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Ü30-Indy im Chat Noir

“Was ein Spaß!” dachte ich mir: Ü30-Indy-Party im Chat Noir. Naja, die meisten, an die ich gedacht hatte, waren dann doch nicht dabei (“Wir reiben uns freitagabends immer gegenseitig mit Rheumasalbe ein.”).

Als ich mit Begleitung zum Varieté Chat Noir komme, fragen wir uns, ob die Veranstaltung vielleicht ausfällt (man sieht niemanden, hört keine Leute jolen, nichts). Dann fragen wir den Rausschmeißer. Der ist nett. Es fülle sich gerade noch. Okay. 4€ Eintritt, 1€ Garderobe. Dafür aber echt die große Sitzauswahl, die Tanzfläche leer. Als Getränk hat mir der Herr des Hauses kürzlich einen Gin-Tonic mit Gurke empfohlen. Den will ich haben. 6€. What a ripoff! 6€? Ja, 6€. … Mein Denkfehler natürlich. Ich bin auch nicht auf dem aktuell Stand. Meinen letzten Gin-Tonic hatte ich im Stadtzentrum von London dieses Jahr. Montagnachts im Heaven. Der hat 2,50£ gekostet. Aber klar: war ja nur London und nicht Trier, und das Heaven ist im Vergleich zum Chat Noir …, und das Publikum…, und natürlich die Gurkenscheibe (mit Schale)! Die macht den Unterschied.

Die Musik ist tanzbar. Der DJ macht ein paar Fingerübungen bei den Übergängen. Nirvana, Depeche Mode, und so alter Kram aber auch Phoenix, Bloc Party und Franz Ferdinand. Als Rammstein gröhlt, fragt mich meine Begleitung, ob die uns loswerden wollen.

Leute bewegen sich allein oder in kleinen Gruppen (max. 5/6 Menschen) auf der Tanzfläche. Nach der nächsten Runde vom 6€-Gin-Tonic wird das Tanzen leichter (meine Knie!). Zum Schluss noch einmal herumspringen! Ich frage den DJ, ob er etwas alte Arctic Monkeys, alte Kaiserchiefs oder was von The View (ich denke eigentlich an Art Brut) spielen kann. Nein, meint er. Er wolle es ruhiger ausklingen lassen. Dabei ist Tanzen doch die wärmste Jacke und wir wollen gleich in die kalte Nacht… Er kramt lange in seiner Sammlung und zieht schließlich hervor: … … … Nina Hagen/Automobil, “Du hast den Farbfilm vergessen” von 1974. Gar nicht schlecht aber wohl als Rausschmeißer gedacht. Danach kommt der Klassiker von Walter Krumbach und Wolfgang Richter. Whow! Das hätte ich nicht gedacht. Es ist unmöglich! Dem alternden DJ in der MB am Mittwoch zu “All You Can Dance” lasse ich gern durchgehen, dass er seit 25 Jahren immer das Sandmännchenlied zum Abschluss spielt. Aber in der westdeutschen Provinz, zu einer Ü30-Indy-Party auf der ein Gin-Tonic mit Gurke 6€ kostet? Nein!

Zur gleichen Zeit übrigens eine andere Retro-Party in der Flucht nach Vorn. Aus der Flucht kommen uns spärlich bekleidete, sehr betrunkene junge Menschen entgegen. Die Bude scheint voll zu sein. Es wird noch Eintritt genommen. … Wir gehen lieber zu Werner’s. Da sind die Leute morgens um vier eine kleine Familie. Der Papa zickt wenig. Man sackt ab. Nina Hagen klingt noch in meinen Ohren. Herzlichen Dank, liebes angebliches “DJ Urgestein”!

Zu dem Ü30 habe ich übrigens meine eigene alternative Interpretation. Wir zählen einmal zusammen: 3 x 6€ (Gin-Tonic + Gurkenscheibe) + 4€ Eintritt + 1 € Garderobe = 23€. Wären wir vorher nicht in der Weinstube gewesen und danach bei Werner’s, hätte es mit dem Ü30€ für das Chat Noir vielleicht geklappt.

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