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Category Archives: Feuilleton

Kleiner Barth

Es gibt ja diese Seiten, meist am Ende von Tageszeitungen, auf denen Boulevardeskes gehandelt wird. Das Zeug, dass es im ehemaligen Leitmedium Fernsehen im frühen Vorabendprogramm zuhauf gibt: D-Promi-News, Modetrends und anderen Blödsinn. Michael Jackson im Rollstuhl und Ethan Hawke, der sein ehemaliges Kindermädchen heiratet. Diese Seiten heißen manchmal “Vermischtes” oder “Aus aller Welt” oder gar “Magazin”, wie bei der Frankfurter Rundschau. Und in dieser gibt es heute eine recht empfehlenswerte Analyse des Phänomens “Mario Barth”.

Zum Kommentar einer Barth-Anhängerin schreibt der Autor darin:

Eigentlich, so schrieb die Frau, kenne man derlei Witzigheit vom eigenen Freund. Aber sie fände es trotzdem super! [...]
“Trotzdem super!” ist die Durchhalteparole der Traurigen–gegen die ewige Zumutung durch das schier unerreichbar Schöne und Gute. “Trotzdem super” finden viele triste Urlaube, lieblos zubereitetes Essen, Fuselwein, abgeschmackte TV-Shows, öde Filme, Dieter Bohlen und Matthias Riechling. Mit “trotzdem” reden sich viele erst ihr gebremstes Bemühen schön, dann das Ergebnis, letztlich die Resignation, kurz: das mittelmäßige Scheitern.

Zwar steht Mark Oberts Text neben der “Meldung” über Michael Jackson, dem sich angeblich die Haut vom Gesichte schält, aber es ist trotzdem (!) schön zu wissen, dass man “Magazin” auch so machen kann.

Plattmacher mit Gespür für Titte

So passiert am 19. November im Feuilleton-Pressegespräch beim D-Radio:


Das ist ein Link.

Sehr schön: Aust als “Plattmacher”, das “Gespür für Titte und so weiter”, und das Wenden des Herrn Matthias Matussek bei der Nachfrage nach Nicolas Iljine von der Guggenheim-Stiftung. Sehr geil. Da kann man schleimig und wendig sein wie ein Aal, und trotzdem, und trotzdem …

Wie man langweilige Nachrichten schön schreibt: Sebastian Wieschowski bei SpOn

Glücklich und erschöpft liegen sich die Kollegen des T-Punktes in der Schildergasse in den Armen, stoßen mit Sekt an, verschwinden in der Finsternis der Großstadt. Und immer wieder sieht man zwischen Einkaufsstraße und Hauptbahnhof einsame Menschen im strömenden Regen auf Bänken sitzen, die eifrig eine schwarze Kiste aufreißen und gierig ein futuristisch aussehendes Telefon herausnehmen.

Wie damals bei der Autorennbahn. Wie an Weihnachten.
[Quelle]

Bisschen Klischee, aber schön.

Hals - SO einen

Bei soviel Blödheit, da krieg ich SO einen Hals. Frau Rowling macht sich natürlich (hoffentlich) einen Spaß daraus. Aber dass SpOn so tut, als hätte es z. B. den New Criticism nie gegeben, macht mich ganz wild. Da könnte man ja annehmen, dass man bei SpOn gar keine (Aus)bildung besitzt und bei AP und Reuters ebenso wenig. Aber soetwas passiert, wenn man entweder nur Praktikanten heranlässt oder Leute, die als einzige Qualifikation vorweisen können, dass sie eine Art zweijähriger Behelfsausbildung ohne richtigen Plan gemacht haben. Kann mir doch niemand erzählen, dass es für Literaturwissenschaftler tatsächlich auch bei der Presse Stellen gäbe, die nicht im Rezensionsunwesen lägen. Das ist doch hoffentlich Allgemeinwissen, was hier bei SpOn fehlt.
UPDATE 20071022: So schreibt man darüber.

FAZ: Du sollst dir genau ein Bild machen

Seit dieser Woche gibt es bei der FAZ ein Titelbild. Nicht schlecht. Den Start aber vermasselt mit einer Fotografie zweier Männer beim Weintrinken. Aber das stimmt ja nicht, denn, erstens, sind Kim und Roh ja nicht einfach irgendwelche Männer, zweitens, trinken sie auf dem Bild noch gar nicht und, drittens, gab es schon immer einmal Abbildungen auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die andere Zeitung aus Frankfurt, die Rundschau nämlich, brachte am Freitag in der Rubrik “Zehn & Eins” eine Liste der zehn letzten Ausnahmen vom Bilderverbot auf Seite 1 der FAZ.

  1. Ratzinger ist Papst (20. April 2005)
  2. Johannes Paul II. verstorben (4. April 2005)
  3. Berliner Mauer offen (FAZ-Extrablatt, 12. November 1989)
  4. Deutsche Einheit (4. Oktober 1990)
  5. … [sic; 45]

Das ist ganz spannend, besonders wenn man sieht, dass es dann auch der Tod von Otto Suhr (Kennt den noch wer?), Egon Reinerts Aufstieg zum Chef der CDU im Saarland oder die Verstaatlichung des Suezkanals mit Bild auf die Titelseite geschafft haben.

Was fehlt wird ebenfalls kommentiert: Mondlandung, Kennedy-Mord; ganz ganz viel zwischen 1957 und der Maueröffnung. Insgesamt waren es 33 Ereignisse, die die FAZ-Redaktion zu einem Foto auf der Titelseite bewegen konnten - die meisten davon in den Fünfzigerjahren.

Jetzt ist es egal, jetzt muss man immer ein Foto finden. Man stelle sich die Diskussionen vor! Und wenn man kein vernünftiges findet, dann zeigt man eben Kim und Roh bei der Weinprobe. Gibt zumindest schöne Farben.

“Religion ist vielleicht die älteste totalitäre Versuchung”: Arno Widmann zu Joachim Meisner

Source + info: cf. link.Zwar ist es einige Tage her, doch sollte man noch einmal auf Arno Widmanns Meisner-kritischen Artikel aus der FR verweisen (FR. 17. Sep. 2007, 32). Im Rahmen der allgemeinen, aber doch zu schnell eingeschlafenen Kritik am Kölner Kardinal, schreibt Widmann grundsätzlicher. Nicht nur um Meisners unverschämte Entartungs-Rhetorik ist es ihm, sondern um alle seine verstörenden Verweise auf den Nationalsozialismus.

Der 1933 in Breslau geborene Joachim Meisner scheint besessen vom Nationalsozialismus. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, ihn zu erwähnen. Mal braucht er ihn, um abtreibenden Frauen klarzumachen, dass sie nicht besser sind als die massenmordenden Nazis es waren, mal kultiviert er selbst das nationalsozialistische Vokabular und spricht von ‘Entartung’ oder um ihn genau zu zitieren: ‘Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.’ [hier]

Widmann bewertet, dass Meisners Katholizismus totalitär sei:

Der Anspruch darauf, überall und in allem das letzte Wort zu haben, wird derzeit von niemandem so vorbehaltlos, ja so schamlos vorgetragen wie von Joachim Meisner. Er weiß nicht nur genau, wie Ehepaare sich zu verhalten haben, er weiß auch, was Kunst ist und keine. Er weiß ganz genau wie Gott verehrt werden möchte und dass nur Männer ihm als Priester dienen dürfen. Besorgniserregend ist freilich nicht der totalitäre Wahn von Meisners Glauben. Besorgniserregend wäre eine Gesellschaft, die ernst nimmt, die ihm mit Respekt begegnete.

Bleibt zu hoffen, dass die Position des Herrn Meisner beim nächsten sicher kommenden Meisner-Feuilleton-Bashing einmal Schaden nimmt und er sich nicht wieder für eine Beförderung nach Rom profilieren kann. Ich frage mich, was er äußern muss, damit die Kölner Katholiken ihm mal altes Obst an die Kanzel klatschen.

Literarisch war Leipzig nie lebendiger als seine Autoren: Leipzigs Sommerlochskandal um Juli Zehs groß angekündigten Weggang

Die schreibende Juristin und vielleicht-noch-Leipzigerin Juli Zeh beschäftigt sich im groß angelegten Kultursommerlochinterview der Lokalpresse mit der Stadt, in der sie jetzt wohl lange genug gelebt hat. Es resoniert tatsächlich ein bisschen im Blätterwald. Vielleicht gibt es im Moment wirklich keine anderen Kulturthemen.

Literarisch sei Leipzig längst tot. Diese Aussage ist der Grund, warum man über das Interview spricht. Aber erstaunlich ist sie nicht. Die Entdeckung Zehs kann nur deshalb eine Entdeckung für die Juristin sein, weil sie vielleicht, so meine Vermutung, zu stark um sich selbst gekreist ist und sich in der Zeit, als sie Leipzig noch lebendig fand, nur im Dunstkreis von DLL-Studenten und angeschlossenen unterwegs war.

Ich wage die überspritzte These: “Leipzig war literarisch nie lebendig. Juli Zeh aber auch nicht.” In den letzten Jahren gab es eine Reihe kreativer Leute, die einiges literarisch bewegt haben, die versucht haben, aus dem engen Kreis der DLLer auszubrechen. Da seien beispielsweise Claudius Nießen und Christoph Gräbel genannt, die einmal mit der Literaturshow Turboprop im Ilses Erika ganz erfolgreich waren. Zugegebenermaßen scheinen weder die Show noch der Klub mehr besonders attraktiv und aktuell zu sein. Zugegebenermaßen war das Publikum dieser Show auch schätzungsweise zu zwei Dritteln aus DLLern rekrutiert. Trotzdem gab es aber auch einen Austausch mit anderen Leipzigern.

Geht man in Leipzig einmal ins Haus des Buches, wird man feststellen, dass es mit dem Publikum oft auch nicht so gut bestellt ist. Ich habe dort Veranstaltungen erlebt, bei denen das gesamte Publikum in die erste Reihe gepasst hätte. Da muss schon ein alternder DDR-Schriftsteller antanzen, oder ein drittklassiger Schauspieler einer viertklassigen Familienärzteserie vorlesen, um die Bude voll zu kriegen. Das passiert zuweilen.

Ansonsten war Leipzig literarisch nie lebendig. Juli Zeh aber auch nicht: Continue reading ›

Aus der Reihe "Metaphern, die schräg stehen": Gerhard Stadelmaier und das Feigenblatt

Nicht schlecht, sogar das D-Radio zitiert dieses verquere Bild.

Er hielt sein elegantes Altherrenbuben-Haupt voll Witz und Wunden den Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts entgegen und zog etlichen Tabus die Feigenblätter herunter. Und schaute nach, was darunter sich barg. [hier]

Es geht natürlich um den Tod George Taboris, denn wer sonst zerrte so mächtig an den Feigenblättern der Tabus? Zum Beispiel nam er in seiner Komödie Mein Kampf 1987 dem Hitler das Feigenblatt weg oder auch Gott. Ja, Gott hat er das Feigenblatt auch heruntergezogen und schon mal geschult. Das war in den Goldberg-Variationen 1993. Ein richtiger Feigenentblätterer.

Herr Stadelmaier ist kreativ. Aber diese sehr physische Feigenblattmetaphorik zusammen mit einer archaischen Wortwahl machen den Nachruf nicht pathetisch sonder pathetic.

Zuspachteln nicht notwendig: Bauerfeind bei DDR1RBB’s Polylux

Aha! Dann hat es sich ja wohl gelohnt. Katrin Bauerfeind übernimmt die Schwangerschaftsvertretung von Tita von Hardenberg. Das schreibt die Süddeutsche gestern und liefert ein Bild von Frau Bauerfeind (dpa), auf dem sie aussieht, als sei sie 45. Oder gar 55? Ein klassischer Fall von “Zuvielmakeup”. Normalerweise findet man so etwas nur bei Christiansen & Co. Bei älteren Moderatorinnen werden die Mallorca-/Sonnenbank-Furchen wohl zugespachtelt wie Hagelschäden an einem asiatischen Kleinwagen. Warum Frau Bauerfeind so unvorteilhaft geschminkt wurde, ist schon schleierhaft. Im Blog der von ihr zukünftig moderierten Sendung ist sie ohne/oder mit wenig Maske zu sehen. Das steht ihr. Schließlich ist sie erst vierundzwanzig. Mal sehen, mit wie vielen Kilogramm Schminke sie übermorgen, wenn sie auch mit durchsichtigen Kärtchen herumfuchteln darf, bei Polylux auftritt.

Übrigens schlägt die Bildunterschrift im SZ-Feuilleton dem Fass die Krone ins Gesicht: “Katrin Bauerfeind: Gibt ihren Senf jetzt zu Polylux.” Ja, schönen Schrank auch!

Es drostelt: "niemand hat ein Bömbchen für Bayreuth übrig"

Auf meiner Suche nach Parallelen zwischen Bayreuth und Beirut–denn so sprechen die Dortgeborenen wohl den Städtenamen aus–stolpere ich also über den MDR-Droste. Wiglaf. Aber nicht beim hirnlosen MDR. Diesmal wortschwurbelt er bei der TAZ herum. Dass er die kleine oberfränkische Wagner- und Jean-Paul-Metropole “ein geistloses Erdloch” nennt, stößt mir aber fast schon ein bisschen auf…

Berliner Literaturkritik über Leipziger Handelsblatt-Bloglesung

Dort findet man den Artikel. (Leider hat der Verfasser nicht richtig aufgepasst, und die Textsorte ist ein bisschen unklar: Fängt wie eine Meldung an und endet als Essay. Vielleicht passt das aber auch zur Absurdität einer Bloglesung. ;-) !) Naturgemäß finde ich, dass es der Verriss trifft.

Der Hetero-Analverkehr ist die Metrosexualität des kleinen Mannes: Dietmar Dath zum Arschfick

Bristol Stool ChartMan kann eigentlich ebensogut auch gleich mal über das Anale reden. Dafür sind wir Deutschen ja prädestiniert. Man sieht es an unseren Schimpfwörtern und Flüchen und eben unseren popkulturellen Provokationen, wie Dietmar Dath sie in der von satt.org feierlich mit Lorbeerkranz ausdrapierten Abhandlung beschreibt und zugleich zelebriert. Aber vielleicht geht das schon zu weit und man muss mit einem Gegenwartsbezug beginnen, denn zwar feiert Frank Fischer den Dath’schen Traktat am 6. Januar, jedoch stammt jener bereits vom April 2006 und bezieht sich auf ein Musikstück, dass noch viel älter ist.

Also: “Gas-Like Odor Permeates Parts of New York City,” schreiben Christine Hauser und Sewell Chan am 8. Januar in der New York Times: “The smell was reported from midtown to Battery Park City, and strong odors were reported in Jersey City.” Behörden versuchten an jenem Tag den Beschwerden vieler Einwohner New Yorks nachzugehen, die sich auf einen penetranten faulgasähnlichen Geruch in der Stadt bezogen. Faulgas (natural gas), das ist vor allem Methan, aber eben auch Schwefelwasserstoff (schon einmal an faulen Eiern gerochen?). In der Natur entsteht dieses Gas, von anaerob lebenden Bakterien gebildet, in stehenden Gewässern und Sümpfen, weshalb es auch Sumpfgas genannt wird. Es wird aber auch im Darm von Tieren und Menschen und im Pansen von Wiederkäuern erzeugt. Wie dem auch sei, roch es in New York nach Sumpf, Faulturm, Kuhrülps, Fleischfurz oder eben nach Faulgas. Angestellte wurden aus Bürogebäuden evakuiert, Belüftungsanlagen ausgeschaltet, Schulen geschlossen, doch die Quelle des Gestanks blieb unklar, wie so oft: “Mysterious odors come and go in the New York City area, sometimes never identified.” (Mehr zur “Gas Mystery”.)

Letztendlich bleibt die Erinnerung an Ausscheidungen ganz generell unheimlich, weil Ausscheidung, Verstoffwechslung unheimlich ist–viel zu direkt sensuell körperlich. Deswegen die Reaktionen. Im selben Moment in dem die Meldung über den bestialischen Gestank in New York durch die Medien kreiselt und sich Journalisten fragen, wie sie diese unhaltbaren Zustände in den audio-visuellen Medien darstellen sollen, stolper ich über den Bristol Stoll Chart, ein Diagramm zur Kategorisierung von menschlichem Kot. Sehr interessant, ermöglicht dieses Diagramm doch eine differenziert standardisierte Beschreibung menschlichen Fäzes. Lustigerweise wird diese Kategorisierung in Bristol weder vom United Bristol Healthcare NHS Trust noch vom North Bristol NHS Trust benutzt. Ob die Einordnungen in Deutschland üblich sind, ist mir unbekannt.

Doch zurück zum “teils weißen und teils nicht ganz so weißen Schmuddel-HipHop aus Berlin,” wie Dath ihn nennt. Dem Literazisten ist an einer Analyse (es kalauert!) dieser populärkulturellen Erscheinung gelegen. Ganz klassisch steckt der Schmuddel-HipHop seinen Claim mittels “archetypischer” Verfahren ab: Man suche sich einen Punkt in der Mitte zwischen Spießer und Perversem und erstürme ihn, offene Türen einreißend. Diesen Zugang zum Analen gliedert Dath in die Geschmacksnoten “ganz schlecht,” “etwas besser,” “noch besser” und “am besten.” Wie er das genau tut, und wie man am Ende doch “heavily into urine and excrement” landet, lese man jetzt wirklich bei Dath selbst, der seine Betrachtungen in veränderter Form auch in dem Buch Sauerei Moderne veröffentlichen möchte. Hoffentlich streicht er den alles wieder vereinenden letzten Schmus-Absatz.

Tod und er

Jetzt ist er gestorben, der Joachim Fest. Aber wie ist das eigentlich bei großen Biographen? Wer schreibt ihre Biographie? Über James Boswell gab es wohl erst einmal kein großes Werk. Klar, schließlich hatte er sein Leben auch mit Johnson gelebt und auch anderweitig sich selbst in seine Biographie einfließen lassen. Ob Joachim Fest jetzt in seiner Hitler- oder in seiner Speer-Biographie steht? Im Gegensatz zu Boswell hat er eine richtige Autobiographie vorgelegt. Von diesem tauchten in den 1920er Jahren lediglich die Tagebücher auf, die später veröffentlicht wurden. Wie dem auch sei. Wer zur Fest’schen Speer-Lesung am 17. März 2005 in der Albertina war, wird sich gut an ihn erinnern (nicht nur, weil eine Fotografie des Publikums auf dem Leipzig-Liest-Programm 2006 auftauchte) und wissen wie schlecht man doch auf den Stühlen der Universitätsbibliothek sitzen kann. Vielen Dank Herr Fest für diesen schönen Abend!

“Im Alter von 91 Jahren starb am Sonntagmittag (03…


“Im Alter von 91 Jahren starb am Sonntagmittag (03. September 2006) die Schauspielerin Annemarie Wendl an den Folgen eines Herzversagens in ihrer Münchner Wohnung. Dies gab die Familie am Montagnachmittag bekannt. Annemarie Wendl gehörte seit dem Start der ARD-Serie ‘Lindenstraße’ im Jahre 1985 zum Ensemble der Dauerserie und verkörperte fast 21 Jahre lang die Rolle der Else Kling.”
[hier Bild hier]

Zwar bin ich kein Fan der Lindenstraße, zählte Frau Wendl aber doch zum TV-Urgestein der Republik. ‘Else Kling’ sagte doch allen was. Schade: Keine neuen Witze mehr über fiese alte Nachbarsweiber oder Dinge, die schee machen…

“Mei Serie hätten S’ mi scho zu Ende schaun lassen kinna. Jetzt weiß i gar nimmer, wie’s ausgeht!”
“Aber ich weiß es, Else. Es geht gut aus.”
“Dann bin i froh. Mei, dann bin i froh.” [hier]

Ciao Annemarie Wendl!

Das Reich hockt in seinem Bunker


Magdeburg ist eine Stadt in Deutschland. Sie ist die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt und die flächengrößte Stadt sowie eines der drei Oberzentren dieses Bundeslandes. Magdeburg ist sowohl katholischer als auch evangelischer Bischofssitz und Standort zweier Hochschulen: der Otto-von-Guericke-Universität und der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH).

Die Stadt liegt an der Elbe und am Rand der Magdeburger Börde auf altem Kulturboden. Im Jahr 2005 feierte sie ihr 1200-jähriges Bestehen.
[wikipedia]

Soweit Wikipedia. In Magdeburg liegt auch Otto der Große. Ansonsten ist dort entweder Safari (jeder trägt beige oder eine ähnliche Unfarbe) oder DDR (hat sich aber ganz schön entwickelt, mein Geburtsland, in den letzten 16 Jahren: vgl. Video).

Oh, und dann ist da noch eine ganz furchtbare Ausstellung zum “Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen“. Diese Ausstellung findet in einem Bunker statt. Es wimmelt von tollen Exponaten, aber ständig tritt einem einer der anderen Besucher auf den Zeh, rammt einem die Tür in den Rücken (wenn man versucht die am Boden befestigten Beschriftungen im Dämmerlicht zu entziffern) oder stinkt einfach so. Ist nicht leicht im Bunker. Einen Kurator scheint es auch nicht zu geben, oder er kommt wirklich aus der Zeit der aktiven Bunker im Reich…

Ein Held unserer Zeit: Gregori Perelman. Er hat di…

[Bild]Ein Held unserer Zeit: Gregori Perelman. Er hat die Poincaré-Vermutung bewiesen. Er hat die Fields-Medaille nicht persönlich angenommen und zeigt damit, dass Wissenschaft mehr ist als Drittmittelakquise und die Jagd nach neuen Einnahmequellen. Es scheint ihm lediglich um die Sache an sich zu gehen. Wird doch immer gesagt, dass Wissenschaft seit geraumer Zeit nicht mehr die Angelegenheit verschrobener Genies sei sondern ein kollaboratives Projekt, beweist er doch das Gegenteil. Da hat der Elmar Schenkel mit seinem Buch Die elektrische Himmelsleiter: Exzentriker in den Wissenschaften Recht und seine Rezensenten wie Jürgen Kaube Unrecht: Wissenschaft kann eben doch von visionären Einzelgängern getragen werden, nicht nur von kognitiven Gemeinschaften.

What does one do with laptops and mobiles now? And…

What does one do with laptops and mobiles now? And does one really have to pay for a glass of tap water on low cost carrierst these days?

Altersdurchschnitt 70 1/4 Jahre: Das literarische Quartett spricht über Bert Brecht

Hat Hellmuth Karasek (72) schon immer so heftig gestikuliert? Sah Marcel Reich-Ranicki (86) schon immer zu zusammengefallen aus? Mein Gott! Ich glaube, man sollte schon einmal Nachrufe schreiben. Und sie reden über Brecht, der so jung ist. Brecht ist doch Jugendliteratur! Die Show der lebenden Literaturleichen im ZDF. Da tun sich ja Abgründe auf. Oder besser: Passt sich das ZDF wieder seiner Altersgruppe an? Wenn schon Iris Radisch (47) schulmeisterlich für ihr auswendig gelerntes Wissen (Anzahl der Dramen Brechts etc.) gelobt wird… Peter Rühmkorf (76) sagt zum Glück nicht mehr viel–manchmal singt er. Notwendigerweise sendet das ZDF diese Tales from the Literary Crypt nach elf, denn diese gegenseitige längst impotente Verbalmasturbation (mit Iris als mädchenhafte Voyeurin) ist wohl wirklich nur etwas für Leute über sechzehn.

Felix Johannes Krömer über Bruce Willis und braune Brause

Vor der herkömmlichen Süßstoffbrause schrecken die meisten Männer offenbar zurück. Kein Wunder: Sie hat ein Image zwischen Weight-Watchers-Damenkränzchen und Kokshinterzimmer bei den Mailänder Modenschauen. Der Zusatz „light“ klingt nach Halbfettmargarine, Spaghettitop und rosa Handtäschchen. höchstens Prosecco-Tunten in Szenecafés sagen: „Ich hätt’ gerne eine Cola light.“ Unvorstellbar, daß ein echter Hetero-Macker, sei er noch so diätbedürftig, diesen Wunsch in der homophoben Eckkneipe seiner Wahl äußert. Dagegen „Coke zero“! Das klingt nach Bruce Willis, der, das Unterhemd verschwitzt und besudelt von Terroristenblut, am Tresen einer Kaschemme lehnt und mit heiserer Stimme knurrt: „Eine Zero!“ Dieses Zeug, so die Botschaft, ist nichts für Frauen und Warmduscher, es ist hart, ehrlich, kompromißlos: „zero tolerance“. Seltsam, daß Coca-Cola nicht an den Originaltitel von Bruce Willis’ Action-Reißer „Stirb langsam“ gedacht hat: „Die hard – Coke zero“. Das wäre doch ein bärenstarker Werbespruch. [FAZ 2.8.2006, 36]

Jan Wagner und der Bär gehen durch das Land / Wortfeld

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