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Category Archives: Feuilleton

Zuspachteln nicht notwendig: Bauerfeind bei DDR1RBB’s Polylux

Aha! Dann hat es sich ja wohl gelohnt. Katrin Bauerfeind übernimmt die Schwangerschaftsvertretung von Tita von Hardenberg. Das schreibt die Süddeutsche gestern und liefert ein Bild von Frau Bauerfeind (dpa), auf dem sie aussieht, als sei sie 45. Oder gar 55? Ein klassischer Fall von “Zuvielmakeup”. Normalerweise findet man so etwas nur bei Christiansen & Co. Bei älteren Moderatorinnen werden die Mallorca-/Sonnenbank-Furchen wohl zugespachtelt wie Hagelschäden an einem asiatischen Kleinwagen. Warum Frau Bauerfeind so unvorteilhaft geschminkt wurde, ist schon schleierhaft. Im Blog der von ihr zukünftig moderierten Sendung ist sie ohne/oder mit wenig Maske zu sehen. Das steht ihr. Schließlich ist sie erst vierundzwanzig. Mal sehen, mit wie vielen Kilogramm Schminke sie übermorgen, wenn sie auch mit durchsichtigen Kärtchen herumfuchteln darf, bei Polylux auftritt.

Übrigens schlägt die Bildunterschrift im SZ-Feuilleton dem Fass die Krone ins Gesicht: “Katrin Bauerfeind: Gibt ihren Senf jetzt zu Polylux.” Ja, schönen Schrank auch!

Es drostelt: "niemand hat ein Bömbchen für Bayreuth übrig"

Auf meiner Suche nach Parallelen zwischen Bayreuth und Beirut–denn so sprechen die Dortgeborenen wohl den Städtenamen aus–stolpere ich also über den MDR-Droste. Wiglaf. Aber nicht beim hirnlosen MDR. Diesmal wortschwurbelt er bei der TAZ herum. Dass er die kleine oberfränkische Wagner- und Jean-Paul-Metropole “ein geistloses Erdloch” nennt, stößt mir aber fast schon ein bisschen auf…

Berliner Literaturkritik über Leipziger Handelsblatt-Bloglesung

Dort findet man den Artikel. (Leider hat der Verfasser nicht richtig aufgepasst, und die Textsorte ist ein bisschen unklar: Fängt wie eine Meldung an und endet als Essay. Vielleicht passt das aber auch zur Absurdität einer Bloglesung. ;-) !) Naturgemäß finde ich, dass es der Verriss trifft.

Der Hetero-Analverkehr ist die Metrosexualität des kleinen Mannes: Dietmar Dath zum Arschfick

Bristol Stool ChartMan kann eigentlich ebensogut auch gleich mal über das Anale reden. Dafür sind wir Deutschen ja prädestiniert. Man sieht es an unseren Schimpfwörtern und Flüchen und eben unseren popkulturellen Provokationen, wie Dietmar Dath sie in der von satt.org feierlich mit Lorbeerkranz ausdrapierten Abhandlung beschreibt und zugleich zelebriert. Aber vielleicht geht das schon zu weit und man muss mit einem Gegenwartsbezug beginnen, denn zwar feiert Frank Fischer den Dath’schen Traktat am 6. Januar, jedoch stammt jener bereits vom April 2006 und bezieht sich auf ein Musikstück, dass noch viel älter ist.

Also: “Gas-Like Odor Permeates Parts of New York City,” schreiben Christine Hauser und Sewell Chan am 8. Januar in der New York Times: “The smell was reported from midtown to Battery Park City, and strong odors were reported in Jersey City.” Behörden versuchten an jenem Tag den Beschwerden vieler Einwohner New Yorks nachzugehen, die sich auf einen penetranten faulgasähnlichen Geruch in der Stadt bezogen. Faulgas (natural gas), das ist vor allem Methan, aber eben auch Schwefelwasserstoff (schon einmal an faulen Eiern gerochen?). In der Natur entsteht dieses Gas, von anaerob lebenden Bakterien gebildet, in stehenden Gewässern und Sümpfen, weshalb es auch Sumpfgas genannt wird. Es wird aber auch im Darm von Tieren und Menschen und im Pansen von Wiederkäuern erzeugt. Wie dem auch sei, roch es in New York nach Sumpf, Faulturm, Kuhrülps, Fleischfurz oder eben nach Faulgas. Angestellte wurden aus Bürogebäuden evakuiert, Belüftungsanlagen ausgeschaltet, Schulen geschlossen, doch die Quelle des Gestanks blieb unklar, wie so oft: “Mysterious odors come and go in the New York City area, sometimes never identified.” (Mehr zur “Gas Mystery”.)

Letztendlich bleibt die Erinnerung an Ausscheidungen ganz generell unheimlich, weil Ausscheidung, Verstoffwechslung unheimlich ist–viel zu direkt sensuell körperlich. Deswegen die Reaktionen. Im selben Moment in dem die Meldung über den bestialischen Gestank in New York durch die Medien kreiselt und sich Journalisten fragen, wie sie diese unhaltbaren Zustände in den audio-visuellen Medien darstellen sollen, stolper ich über den Bristol Stoll Chart, ein Diagramm zur Kategorisierung von menschlichem Kot. Sehr interessant, ermöglicht dieses Diagramm doch eine differenziert standardisierte Beschreibung menschlichen Fäzes. Lustigerweise wird diese Kategorisierung in Bristol weder vom United Bristol Healthcare NHS Trust noch vom North Bristol NHS Trust benutzt. Ob die Einordnungen in Deutschland üblich sind, ist mir unbekannt.

Doch zurück zum “teils weißen und teils nicht ganz so weißen Schmuddel-HipHop aus Berlin,” wie Dath ihn nennt. Dem Literazisten ist an einer Analyse (es kalauert!) dieser populärkulturellen Erscheinung gelegen. Ganz klassisch steckt der Schmuddel-HipHop seinen Claim mittels “archetypischer” Verfahren ab: Man suche sich einen Punkt in der Mitte zwischen Spießer und Perversem und erstürme ihn, offene Türen einreißend. Diesen Zugang zum Analen gliedert Dath in die Geschmacksnoten “ganz schlecht,” “etwas besser,” “noch besser” und “am besten.” Wie er das genau tut, und wie man am Ende doch “heavily into urine and excrement” landet, lese man jetzt wirklich bei Dath selbst, der seine Betrachtungen in veränderter Form auch in dem Buch Sauerei Moderne veröffentlichen möchte. Hoffentlich streicht er den alles wieder vereinenden letzten Schmus-Absatz.

Tod und er

Jetzt ist er gestorben, der Joachim Fest. Aber wie ist das eigentlich bei großen Biographen? Wer schreibt ihre Biographie? Über James Boswell gab es wohl erst einmal kein großes Werk. Klar, schließlich hatte er sein Leben auch mit Johnson gelebt und auch anderweitig sich selbst in seine Biographie einfließen lassen. Ob Joachim Fest jetzt in seiner Hitler- oder in seiner Speer-Biographie steht? Im Gegensatz zu Boswell hat er eine richtige Autobiographie vorgelegt. Von diesem tauchten in den 1920er Jahren lediglich die Tagebücher auf, die später veröffentlicht wurden. Wie dem auch sei. Wer zur Fest’schen Speer-Lesung am 17. März 2005 in der Albertina war, wird sich gut an ihn erinnern (nicht nur, weil eine Fotografie des Publikums auf dem Leipzig-Liest-Programm 2006 auftauchte) und wissen wie schlecht man doch auf den Stühlen der Universitätsbibliothek sitzen kann. Vielen Dank Herr Fest für diesen schönen Abend!

“Im Alter von 91 Jahren starb am Sonntagmittag (03…


“Im Alter von 91 Jahren starb am Sonntagmittag (03. September 2006) die Schauspielerin Annemarie Wendl an den Folgen eines Herzversagens in ihrer Münchner Wohnung. Dies gab die Familie am Montagnachmittag bekannt. Annemarie Wendl gehörte seit dem Start der ARD-Serie ‘Lindenstraße’ im Jahre 1985 zum Ensemble der Dauerserie und verkörperte fast 21 Jahre lang die Rolle der Else Kling.”
[hier Bild hier]

Zwar bin ich kein Fan der Lindenstraße, zählte Frau Wendl aber doch zum TV-Urgestein der Republik. ‘Else Kling’ sagte doch allen was. Schade: Keine neuen Witze mehr über fiese alte Nachbarsweiber oder Dinge, die schee machen…

“Mei Serie hätten S’ mi scho zu Ende schaun lassen kinna. Jetzt weiß i gar nimmer, wie’s ausgeht!”
“Aber ich weiß es, Else. Es geht gut aus.”
“Dann bin i froh. Mei, dann bin i froh.” [hier]

Ciao Annemarie Wendl!

Das Reich hockt in seinem Bunker


Magdeburg ist eine Stadt in Deutschland. Sie ist die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt und die flächengrößte Stadt sowie eines der drei Oberzentren dieses Bundeslandes. Magdeburg ist sowohl katholischer als auch evangelischer Bischofssitz und Standort zweier Hochschulen: der Otto-von-Guericke-Universität und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH).

Die Stadt liegt an der Elbe und am Rand der Magdeburger Börde auf altem Kulturboden. Im Jahr 2005 feierte sie ihr 1200-jähriges Bestehen.
[wikipedia]

Soweit Wikipedia. In Magdeburg liegt auch Otto der Große. Ansonsten ist dort entweder Safari (jeder trägt beige oder eine ähnliche Unfarbe) oder DDR (hat sich aber ganz schön entwickelt, mein Geburtsland, in den letzten 16 Jahren: vgl. Video).

Oh, und dann ist da noch eine ganz furchtbare Ausstellung zum “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen“. Diese Ausstellung findet in einem Bunker statt. Es wimmelt von tollen Exponaten, aber ständig tritt einem einer der anderen Besucher auf den Zeh, rammt einem die Tür in den Rücken (wenn man versucht die am Boden befestigten Beschriftungen im Dämmerlicht zu entziffern) oder stinkt einfach so. Ist nicht leicht im Bunker. Einen Kurator scheint es auch nicht zu geben, oder er kommt wirklich aus der Zeit der aktiven Bunker im Reich…

Ein Held unserer Zeit: Gregori Perelman. Er hat di…

[Bild]Ein Held unserer Zeit: Gregori Perelman. Er hat die Poincaré-Vermutung bewiesen. Er hat die Fields-Medaille nicht persönlich angenommen und zeigt damit, dass Wissenschaft mehr ist als Drittmittelakquise und die Jagd nach neuen Einnahmequellen. Es scheint ihm lediglich um die Sache an sich zu gehen. Wird doch immer gesagt, dass Wissenschaft seit geraumer Zeit nicht mehr die Angelegenheit verschrobener Genies sei sondern ein kollaboratives Projekt, beweist er doch das Gegenteil. Da hat der Elmar Schenkel mit seinem Buch Die elektrische Himmelsleiter: Exzentriker in den Wissenschaften Recht und seine Rezensenten wie Jürgen Kaube Unrecht: Wissenschaft kann eben doch von visionären Einzelgängern getragen werden, nicht nur von kognitiven Gemeinschaften.

What does one do with laptops and mobiles now? And…

What does one do with laptops and mobiles now? And does one really have to pay for a glass of tap water on low cost carrierst these days?

Altersdurchschnitt 70 1/4 Jahre: Das literarische Quartett spricht über Bert Brecht

Hat Hellmuth Karasek (72) schon immer so heftig gestikuliert? Sah Marcel Reich-Ranicki (86) schon immer zu zusammengefallen aus? Mein Gott! Ich glaube, man sollte schon einmal Nachrufe schreiben. Und sie reden über Brecht, der so jung ist. Brecht ist doch Jugendliteratur! Die Show der lebenden Literaturleichen im ZDF. Da tun sich ja Abgründe auf. Oder besser: Passt sich das ZDF wieder seiner Altersgruppe an? Wenn schon Iris Radisch (47) schulmeisterlich für ihr auswendig gelerntes Wissen (Anzahl der Dramen Brechts etc.) gelobt wird… Peter Rühmkorf (76) sagt zum Glück nicht mehr viel–manchmal singt er. Notwendigerweise sendet das ZDF diese Tales from the Literary Crypt nach elf, denn diese gegenseitige längst impotente Verbalmasturbation (mit Iris als mädchenhafte Voyeurin) ist wohl wirklich nur etwas für Leute über sechzehn.

Felix Johannes Krömer über Bruce Willis und braune Brause

Vor der herkömmlichen Süßstoffbrause schrecken die meisten Männer offenbar zurück. Kein Wunder: Sie hat ein Image zwischen Weight-Watchers-Damenkränzchen und Kokshinterzimmer bei den Mailänder Modenschauen. Der Zusatz „light“ klingt nach Halbfettmargarine, Spaghettitop und rosa Handtäschchen. höchstens Prosecco-Tunten in Szenecafés sagen: „Ich hätt’ gerne eine Cola light.“ Unvorstellbar, daß ein echter Hetero-Macker, sei er noch so diätbedürftig, diesen Wunsch in der homophoben Eckkneipe seiner Wahl äußert. Dagegen „Coke zero“! Das klingt nach Bruce Willis, der, das Unterhemd verschwitzt und besudelt von Terroristenblut, am Tresen einer Kaschemme lehnt und mit heiserer Stimme knurrt: „Eine Zero!“ Dieses Zeug, so die Botschaft, ist nichts für Frauen und Warmduscher, es ist hart, ehrlich, kompromißlos: „zero tolerance“. Seltsam, daß Coca-Cola nicht an den Originaltitel von Bruce Willis’ Action-Reißer „Stirb langsam“ gedacht hat: „Die hard – Coke zero“. Das wäre doch ein bärenstarker Werbespruch. [FAZ 2.8.2006, 36]

Jan Wagner und der Bär gehen durch das Land / Wortfeld

Bienenkörbe Teiche Gras Schaftskadaver Grenzsteine Hof Stille Nacht Hund Knecht Hühnerställe Blizzard Federn Blätter Märchenbände Zeitungen Türen Druckerschwärze Hände Katze Ofen Helikopter Himmel Ewigkeiten Prozession Bauern Sensen Ketten Fackeln Sicherheit Stube Platz Schweigen Heraldik Gitterstäbe Wappen Käfig

FAZ-Feuilleton 2006-7-26 / S. 29

The FAZ prints the one-sentence poem from Rosanna Warren’s Departure.

A simile
A simile makes a comparison using the word “like” or “as.” [...]
[A] comparison communicates more effectively if Item A is compared to a familiar object, experience, sound or food.
For example: Kuznetsova moves across the court like a gazelle, a powerful mix of muscle and grace.
[Poetry in the Post 5]