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Category Archives: Deutschland

Waage Marisa oder: Sie wurden bedient…

…von wem, steht nicht auf dem Kassenzettel. Ist auch egal, denn besonders bemerkenswert waren lediglich die Unpersönlichkeit und die schlechten Manieren der Verkäuferin. Das ist mir natürlich nur aufgefallen, weil ich 1.) überempfindlich (Jetzt hab dich doch nicht so!) bin und mich 2.) einmal bewusst dafür entschieden habe, einmal nicht online zu kaufen, obwohl das meist billiger und viel bequemer ist. Ja, ich habe mir so gedacht, dass man doch einmal die Kaufhäuser unterstützen müsse. Außerdem bieten die doch persönliche Beratung. Aber denkste!

Naja, egal. Irgendwie dann doch meine (Ich habe mir für 24.95€ bei der Galeria Kaufhof eine Personenwaage gekauft, weil meine alte Ikea-Waage schon vor geraumer Zeit die Hufe hoch gemacht hatte.) Waage zur Kasse und hatte zumindest dort auf einen angenehmen Verkäuferkontakt (Herzlichen Dank, dass Sie bei uns gekauft haben, und mir damit einen Teil meines Lohns und meinem Sohn die neue Spielkonsole… Oder so.) gewartet. Aber nein! Kundin vor mir. Das ist okay. Man unterhält sich über die Materialeigenschaften von Espressotassen. Das ist wichtig. Beratungsgespräche müssen eben–weil sonst niemand dort durch die Gänge schleicht–an der Kasse durchgeführt werden. Dann ich an der Reihe. Die Verkäuferin sieht mich nicht an. Ich grüße sie. Sie reagiert nicht. Nachdem sie den Barcode der Waage eingelesen hat, nennt Sie mir den Preis. Ohne “Bitte”. Noch nicht einmal ein “Das wären dann…”. Nein. Nur den Preis. Ohne Euro. Keinen vollständigen Satz bin ich dieser Frau wert. Ich kaufe mir aus ideologischen Gründen ein vollkommen überflüssiges Produkt im falschen Laden (bei Karstadt kostet dieselbe Waage übrigens nur 19€ (später herausgefunden)), hoffe auf das, was diese Warenhäuser überhaupt am besten können sollten–weshalb sie überhaupt nur überleben könnten (von der Feinkost-Abteilung abgesehen): Beratung (is nich), einen netten menschlichen Kontakt…

- 24,95

Ich hole meine Karte raus, gebe sie der Verkäuferin. Sie zieht sie durch die Maschine und wirft (!) mir einen Stift hin. Den Zettel zum Unterschreiben liefert sie kurz darauf. Kein Wort. Ich werde langsam ein bisschen sauer, unterschreibe, und produziere ein deutlich hörbares “Bitteschön”, als ich ihr Zettel und Stift rüberschiebe.

- (An der Stelle kann man sich zirpende Grillen oder durch den Laden rollendes Wüstengras vorstellen.) Sie sagt: Nichts. Gar nichts. Sie packt die Waare in eine Tüte (ich stehe mit meinem geöffneten Rucksack an der Kasse) und schiebt sie mir rüber. Meine Karte klatscht sie mir auch hin.

- Dankeschön!

- (Wieder Wüstengras, Grillen, etc.) Ich nehme meine Tüte und verabschiede mich. Während ich die ersten Schritte laufe, merke ich, wie ich leicht den Kopf schüttle. (Ein erschreckendes Zeichen des Älter- oder Verrücktwerdens.) Sie muss aufgesehen haben, das Schütteln gesehen, den schockierten Unterton in meiner Stimme wahrgenommen haben. Ein leises “Wiedersehen” schiebt sie dann doch noch hinterher.

Ich bin mir unsicher, ob sie das wirklich möchte, was sie da macht, diese Kassiererin.

Eigentlich glaube ich, mag sie gar nicht Menschen abkassieren. Sie ist eine Beraterin. Dazu ist sie geboren: Leuten zu erklären, wie man Klebchen von neu gekauften Steingutespressotässchen ab bekommt. Erst in die Spülmaschine. Dann geht das ganz leicht (Wir haben das früher mit Butter gemacht)… Eigentlich glaube ich auch, dass die Galeria Kaufhof heute um 12.34 Uhr total versagt hat. Wenn ich mir die nächste Personenwaage kaufe (wenn diese nicht binnen kürzester Zeit unter meiner Masse in tausend Teile zerspringt), hoffe ich, dass es Warenhäuser mit blöden Verkäuferinnen, die unfreundlich sind, die keine Beratung bieten (oder wenn, dann im falschen Moment), Warenhäuser mit überhöhten Preisen … dass es also diese Warenhäuser nicht mehr gibt. Geschlossen sollten sie werden, und alle Leute entlassen. Aus den frei gewordenen Räumen könnte man Spielzimmer machen, und Rheinland-Pfalz kann aus dem kostenlosen Kindergartenangebot ab 2 Jahren eine kostenlose Rundumbetreuung ab 0,5 Jahren machen mit In-Door-Spielplätzen in den Innenstädten.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich die Waage gleich wieder umtausche. Ist das normal, dass die, je nachdem, auf welcher Unterlage und wie und je nachdem, wie man genau auf der Waage steht unterschiedliche Ergebnisse liefert (Eine Spanne von ganzen 3 kg! Die Fett-Anteil-Messung allerdings kommt immer auf 10,2%.)? Vielleicht bringe ich sie morgen zurück. Werde sagen, dass der Kauf ein Irrtum war. Ein großer. So wie das ganze Kaufhaus einer ist.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Warum nicht einfach freie Inhalte?

Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).Es ist mir vollkommen rätselhaft, wie die öffentlich-rechtlichen MurksProduzenten ständig über das Verweildauerkonzept für Inhalte im Netz jammern können aber nicht auf die Idee kommen, Content einfach unter CC-Lizenz (oder ähnlichem (z. B. einer Lizenz für Gebührenzahler)) zu produzieren und den Rundfunktteilnehmern die Verbreitung zu überlassen. Bisher werden Angebote über antiquierte und auch widersinnige urheberrechtliche Beschränkungen (warum sollten öffentlich-rechtlich produzierte Inhalte überhaupt urheberrechtlich geschützt werden?) von der freien Verbreitung ausgeschlossen. Auch Menschen, die mit ihren Gebühren für die Produktion der Inhalte zahlen, haben letztlich keine Rechte daran. Es ist absurd. Gleichzeitig klagen die Produzenten jetzt darüber, dass durch das Verweildauerkonzept die Inhalte im Netz verloren gingen. Dabei waren sie es doch, die sich bewusst gegen eine Freigabe ihrer Inhalte entschieden haben. (Ich habe das Copyright-Zeichen aus dem Fernsehen gelernt.) Mir tun sie gar nicht Leid. Übrigens auch deswegen nicht, weil in Deutschland mit wahnsinnigen Gebührengeldmengen m. E. vor allem minderwertiger Mist produziert wird–ganz im Gegensatz übrigens zu überlegenen Anstalten wie der BBC. Wahrscheinlich liegt das am System oder am Selbstverständnis.

So, jetzt stelle man sich einmal vor, die Öffentlich-Rechtlichen würden unter CC-Lizenz publizieren, die Menschen könnten Inhalte speichern und weiterverbreiten! Plötzlich wäre es nicht mehr der Rundfunkrat oder der Intendant oder der Chefredakteur oder wer auch immer, der entschiede welche Beiträge wie im Netz aufrufbar blieben (unter Einhaltung der gesetzlichen Maximalverweildauer). Nein! Plötzlich wären es die Konsumenten, die Finanziers der Rundfunkanstalten. Was passierte denn dann, wenn das Steckenpferd eines Intendanten von niemandem gespeichert und angeboten würde? Hui! Plötzlich gäbe es eine Konkurrenzsituation! Das können viele Entscheidungsträger in den Anstalten nicht wollen. … Mal schauen, was sich da in der nächsten Zeit tut (ich glaube nicht, dass die sich wirklich rühren)! Vorerst freue ich mich, wenn ich für die Archivierung des über die Jahren produzierten Drecks nicht noch einmal zahlen muss.

[Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).]

Zensursula als Präsidentin? Nur prophylaktisch…

…möchte ich mich bereits jetzt distanzieren.

Die Rede des Aristo… ähem, der Hedwig… – Happy IDAHO!

Schon einmal auf die Rede des Aristophanes verwiesen. Hier zwar eine Vergewaltigung des Originaltexts aber trotzdem schön. Und da heute IDAHO ist, passt die Geschichte besonders gut.

“The Origin of Love” aus Hedwig and the Angry Inch (Dir. John Cameron Mitchell, New Line Cinema, Fine Line Features, 2001). Rufus hat auch seine Fassung:

Bahn fördert auch 2010 wieder Kunst am Bahnhof

Es scheint sich um ein längerfristiges Engagement der Bahn für die Kunst zu handeln. Auf dem Leipziger Hauptbahnhof hat der geförderte Künstler, dessen Werke in der Westhalle installiert werden eine weitere Schaffensphase erreicht. Hatte er 2006 noch mit roten Eimern und Kleinstabsperrungen experimentiert, hatten sich bis 2009 lediglich Form und Farbe der Eimer geändert. Auch der Ort der Installation und der Umfang der Absperrungen waren präsenter geworden.

[Eimerkunst im September 2006. Ausstellungsort damals noch im Durchgang von der Shopping Mall in die Westhalle. / (c)]

(Eimerkunst im September 2006. Ausstellungsort damals noch im Durchgang von der Shopping Mall in die Westhalle. / (c))

(Auch Touristen reisten damals schon an, um die Ausstellung des Künstlers zu besuchen.)

(Auch Touristen reisten damals schon an, um die Ausstellung des Künstlers zu besuchen.)

(Januar 2009. Die Ausstellung findet direkt in der geräumigeren Westhalle des Bahnhofs statt: Der Ritterschlag für den Künstler.)

(Januar 2009. Die Ausstellung findet direkt in der geräumigeren Westhalle des Bahnhofs statt: Der Ritterschlag für den Künstler.)

Nun, 2010, ist der Künstler aus der Eimer-Phase in die Lappen-Phase übergetreten. Die Eimer sind in künstlerischer Reduktion ganz verschwunden. Organischer wirkende Wischlappen führen einen Tanz um eine benetzte Fläche aus.

(März 2010. Dass die aktuellen Ausstellungen wieder Kunstfreunde nach Leipzig pilgern lassen, ist wohl zu erwarten.)

(März 2010. Dass die aktuellen Ausstellungen wieder Kunstfreunde nach Leipzig pilgern lassen, ist wohl zu erwarten.)

Wie dürfen gespannt auf die nächsten Schaffensjahre sein. Man kann nur hoffen, dass die Bahn ihr bisher ungebrochenes Engagement für Gegenwartskunst fortsetzt. Vielleicht werden auch die trantütigen Feuilletonisten endlich verstehen, das die Baumwollspinnerei im direkten Vergleich mit dem Hauptbahnhof abkackt wie Sau.

Rheinschwäne Mannheim

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[(c), 2010, Horatiorama]

Mann, tun mir die Füße weh…: Berufskrankheiten bei Polizisten

[via]

How I Met Your FDP

Jetzt mal ganz ehrlich! Sehe nur ich eine gewisse Ähnlichkeit, oder könnte Christian Lindner, der neue Generalsekretär der FDP (der übrigens jünger als ich ist, was man ihm nicht unbedingt ansieht), zumindest physiognomisch ein Bruder von Neil Patrick Harris sein?

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[Fotos | Lindner: Tulipana (Wikimedia Commons), Public Domain; S[1] (Wikimedia Commons), CC-Lizenz (cc-by-sa 3.0) | Harris: Greg in Hollywood (Greg Hernandez) und Kristin Dos Santos (beide Wikimedia Commons), beide unter CC-Lizenz (cc-by-sa 2.0)]

Also, was sagst du?

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For a Safer Internet – Cleanternet

Cleanternet is a campaign to support European Commissioner Cecilia “Censilia” Malmström in her plans to introduce a website blocking system in Europe.

Oh, if you want to support our common cause, think about it and spread the word.

[By Alexander Lehmann. Posted for those who do not read the via--everybody does, though. No?]

Pädokriminell

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Nimmt ja kein Wunder, dass das Thema so beliebt ist, so bei 20% schwer Pädokriminellen, die sich da im Netz tummeln.

Fällt mir noch der Begriff der “digital natives” ein. Vielleicht sind die Mengen gar deckungsgleich… “[G]eschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft”, … könnte passen. ;-)

You’re here: Error Page … Well, for sure you are.

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[Screenshot w/ Bundeswehr Site]

Die Katholische Kirche – Stephen Fry bei The Intelligence² Debate

Man muss was sagen an einem Tag, an dem Leute wie Walter Mixa – den ich, wie Joseph Ratzinger, für einen großen geistigen Brandstifter halte – die “Wahrheit” m. E. ganz bewusst verdrehen. Ich sage es mit dem grandiosen Stephen Fry, denn besser als er kann man das wohl nicht ausdrücken. Unbedingte Videoempfehlung.

[Info zum Rahmen der Rede]

Audimax-Besetzung Landau–Retrospektive

Hatte noch gar nicht meine Impressionen von der Audimax-Besetzung aus Landau gepostet. (Das fiel mir ein, als ich heute in der Regionalzeitung von der Uni Trier las.) In der Erinnerung gab es dort mehr Aushänge mit der Aufforderung zur Sauberkeit und Hinweisen zur Müllbeseitigung im besetzen Hörsaal als bildungspolitische Forderungen. Echt weird. Ich zitiere aus dem Gedächtnis (aus Trier): “Was ist das denn überhaupt für ein handzahmer Protest?” So einer eben.

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PS: Cool eigentlich, wenn man sich Handtücher, oder meterweise Schals und Jacken sparen kann. Ein Zettel tut es auch und sieht so viel ordentlicher aus.

Strobolotl

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[Quelle: Screenshot Amazon.de]

Ob der Blogger vielleicht Hegemanns Vater sei? *lol* Wäre fjeden kreativer und billiger als sich z. B. bei Thalia eine Platzierung zu “kaufen”… Trotzdem schuftig von Schmidt, das Original von Airen beim grandiosen SuKuLTuR-Verlag nicht zu erwähnen. Wer es lesen möchte, kann sich das Buch übrigens dort bestellen (oder auch in jeder Buchhandlung). 17 € plus Versand.

Lustig das Bekenntnis von 374 Schriftstellern beim Literatur-Café: “Wir haben abgeschrieben!“. +++ Ach, und das Interview mit dem bestohlenen Schriftsteller bei der FAZ.

Update 2010-02-12:

Danksagung: Ich sage “Danke!” und zwar dem hier.

GDR, Basically…

…even if the shape looks somehow ungainly.

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Merkel zu Finanzminister Schäuble

Es gibt noch richtige Journalisten, auch auf Pressekonferenzen in Deutschland–eine gute Nachricht. Das ist auch ein Vorteil der europäischen Integration. Vielleicht klappt die induzierte Selbstzensur mit ausländischen Medien noch nicht so gut…

Zur hässlichsten Seite der Kanzlerin (nein, es ist nicht der Achselalarm bei Eierschaukeleiveranstaltungen in der frankischen Provinz) kann man wohl nichts hinzufügen. Merkel offenbart sich selbst, indem sie vermeintlich wenig sagt.

Die CDU-Spendenaffäre ist übrigens der Hintergrund der Frage des Journalisten.

Feridun Zaimo?lu liest in Trier aus seinem aktuellen Roman “Hinterland”

Ich gebe ja zu, dass ich normalerweise Probleme hätte, mich 450 Seiten bildreicher Prosa hinzugeben. Zu lang. Nicht zeitgemäß. Wahrscheinlich ist das doof. Denn: Bewegt mich der Text, dann atme ich ihn und atme ihn ein und aus, bis er aufgebraucht ist. Und wenn ich merke, was für ein kostbarer Schatz er ist, dann atme ich sogar langsamer und fürchte das Ende des Buchs.

Feridun Zaimo?lu hat vorgestern auf Einladung des Multikulturellen Zentrums in der Tufa in Trier gelesen. Fast eine Stunde. In der Zeit hat er gerade einmal zwanzig Seiten des Romans geschafft. Er hat sich Zeit gelassen, denn der Text hetzt nicht teleologisch zu irgendeinem Finale, sondern feiert das Leben, die Liebe, die Verrücktheiten des Alltags, die Blicke und Anblicke. Man sieht als Leser ondulierte Haarspitzen, die wie abgeschnittene Locken auf Schultern liegen. Man lernt den Unterschied zwischen Schustern und Schuhmachern. Man sieht, wie Leute über zusammengeknüllte nasse Zeitungen stolpern, wie Himbeergeist die Psyche vernebelt. Man riecht und spürt die Seele Prags, die Stimmung eines alten Hauses im Wald. Man fühlt–das ist besonders wichtig–die kleinen magischen Momente in den Leben anderer, die Momente, in denen plötzlich, in all dem Elend und der Traurigkeit, eine Hoffnung, ein Gefühl der Liebe aufkeimt.

Feridun Zaimu?lu im Stuhlkreis vor der Diskussion seines Buchs in der Tufa in Trier.

Feridun Zaimu?lu im Stuhlkreis vor der Diskussion seines Buchs in der Tufa in Trier.

Man kann das leicht als Schmus abtun. Die Welt sei nicht so. Wir seien alle aufgeklärt, rational. Wir haben eine Karriere und zeigen keine Emotionen weil wir keine haben. Naja, zynisch darf man manchmal sein. Es weint kein einsamer aufgeklärter Mensch nachts in sein Kissen. Es ertränkt kein aufgeklärter Mensch sein Elend im Himbeergeist. Es gibt keine Zwerge. Es gibt keine Liebe. Es gibt kein Glück, weil es sowieso nicht halten würde.

Feridun Zaimoglu ist ein geiler Typ. Er sieht die Schönheit und die Liebe. Er ist romantisch. Die Phrase, nach der die Welt romantisiert werden müsse, schmettert er nicht ab–stimmt ihr auch nicht zu. Warum auch? Die Welt ist schon romantisch. Da gab es z. B. diesen alten Schlägertypen, den er von der Straße kennt, und der in einer Lesung plötzlich vor ihm sitzt und ihm danach erklärt, dass er sich verliebt habe und dabei schmalzige Bilder verwendet, die er sonst als total schwul bezeichnen würde. Die Welt ist romantisch. Da gibt es die Leute, die Zwerge sehen, mit ihnen sprechen. Oder mit Hunden und Katzen. Leute, die sich Clowns auf Schaukeln in das Wohnzimmer hängen, damit sie weniger allein sind. Eigentlich sollten es fast alle Menschen sein, die ein kleines Glück, einen Funken Liebe–ab und zu–in sich spüren. Da sind die beiden obdachlosen Frauen, die ich vor der Tanke herumlungern sehe. Sie haben sehr schlechte Zähne, trinken zu viel, ihre Geschichte ist das beste was sie zu haben scheinen. Aber dann sehe ich, wie sie sich plötzlich küssen. So richtig, mit Zunge, und sich umarmen, festhalten … einen Moment des Glücks im scheinbaren Elend finden (“Und wenn ich solche Leute zeige, sagt ihr mir, ich spinne; die gibt es nicht.”). Es gibt auch die Leute, die vor lauter Aufgeregtheit ständig auf Toilette gehen und verrückte Sachen machen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihren Gefühlen.

Wenn Zaimoglu nun diese Leute und ihr Innenleben in grandiose Bilder übersetzt, dann geraten die Zyniker in Abwehrhaltung. Sie verstehen nicht, weil es nicht rational ist, und man doch rational tun soll. Vielleicht denken sie sogar, dass sie rational seien. Vielleicht sind sie sogar rational. Also: tot. Wer weiß?

Nach der Lesung stellt sich Zaimo?lu den Fragen der Zuhörer und Leser. Eine Frau mit Notizblock, die ich für eine Buchhändlerin halte, die aber wohl eher für eine Zeitung arbeitet, wie man mir später erzählt, beklagt, dass sie verwirrt sei, keinen roten Faden in der Geschichte sehe. Zaimo?lu hatte–wie gesagt–20 von 450 Seiten gelesen. Die Art wie sie sich beklagt (ich glaube–bin mir aber nicht sicher–, sie hat die Rezension für die Lokalzeitung geschrieben) macht mir Sorgen. Ich denke mir: “Buchhändlerin, unzufrieden, weiß nicht recht, versteht nicht, will verstehen, nicht fühlen”. Ein anderer denkt: “Frau, ich möchte dir in die Fresse hauen. … Hast du je etwas gefühlt? Bist du schon ganz tot?”

Zaimo?lu gibt eine nette Antwort (Die Frau nickt einem Begleiter zu. “Dem habe ich’s aber gezeigt”, scheint sie ihm zu sagen.). Er verliert eher einen Wortwechsel, als einen Besucher bloß zu stellen–das wäre sehr einfach gewesen. Vielleicht liegt es an der guten Kinderstube. Vielleicht ist das eine Bedingung für erfolgreiche Lesereisen. Es gibt Autoren, die an bestimmten Orten nicht mehr auftreten dürfen, weil sie in Diskussionen billige Triumphe über blöde Zuhörer gefeiert haben…

Nach der Lesung, Diskussion und dem Signieren von Büchern geht Zaimo?lu mit ein paar Leuten in eine Trierer Kneipe. Auch dort geht die Diskussion weiter. Sehr ehrlich, sehr interessant, manchmal sachlich, aber meist ehrlich (!). Ein wahnsinnig interessanter und bereichernder Abend.

Traurig ist nicht nur, dass es so viele tote Menschen zu geben scheint. Traurig ist auch–für Trier–, dass es nicht mehr Interesse an hochkarätiger und überwältigend guter und schöner deutsche Gegenwartsliteratur gibt. Die Lokalzeitung hatte im Vorfeld nur ein paar Zeilen für die Veranstaltung übrig und berichtete lieber über Asterix und Obelix. Dabei gäbe es doch gerade in Trier so viel über Zaimo?lu zu schreiben. Hier wurde er einmal aus seiner eigenen Lesung (in einer Schule) geschmissen… Aber vielleicht hat der Trierische Volksfreund einfach nur die Pressemappe versemmelt. Wer kann das schon sagen?

Ich freue mich auf die nächste Buchmesse, wo ich Feridun Zaimo?lu bestimmt wieder hören werde. Ich freue mich auf die Lektüre seiner Texte. Ich freue mich, dass ich einen so schönen Abend mit deutscher Literatur und mit einem ehrlichen, lebendigen und wahnsinnig sympathischen Autor haben durfte, der einen tatsächlich nicht dumm wirken lässt, wenn man doch noch etwas empfindet…

Feridun Zaimoglu, Hinterland (Köln: Kiepenheuer, 2009). 442 Seiten, 19,95€.

Homophobe Schmiererei kann wohl kein Qualitätsjournalismus sein

Philipp Gut hat in einer Zeitung eine m. E. homophobe Schmähschrift veröffentlichen dürfen. Das ist nicht nur peinlich für die Zeitung sondern auch an sich ein skandalöser Vorgang. Während manche das Thema aufgreifen ohne Stellung dazu zu beziehen, kocht in vernünftigeren und demokratischeren Medien die Empörung hoch. Mario Sixtus erkennt in Guts “Sud aus Gift, Hysterie und Dumpfheit” das Versagen des Journalismus der alten Medien. Ich wollte mich an dieser Stelle auch genauer mit dem Text Guts beschäftigen, muss es aber gar nicht mehr, wenn ich auf Stefan Niggemeiers sehr richtige Analyse verlinke. Bleibt mir nur, ein paar Pfuis auszusprechen: Pfui, Herr Ruf! Pfui, Weltwoche! Pfui, Welt Online!

Aktion: The Fabulous Tea Klatch

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Und damit das nur gleich klar ist: Wir können auch gerne mal außerhalb einer Pressekonferenz fabelhaft auch uns zum Tee treffen und dann sprechen wir nur Englisch.

Für mich klingt das nach Kaffee-/Teekränzchen. Deswegen die Idee: Lasst uns doch alle am Wochenende Kränzchen abhalten, bei denen nur Englisch gesprochen wird!

Kosmopolit Westerwelle: “Es ist Deutschland hier”

Wie hat Manniac sehr richtig getwittert? “FDP- und CDU-Wähler, fühlt Euch herzlich ins Gesicht geschissen. 4 Jahre lang. :) ”. Warum? Dazu als Vorgeschmack schon einmal der zukünftige Außenminister: Es ist Deutschland hier, du Scheiß-Paki.