in dem er abstreitet, dass es sich um Zensur gehandelt habe (“Mit Zensur hat das nicht das geringste zu tun.”), liegt direkt auf Tagesschau.de, nicht im Tagesschau-Blog. Dort spielte nach über 400 Kommentaren die Redaktion den Proxy und verwies auf Roths Stellungnahme.

Kurzfristig werde, so Roth, das vollständige Interview im WDR-Fernsehen heute um 6.20 Uhr zu sehen sein. Es werde, so der Kommentar im Blog, auch in dieser Fassung auf der Website der Tagesschau verfügbar sein. Ein Transkipt soll folgen.

Update 2008-09-12|00:10: Inzwischen hat die Redaktion die Kommentare zum entsprechenden Eintrag gesperrt. Jörg Sadrozinski, der Redaktionsleiter, erklärt am 08.09.2008, dass nun “keine neuen Aspekte zum Interview von Thomas Roth mit Wladimir Putin” in den Leserkommentaren angeführt würden und die Redaktion stattdessen “in der Mehrzahl diffamierende Mails mit dubiosen Verschwörungstheorien” erhielte, denen man keine Plattform bieten wolle. Wie aber die angeblichen diffamierenden Mails mit der Kommentarfunktion zusammenhängen oder warum Blog-Kommentare Neuigkeiten verkünden sollen erklärt er nicht. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass die Tagesschau-Redaktion hier ganz schnell die querulierenden Massen abschütteln wollte. Würde ich auch machen. Allerdings dann auch so begründen. Und: Ich bin nicht die ARD. Dass die das so einfach…

Fragen an Gunter Weißgerber (MdB)

Leicht gekürzte Kopie meiner Nachricht an MdB Gunter Weißgerber (Wahlbezirk Leipzig II).

Sehr geehrter Herr Weißgerber,

[…] Wie ich der Website des Bundestages entnommen habe, haben sie in der 124. Sitzung des Bundestages am 9. November in der namentlichen Abstimmung zur “Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG; Drs.16/5846 und 16/6979” mit “Ja” gestimmt.

Leider finde ich weder auf Ihrer Website eine Stellungnahme dazu, noch habe ich eine Antwort auf Anfragen im Vorfeld (vgl. hier) bzw. nach (vgl. hier) der Abstimmung gefunden. Deswegen wende ich mich nun direkt an Sie.

Mich würde interessieren, wie Sie Ihre Entscheidung mit Ihrem rechtsstaatlichen und demokratischen Verständnis vereinbaren können. Denken Sie, dass Sie Ihrer Pflicht nach Artikel 38, Absatz 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nachgekommen sind? Wie haben Sie, auch im Hinblick auf die deutsche und Ihre eigene Geschichte, der Konstruktion einer abstrakten Terrorgefahr folgend, massiven Einschränkungen bürgerlicher Rechte (besonders nach Artikel 5, GG) zustimmen können? Oder vertrauen Sie, vielleicht nicht allein nach Ihrem Gewissen entschieden habend, wie andere Kollegen auf das Bundesverfassungsgericht (vgl. Anlage 4 “Erklärung nach §31 GO” des stenografischen Berichts der Sitzung)?

In der Sitzung haben Sie über das “Einheitsdenkmal” gesprochen. Sie waren an der friedlichen Revolution in der DDR beteiligt. Waren Sie einmal in der Runden Ecke? Schätzen sie das Fernmeldegeheimnis nicht? Wie konnten Sie gesetzlichen Regelungen, die de facto dafür sorgen werden, dass von allen Bundesbürgern festgehalten wird, wann sie mit wem telefoniert haben, wem sie welche E-Mail zu welchem Thema geschrieben haben und auf welchen Internetseiten sie nach Informationen gesucht haben an einem 9. November zustimmen?

Schämen Sie sich dafür kein bisschen? Oder sorgen Sie sich nur darum, dass die SPD für die Generation Internet nun eigentlich unwählbar geworden sein sollte? Oder ist es Ihnen ganz gleich?

Herzliche Grüße

[…]

Sondersammlung im Docuverse: Software und Erinnerung

An dieser Stelle wurde vor allem mit Bezug auf einen Vortrag im Studium Universale und ein Interview im lokalen Radio auf das Internet als Ort der Erinnerung verwiesen. Web-2.0-ige Anwendungen scheinen besonders gut geeignet zu sein, persönliche Erinnerungen zu bewahren/diese auszulösen. Nun stellen die Herren vom Umblätterer einen Verweis aus ihrem Blog zu ihrer jetzt aktuell geliebten und demnächst veralteten Software her, ermöglichen also einen späteren Blick auf die eigene Geschichte der Softwaresozialisierung.

Der Netscape Navigator 3 riecht zum Beispiel ganz stark nach dem stickigen Rechenzentrum in den Kellern des Hörsaalgebäudes der Uni Leipzig anno 1997. [Paco/Umblätterer]

Das fühle ich auch. … Ist jemand mal mit diesem Fahrstuhl im Hauptgebäude gefahren; also mit dem hinten im Gebäude, dem ohne Spiegel, vom Rechenzentrum nach oben? Kann sich noch jemand daran erinnern, E-Mails aus Pine heraus ausgedruckt um am nächsten Tag im URZ abgeholt zu haben–wahnsinnig breites, schnell vergilbendes Endlospapier? Aber ich werde weggetragen–um das mal mit einer falschen Übersetzung zu beschreiben.

Denke, es kann funktionieren, auch wenn ich befürchte, dass man nicht unbedingt zu allen jemals verwendeten Programmen, ihren Versionen und Builts eine starke emotionale Bindung hat. Alles andere wäre wohl ziemlich geekig, oder? Selbst die Erinnerung an die Versionsnummern ist schon Spezialisten vorbehalten.

Alle anderen können dann den Service OldVersion.com nutzen, um sich alte Versionen ihrer Software zu besorgen und einmal nachzufühlen, wie das damals so war.

Abriss! *Schluchz*…

Abriss Universitätscampus Leipzig zu Ostern 2007, kleines Panoramabild (c)
…naja, irgendwie ist es schon traurig. Die Leute laufen da einfach dran vorbei. Dort, wo ich die ersten dreieinhalb Semester einmal in der Woche Latein hatte. Im Sommer war es heiß, die Fenster offen, und der Akkordeonmann spielte stunden- und wochenlang die gleichen Lieder, trieb uns in der Mischung mit Sallust, Cicero und Cäsar fast in den Wahnsinn. Nun, der Seminarraum verstreut über mehrerer Meter, in drei Dimensionen verteilt. Ein Raum, ein Ort verschwindet. Wenn es für mich schon so krass emotional ist, wie fühlen dann die, die den Aufbau des Campus miterlebt hatten? Was denken die? Meiden die die Innenstadt? Übrigens zeigt sich jetzt zum ersten Mal, was überhaupt im Zwischengeschoss zwischen Erdgeschoss und erstem OG im Hauptgebäude der Uni war: das Zwergenreich.

Matrosen mit /h

Horatio und die Seeleute
[Foto: Nicht unter CC-Lizenz, sondern copyrighted.]

Hey Hey 16K

ZX Spectrum: Photo by Bill Bertram

Zx SpectrumDer ZX Spectrum war der erste Massen-Heimcomputer in Großbritannien. Dort war er so wichtig wie die NTSC-Variante des C64 in den USA und der PAL-Variante des Brotkastens in der BRD bzw. dem KC85 in der DDR. (Hinter vorgehaltener Hand erzählt man gar, dass der Spectrum auch in der Zone einige Anhänger hatte.)

Anfang der 80er Jahre legte das britische Bildungsministerium das sogenannte Microelectronics Education Programme auf, um Computergrundlagen und elektronische Lernmaterialien an die Schulen zu vermitteln. Bis 1986 half das Wirtschaftsministerium den örtlichen Schulen auch finanziell bei der Beschaffung von Computern, darunter eben auch dem ZX Spectrum.

Einen direkteren Zugang zum englischen Computerbefinden damals erhält man vielleicht durch Rob Manuels Video “HeyHey16K”.

[Fotos: Bill Bertram / CC by-SA 2.5]

Damals war’s: Fraggles Rock

[Bild]

“Fraggles sind etwa 60 cm große, verschiedenfarbige humanoide Lebewesen, die in einer Höhle unter dem Wohnhaus des Doc (einem menschlichen Wissenschaftler […]) leben. Den Tag verbringen die Fraggles mit Lachen, Singen und Tanzen.” [hier]

Dann leben in der Höhle auch noch die Doozers, kleine grüne Wesen, die die ganze Zeit wohlschmeckende Gerüste bauen, die dann von den Fraggles aufgeknabbert werden. Eine Art Symbiose findet dort statt. In einer Folge entscheiden die Fraggles, nicht mehr die Bauwerke zu essen, was dazu führt, dass die Höhle komplett verbaut ist und die Doozers über einen Wegzug nachdenken.

Meine Lieblingsfigur war aber die “Allwissende Müllhalde”, Marjorie:

“Die Müllhalde lebt in den Wäldern hinter dem Schloss der Gorgs. Sie ist ein lebender Komposthaufen – eine Sammlung von alten Grapefruits, Gras, Konservendosen, Kaffefiltern, Kartoffel-Schalen und sostigem [sic] Müll, welcher eines Tages misteriös [sic] zum Leben erweckt wurde. […] Die Müllhalde ist ein Orakel. Sie sieht alles, weiß alles, ist alles.
Sie ist das zu Hause für Philo und Gunge, ihre zwei Nagetier-Freunde. Sie agieren als Interpreten, Vertreter und beste Freunde der Müllhalde. Philo und Gunge sind die beiden einzigen, die sie mit ihrem Vornamen ansprechen dürfen: Marjoriy. Wenn man bei ihr ist lassen einen die beiden Nagetiere wissen, wenn die Sprechzeit vorbei ist, indem sie sagen: ‘Die Müllhalde hat gesprochen!'” [hier]

Zwar ist alles im Fraggles Rock allegorisch zu verstehen, ein Mikrokosmos der menschlichen Befindlichkeiten. Nur das mit der Müllhalde kriege ich nicht auf die Reihe. Eine Vorahnung des Internet?

http://www.fragglerocker.com/media/audio.asp

Bare Branches in Meck-Pom

Methusalem-Schirri schreibt gestern in der FAZ und heute bei SpOn über Triebwähler in Meck-Pom:

“Je mehr heiratsfähige Männer aus sozialen Gründen daran gehindert werden zu heiraten, weil es die Frauen dazu entweder nicht gibt oder von denen, die es gibt, keine die Zurückgebliebenen haben will, desto mehr Testosteron zirkuliert.
‘Bare branches’ – nackte Äste werden diese Milieus junger Männer inmitten alter Leute in Indien und China genannt, wo der Männerüberschuss (aufgrund der Abtreibung von Mädchen) ganze Regionen mit Gewalt überzieht. Junge Männer ohne Zukunft sind eines, junge Männer ohne Zukunft und ohne die Chance zur festen Bindung etwas anderes; und junge chancenlose Männer, ohne die Chance zur Heirat, ohne Arbeit und als Teil alternder Gemeinschaften sind schlichtweg explosiv.”

Nicht nur politischer Radikalismus an sich, sondern auch Frauenmangel und Überalterung sind der Grund, weshalb in diversen Regionen der heutigen DDR* ein gewaltbereiteres Milieu entsteht, in dem radikale rechte Parteien gewählt werden. Das hat mit den von den rechten favorisierten Männerbündnissen zu tun. Kein Job, keine Frauen, keine Chancen, selbst zu blöde: da säuft und kloppt man sich eben–das ist bekannt–und fühlt sich zu männerbündischen Lebensformen hingezogen…

Hmm? Vielleicht sollten die Stargayte– und Cocks-Betreiber es mal in diesen Gegenden versuchen? Dann hätte man vielleicht ruck, zuck eine breite Basis Grünen- und FDP-Wähler, die sich dann nur noch zum CSD in Warschau oder in Moskau rumkloppen und sich sonst gegenseitig Kuchen backen und Topflappen häkeln.

[* Pardon, vertippt. Meinte so ziemlich alle “national-befreiten Zonen” in Ostdeutschland = die furchtbare Provinz]

Schau mal, ein Flugzeug!

Hana Jensel hat ja in ihrem Buch Zonenkinder* so manche erstaunliche Befindlichkeit ostdeutscher Menschen meiner Generation festgehalten. Da ist das Gefühl, eben weder Playmobil– noch Lego-Kind gewesen zu sein, wenn man im Ausland Erfahrungsberichten der anderen Deutschen lauscht. Da ist die Erfahrung, dass die Eltern einem irgendwie nicht so die Ratschläge zum Überleben im System geben können, weil sie genau so lange darin sind wie die Kinder etc…

Was sie aber vergessen hat ist die eigenartige Angewohnheit, jedes vorüberfliegende Flugzeug, jeden Hubschrauber zu kommentieren. Vielleicht liegt das daran, dass es früher so wenige davon gab. Dieser Flugzeugmangel sitzt noch in den Köpfen die sich dann automatisch drehen, immer wenn ein Motor am Himmel brummt. Leute zeigen nach oben, bleiben stehen, schauen nach. Bin mal gespannt, was passiert, wenn DHL in Leipzig ist. Ob der Verkehr ob der vielen angefahrenen Fußgänger auf den leipziger Straßen zum Erliegen kommt?

* [irgendwo ist da ein Dreher drin]

Tod und er

Jetzt ist er gestorben, der Joachim Fest. Aber wie ist das eigentlich bei großen Biographen? Wer schreibt ihre Biographie? Über James Boswell gab es wohl erst einmal kein großes Werk. Klar, schließlich hatte er sein Leben auch mit Johnson gelebt und auch anderweitig sich selbst in seine Biographie einfließen lassen. Ob Joachim Fest jetzt in seiner Hitler- oder in seiner Speer-Biographie steht? Im Gegensatz zu Boswell hat er eine richtige Autobiographie vorgelegt. Von diesem tauchten in den 1920er Jahren lediglich die Tagebücher auf, die später veröffentlicht wurden. Wie dem auch sei. Wer zur Fest’schen Speer-Lesung am 17. März 2005 in der Albertina war, wird sich gut an ihn erinnern (nicht nur, weil eine Fotografie des Publikums auf dem Leipzig-Liest-Programm 2006 auftauchte) und wissen wie schlecht man doch auf den Stühlen der Universitätsbibliothek sitzen kann. Vielen Dank Herr Fest für diesen schönen Abend!

Ostthüringen und die deutsche Standardsprache

Wie es bei einem Blick in die Titeleien scheint, werden beide relevanten* aktuellen deutschen Rechtschreibwörterbücher in Pößneck beim GGP gedruckt. Damit ist Ostthüringen nach Georg von der Gabelentz das erste Mal wieder ein Zentrum der deutschen Sprachwissenschaft (*lach*). Wie schön!

[*: über Zehetmairs/Bertelsmanns Werk kann man sicher streiten, medienpräsent ist es allemal]

Das Reich hockt in seinem Bunker

Magdeburg ist eine Stadt in Deutschland. Sie ist die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt und die flächengrößte Stadt sowie eines der drei Oberzentren dieses Bundeslandes. Magdeburg ist sowohl katholischer als auch evangelischer Bischofssitz und Standort zweier Hochschulen: der Otto-von-Guericke-Universität und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH).

Die Stadt liegt an der Elbe und am Rand der Magdeburger Börde auf altem Kulturboden. Im Jahr 2005 feierte sie ihr 1200-jähriges Bestehen.
[wikipedia]

Soweit Wikipedia. In Magdeburg liegt auch Otto der Große. Ansonsten ist dort entweder Safari (jeder trägt beige oder eine ähnliche Unfarbe) oder DDR (hat sich aber ganz schön entwickelt, mein Geburtsland, in den letzten 16 Jahren: vgl. Video).

Oh, und dann ist da noch eine ganz furchtbare Ausstellung zum “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen“. Diese Ausstellung findet in einem Bunker statt. Es wimmelt von tollen Exponaten, aber ständig tritt einem einer der anderen Besucher auf den Zeh, rammt einem die Tür in den Rücken (wenn man versucht die am Boden befestigten Beschriftungen im Dämmerlicht zu entziffern) oder stinkt einfach so. Ist nicht leicht im Bunker. Einen Kurator scheint es auch nicht zu geben, oder er kommt wirklich aus der Zeit der aktiven Bunker im Reich…

Erich Loest will das gestern vom Hauptgebäude der …

[Bild: http://www.ohlbaum.de/fotos/vorschau/b6573.jpg]Erich Loest will das gestern vom Hauptgebäude der Universität Leipzig abgenommene Karl-Marx-Relief am liebsten in der Etzoldtschen Sandgrube bei Probstheida beerdigen. Da liegt ja schon die alte Paulinerkirche, derer im Neubau der Uni gedacht werden soll. Vielleicht kann man auch Loests Bücher dorthin verbringen. Oder Loest selbst? Dann kann er auf seiner Vergangenheit hocken und brabbeln was er will…