Zuerst einmal die Pressemitteilung des AStA der Uni Trier: hier (PDF, Quelle).
Dann der Artikel “OB Jensen verteidigt Stadt gegen AStA-Kritik” von Marcus Stölb bei 16vor (inklusive einiger triertypischer (engstirnig, provinziell, moralisierend) Kommentare).
Was ist nun von der Jensens Reaktion gegenüber 16vor zu halten? Klaus Jensen (SPD) sei erstaunt und befremdet über die Kritik des AStA, auch weil dieser sich direkt an die Presse gewandt habe, ohne vorher das Gespräch mit dem Rathaus gesucht zu haben. Ist ja blödsinnig, denn 1.) sollte die Wohnraumsituation und der Zustand des ÖPNV im Rathaus bekannt sein, wenn die Zuständigen nicht vollkommen auf der ältesten Wolke Deutschland schweben. 2.) Seit wann muss man, wenn man etwas zur Lage Triers sagt, das Rathaus um Erlaubnis bitten? Viele mögen sich in diesem miefigen Kaff mit allen anderen arrangieren, niemandem auf den Schlips treten wollen. Dass dieses Gebaren allerdings von den politischen Akteuren dieser Stadt erwartet wird, wirft schon einen dunklen Schatten auf ebendiese. 3.) Die Positionen des AStA sind bekannt. Im letzten Semester gab es gar ein Podiumsdiskussion zum Thema ÖPNV. Übrigens wurde damals auch die Haltung der Entscheidungsträger offensichtlich: mit ein paar Cent mehr Studienbeiträgen sei der Nachtbus schnell finanziert. Umschichtungen von Stadt nach SWT seien schwierig. Um- und Neudenken sind (so mein Eindruck) in Trier prinzipiell ausgeschlossen. Alles, was nicht aus dem Trierer Filz sickert, ist sowieso nichts wert… Dass eine Großstadt auch nachts ein halbwegs annehmbares ÖPNV-Netz bereitstellen sollte, versteht sich von selbst. Dass Trier es nicht tut, ist traurig und entlarvt die Stadt als Großstadt auf dem Papier. Dass der Oberbürgermeister einerseits die Studenten deklassieren zu wollen (keine Extrawurst!) und dann aber doch nichts gegen eine Finanzierung des städtischen Nachtverkehrs aus Studentenhand zu haben scheint, entlarvt ihn als Heuchler vor dem Herrn jemanden, der nicht zu wissen scheint, was er sagt oder will. Ich würde Klaus Jensen übrigens einmal empfehlen, eine Woche nur Bus zu fahren. Auch morgens kurz vor zehn vom Avelertal aus. Oder auch abends nach 20 Uhr von der Arnoldistraße Richtung Stadt.
Neben den irren Bemerkungen zum ÖPNV schlägt schon allein Jensens Hinweis auf die Wohnsituation für Studenten in Trier dem Fass die Krone ins Gesicht. In Trier-West solle aus einer ehemaligen Kaserne ein Studentenwohnheim werden. Braucht man gar nicht lange drüber nachzudenken. Man muss nur “Studenten” z. B. mit “Behinderten”, “Rentnern” oder “schwarzafrikanischen Asylbewerbern” ersetzen und schauen, ob das dann immer noch so gut klingt. Hätte der Trierer Oberbürgermeister gesagt, dass in Trier-West aus einer ehemaligen Kaserne ein Wohnheim für schwarzafrikanische Asylbewerber werden solle, hätte es wahrscheinlich schon deshalb Protest gegeben. Wie kann man die Leute in eine umgebaute Kaserne abschieben?
Latenten Hass auf Studenten möchte ich Klaus Jensen (neben all der zum Teil satirischen Polemik) nicht unterstellen. Eine große Arroganz und Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Gegebenheiten der Stadt möchte ich nicht ausschließen. Die Uni und die Studenten sind ein wichtiger Standortfaktor und eine Bereicherung für diese Stadt. Dass die Politik die Studenten nicht ernst nimmt, sie stattdessen fast wie Dreck zu behandeln scheint und ihre kritischen Vorschläge einfach so vom Tisch wischen möchte, ist wirklich sehr sehr traurig.
Eigentlich müsste man in dieser Situation den AStA dazu aufrufen, das Semesterticket zu kündigen und den Studenten empfehlen, sich nicht in Trier anzumelden (bzw. sich wieder abzumelden). Eigentlich.
PS: Zur Unlogik des SWT-Verkehrsbetriebschef Frank Birkhäuer, der in Stölbs Artikel auch zu Wort kommt, kann man fast nichts mehr sagen. Der Nachtbus richte sich fast ausschließlich an eine Bevölkerungsgruppe und werde deswegen nicht von den SWT finanziert. … Die Busse morgens richten sich auch vor allem an eine Gruppe der Bevölkerung, nämlich die, die Frühschicht haben. Trotzdem werden die Busse von den SWT finanziert. Käse also, was Birkhäuser da meint. Vielmehr geht es wohl, wie auch bei Jensen, eher darum, dass man glaube, es mit den Studenten machen zu können.


4 Kommentare
Tja, so ist das leider in Trier. Alles ist irgendwie Dorf, aber von Idylle keine Spur.
Die Studenten sind doch nur langhaarige Spinner, die Geld kosten und wenn die sich nachts betrinken wollen, warum soll man die dann auch noch mit dem Bus hin und her kutschieren?
Auf die Hilfe von Jens Klausen braucht man dabei nicht zu hoffen. Der ist zwar in einer anderen Partei als sein Vorgänger, damit hat es sich aber auch schon.
Besonders schlimm finde ich auch dieses kleinbürgerlich-spießige Provinzlertum, das aus vielen der Kommentare bei 16vor (wo ich mich diesmal auch beteiligt habe, was ich aufgrund des sonst überaus aggressiven Diskussionsstils ebendieser Spießer nicht oft tue) hervortrieft.
Ich würde das nicht alles ganz so krass sehen wie du, aber es stimmt auf jeden Fall, dass mit dem ÖPNV in Trier einiges im Argen liegt. Das sollte auch die Stadt zugeben, auch wenn die Kritik des AStA vielleicht übertrieben ist. Und dass das jetzt einige der (v.a. auch der FDP-) Kommunalpolitiker bestreiten wollen, bestätigt mich leider mal wieder in meiner Auffassung, dass Parteisoldatentum bei der Lösung von sachlichen Problemen oft nur hinderlich ist.
oh mann. die kommentare sind ja echt der hammer.
1. Die Sache mit dem ÖPNV: Jensen fährt selbst Bus, aber nicht zu einer kritischen Zeit auf einer kritischen Strecke. Und ja, auch die Verbindungen zur Uni sind quantitativ angewachsen. Die Stadt hat sich aber entschieden den Petrisberg zu erschließen (Gebiete BU bis nach Irsch/Tarforst). Somit musste auch verstärkt ein Anschluß durch ÖPNV erfolgen. Daß die Linie 13 und die höheren Taktfrequenzen nur ein Angebot an die Studenten waren, wage ich zu bezweifeln. Zur Sonderstellung der Studierenden: Allein schon, daß die Linie 14 lange Zeit vom Studententicket ausgeschlossen war zeigt eine gewisse Sonderstellung (wenn auch nicht zu deren Vorteil).
2. Reduzierung der Diskussion insbes. auf die Linie 80: Der AStA hat u.a. den ÖPNV kritisiert, aber nicht nur den ÖPNV. Zu Recht wird kritisiert, daß der neuen Koalition im Stadtrat in ihrem Bündnisvertrag die Studierenden kaum ein Wort wert sind. Gerne verschweigt man evtl. besondere Pflichten als “Universitätsstadt”, die Studierenden sind nur irgendwer in der Bevölkerung. Das kulturelle Szene, die Zweitwohnsitzsteuer, den Status Großstadt, die Kooperation mit Universitätsinstituten etc etc nimmt man hingegen gerne in Kauf. Eine Kritik muß erlaubt sein dürfen.
3. Die Sache mit der Kritik von Studierenden: Schnell driftet die Diskussion in Richtung Zick-Zack-Studentenpack ab. Sudierende kritisieren ja immer alles und jeden und wollen eh nur saufen, deshalb muß man Kritik nicht ernst nehmen und man darf gerne beleidigt sein und die Kritikpunkte mit Beleidigungen vom Tisch fegen. Jeder Sportverein darf sich über seinen schlechten Rasenplatz beschweren, der Schwinnverein über die Wassertemperatur im Hallenbad – leider ist inzwischen eine Situation üblich, daß Studierende (sollen sich nicht so anstellen/lieber arbeiten gehen) dies nicht dürfen. Selbst in Studierendenkreisen ist diese Kritiklosigkeit inzwischen weit verbreitet (z.B. in der Bildungspolitik, aber auch ein Busboykott wird nicht organisierbar sein). Daß Stadt und Presse dem jetzt auch wieder Vorschub leisten, läßt tief blicken.
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