Rechts vor links oder “Du bist der Radfahrer, du musst die Augen aufmachen”

Nach einem Beinahezusammenstoß auf dem Parkplatz am Augustinerhof in Trier (Einfahrt Lorenz-Kellner-Straße) kurbelt der Beifahrer das Fenster runter. Zwei junge Männer, an sich vernünftig wirkend, ruhig. Ob ich sie nicht gesehen hätte? Zu erklären, dass ich angenommen hatte, dass sie halten würden und dass ich auch keinen Bock darauf habe, in dieser Stadt als Radfahrer ständig geschnitten zu werden und deswegen tendenziell immer länger überlege, mir die Vorfahrt zu erzwingen…; all das hätte zu lange gedauert. Ich spiegle ihre Frage und möchte wissen, ob sie mich denn nicht gesehen hätten? Keine Antwort. Aber die symptomatische Aussage: “Du bist der Radfahrer. Du musst die Augen aufmachen.” Argumente (rechts vor links, auch bei Fahrzeugen, die keine Autos oder LKWs sind) scheinen bei dieser Einstellung nicht mehr zu helfen. Ich entschuldige mich also und hoffe im Geheimen, dass die Erfahrung einer Beinahekollision sie in Zukunft ein wenig mehr Obacht geben lässt. Hätte ich–im Wissen um die de facto Rechtelosigkeit von Radfahrern in dieser Stadt–früher bremsen sollen? Sollte ich ein Exemplar der Straßenverkehrsordnung zum Verteilen mit mir führen? Ich weiß es nicht.

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