Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Warum nicht einfach freie Inhalte?

Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).Es ist mir vollkommen rätselhaft, wie die öffentlich-rechtlichen MurksProduzenten ständig über das Verweildauerkonzept für Inhalte im Netz jammern können aber nicht auf die Idee kommen, Content einfach unter CC-Lizenz (oder ähnlichem (z. B. einer Lizenz für Gebührenzahler)) zu produzieren und den Rundfunktteilnehmern die Verbreitung zu überlassen. Bisher werden Angebote über antiquierte und auch widersinnige urheberrechtliche Beschränkungen (warum sollten öffentlich-rechtlich produzierte Inhalte überhaupt urheberrechtlich geschützt werden?) von der freien Verbreitung ausgeschlossen. Auch Menschen, die mit ihren Gebühren für die Produktion der Inhalte zahlen, haben letztlich keine Rechte daran. Es ist absurd. Gleichzeitig klagen die Produzenten jetzt darüber, dass durch das Verweildauerkonzept die Inhalte im Netz verloren gingen. Dabei waren sie es doch, die sich bewusst gegen eine Freigabe ihrer Inhalte entschieden haben. (Ich habe das Copyright-Zeichen aus dem Fernsehen gelernt.) Mir tun sie gar nicht Leid. Übrigens auch deswegen nicht, weil in Deutschland mit wahnsinnigen Gebührengeldmengen m. E. vor allem minderwertiger Mist produziert wird–ganz im Gegensatz übrigens zu überlegenen Anstalten wie der BBC. Wahrscheinlich liegt das am System oder am Selbstverständnis.

So, jetzt stelle man sich einmal vor, die Öffentlich-Rechtlichen würden unter CC-Lizenz publizieren, die Menschen könnten Inhalte speichern und weiterverbreiten! Plötzlich wäre es nicht mehr der Rundfunkrat oder der Intendant oder der Chefredakteur oder wer auch immer, der entschiede welche Beiträge wie im Netz aufrufbar blieben (unter Einhaltung der gesetzlichen Maximalverweildauer). Nein! Plötzlich wären es die Konsumenten, die Finanziers der Rundfunkanstalten. Was passierte denn dann, wenn das Steckenpferd eines Intendanten von niemandem gespeichert und angeboten würde? Hui! Plötzlich gäbe es eine Konkurrenzsituation! Das können viele Entscheidungsträger in den Anstalten nicht wollen. … Mal schauen, was sich da in der nächsten Zeit tut (ich glaube nicht, dass die sich wirklich rühren)! Vorerst freue ich mich, wenn ich für die Archivierung des über die Jahren produzierten Drecks nicht noch einmal zahlen muss.

[Volksempfänger: Wikimedia-Commons-Nutzer KMJ, CC-Lizenz (BY-SA-3).]

2 thoughts on “Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Warum nicht einfach freie Inhalte?”

  1. Hallo!

    Nur was das Volk will, soll aufbewahrt werden (von wme auch immer). Das bedeutet doch: Die Quote zählt, es zählt, welche Inhalte dauerjaft ankommen.
    Quote kann meines Erachtens kein Kriterium für die öffentlich-rechtlichen Anstalten sein. Wenn Du das anders siehst, kannst Du Dir ja gerne RTL2 oder andere quotengeile Sender antun.

    Es ist im üübrigen schön, dass Du “Murks” durchgestrichen hast. Arte, Phönix oder Deutschlandfunk sind sicherlich nicht das, was man als “Murks” bezeichnen könnte – aber Du als alleswissender Superblogger weißt das bestimmt.

  2. @Thomas: Deinen unverschämten Seitenhieb lasse ich einmal unkommentiert. Davon abgesehen glaube ich, dass du mich nicht verstanden hast. Um Daten im Netz zu speichern brauchst du keine Quote/keine Massen. Es reicht einer (!), der die Sachen irgendwo hinlegt. Das sind häufig Menschen, die eine besondere Affinität zum Thema haben. Nach meiner Erfahrung machen sie das besonders sorgfältig, wenn es sehr spezifische, gute und relevante Angebote für wenige (also ganz das Gegenteil von quotenträchtigen Inhalten) sind. Die gute Aquariensendung, z. B., würde dann vielleicht von einem Aquarienverein archiviert (die kennen sich dann auch noch gut mit der Materie aus und sind mit anderen Aquarianern vernetzt). Aber eben nur die, die die entsprechende Zielgruppe/die Fachleute als wertvoll einschätzen (denen traue ich im Zweifelsfall mehr Kompetenz zu als der Redaktion für den gesamten Freizeit/Ratgeberteil einer Sendung XYZ). … Momentan ist es leider so, dass diese Sendung vielleicht noch vom Geld der Gebührenzahler produziert wird, denen aber danach mit der Urheberrechtskeule weitgehend verboten wird, diese Angebote produktiv zu nutzen, sie zu archivieren, zu samplen/remixen und verfügbar zu machen. Nachdem das geschehen ist, beklagt man dann, dass der Gesetzgeber die Verfügbarhaltung durch die Rundfunkanstalten selbst eingeschränkt hat. Warum also nicht CC oder GNU?

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