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Piraten oder Grüne

Da gibt es natürlich verschiedene Gründe, sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. Peter Sunde hat seine eigenen Gründe:

Auch ich habe meine Gründe. Die Piraten haben mir zu wenig Profil, als dass ich ihnen guten Gewissens meine Stimme geben könnte. Insgesamt scheinen sie sich vor allem um sich selbst kümmern zu wollen als um andere. Das ist, wenn man politisch gestalten möchte, keine gute Voraussetzung.

Sehr erkenntnisreich war in der Hinsicht ein Besuch am Piraten-Wahrkampfstand in Trier. Zur gleichen Zeit fand die Gegendemo zum Aufmarsch der NPD am Simeonplatz statt. Nicht nur, dass der Stand-Pirat nicht dort war, nein, er wusste noch nicht einmal davon, wusste nichts vom Bündnis gegen Rechts und meinte, dass er, wenn er von der Demo gewusst hätte, auch nicht dort hin gegangen wäre, weil Gegendemos nichts brächten, nur Aufmerksamkeit auf die Rechten ziehen würden. Eine Einstellung, die für mich so dem Geist der Neunziger entspringt, also locker einmal 10/15 Jahre hinterher ist. Apropos hinterher: der Rest des Gesprächs bestätigte diesen Eindruck.

Was sei dagegen einzuwenden, auch mit Stimmen der NPD ein Gesetz zu verabschieden (falls die ins Parlament kämen)? Sexuelle Identität sollte nicht in Artikel 3 GG ergänzt werden. Es gebe doch ohnehin keine Diskriminierung. … Ja, und dass man als Schwuler oder als Lesbe kein Blut spenden kann, habe natürlich seine Gründe, das habe sicher mit dem viel höheren AIDS-Risiko zu tun. … Und Sexualität sei ohnehin allein zur Fortpflanzung da. Das sei in der Natur eben so. Alles andere als Heterosexualität sei deswegen eine Fehlneigung, vielleicht nicht therapierbar aber doch eine Fehlneigung.

Zusammenfassung Piratenstand: Größtmögliche Ignoranz, Selbstzentriertheit, Einstellungen von Vorvorgestern (wenn es um Offliniges geht), potentiell Stimmenbeschaffer für Rechts.

Natürlich die Meinungen am Stand, nicht zwangsläufig die der Partei. Dennoch: Wenn ich mir überlege, dass solche m. E. ignoranten und konservativen Nerds die Basis der Piraten darstellen könnten… Dann doch viel lieber eine Politik, die die Forderungen der Piraten vertritt (leider mit Ausnahmen beim Urheberrecht), aber ansonsten eben nicht von vorvorgestern ist. ;-)

Hier eine schöner Vergleich Piraten vs. Grüne (was die Forderungen der Piraten angeht) von Volker Beck.

4 Kommentare

  1. Julius wrote:

    Oha! Ich zähl schon mal die Sekunden runter bis dieses Blog vom Sympathisantenmob überrannt wird. Ne, Scherz.
    Hier im Longtail braucht man ja keine brennenden Server zu befürchten. ;)

    Saturday, September 26, 2009 at 5:26 pm | Permalink
  2. fidepus wrote:

    Ja, seltsame Positionen, die der Mensch hinter diesem Stand vertritt. Da schlägt das Klischee des pickligen Nerds, der seine Erfahrungen in der wundervollen Welt der Sexualität erst noch machen muss voll zu.
    Aber wie gesagt Einzelmeinungen != Parteimeinung und sollte ich jemals die Partei finden, der ich zu 100% zustimmen kann werde ich der beitreten. Bis dahin bleibt eben nur die zu wählen, die die für mich wichtigen Themen am besten anfassen.

    Saturday, September 26, 2009 at 5:27 pm | Permalink
  3. sebastian wrote:

    Natürlich war das nicht die Meinung am Stand, sondern die Meinung am Stand zu der Zeit als du dort warst bzw. die des Piraten mit dem du dort gesprochen hast :)

    Zur der Zeit war ich bei der Gegendemo zur NPD-Kundgebung…

    Saturday, September 26, 2009 at 5:30 pm | Permalink
  4. Horatiorama wrote:

    @Julius: Wäre ein guter Klimaanlagentest für 1&1. ;-)

    @fidepud: D’accord. Und deswegen bin ich auch so froh, dass nicht nur die Piraten die wichtigen Netzwelt-Themen ansprechen.

    @Sebastian: Sorry! Da war ich nicht präzis genug. ;-)

    Sunday, September 27, 2009 at 3:22 am | Permalink

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Wählt doch was ihr wollt | fidepus.de on Saturday, September 26, 2009 at 10:09 pm

    [...] von den  sehr guten Blogposts bei Guardian of the Blind, gelb.net und dem viel diskutierten Beitrag in meinem eigenen Blog habe ich mich auch mal dazu entschieden [...]

  2. gelblog › Claudia Roth im TIMM-Interview on Sunday, September 27, 2009 at 2:25 am

    [...] dem, was ich als Selbstzentriertheit bei den Piraten vorhin bemängelt habe, gibt es auch noch das Kontrastprogramm, das man beispielsweise im TIMM-Interview [...]

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