Zuerst muss man feststellen, dass Kamera und Schauspieler grandios sind. In der Tat hat Michal Hanfeld in seiner FAZ-Besprechung in dem einen Punkt Recht, dann nämlich, wenn er schreibt, dass die Situiertheit der Jugendlichen glaubwürdig dargestellt wird. Das ist Klasse und auch selten gesehen im deutschen Fernsehen. Aber: Die Narration in diesem Filmtext und die Konsequenzen erschüttern mich.
Sobald die Schulfreunde das Video gesehen haben, hätte der Film enden sollen, denn der Rest ist klar. Dass sich Jakob Moormann das Leben nehmen wird, weiß man aus Besprechungen oder aus dem Fernsehprogramm. Die Frage ist nur: Wie? Also kann man sich fragen, warum der Zuschauer den ganzen Film über dabei bleiben soll (ich habe es nicht geschafft), wenn der Plot so vorhersagbar ist. Entweder der Zuschauer bleibt dabei, weil er 1.) den 15-Jährigen noch einmal beim Wichsen beobachten möchte, oder weil er 2.) genießen möchte, wie genau er denn von seinen Mitschülern gequält wird, oder 3.) wie genau er sich denn umbringen wird. Alle diese möglichen Gründe–die Wie-Spannung–sind irgendwie eklig und verachtenswert, wie ich glaube.
Als Aufklärungs- und Schockfilm für die prädigitalen Generationen mag Homevideo vielleicht funktionieren. Über die Idee der Abschreckung mittels audiovisuellen Medien sollten wir allerdings schon hinaus sein. Was bleibt? Hoffentlich wird kein Lehrer, von der positiven Kritik beflügelt, den Film in der vorgesehenen Cyber-Mobbing-Stunde einsetzten, damit sich Schüler an der Gewalt am Opfer ergötzen können. (Nebenbei: Seit wann darf das Wichs-Video eines Fünfzehnjährigen im Fernsehen gezeigt werden?)
Nur nebenbei firmiert der Film in der IMDB unter den Tags: “Masturbation | First Love | Videocam | School | Suicide…”.
Fragen und Diskussion offen…

Es ist mir vollkommen rätselhaft, wie die öffentlich-rechtlichen 
