“Mensch Monika!” – Clemens Meyer bekommt den Preis der diesjährigen Leipziger Buchmesse

“Das ist mein Telefon, was hier klingelt. Mensch Monika! Ich hab doch gesagt, ich muss zur Buchmesse…”

Drei Stunden vor Bekanntgabe des Gewinners wurden die Nominierten in der Kategorie Belletristik in einem kurzen Gespräch vorgestellt. In einer Reihe saßen also: Jenny Erpenbeck (Heimsuchung), Sherko Fatah (Das dunkle Schiff), Feridun Zaimoglu (Liebesbrand), Ulrich Peltzer (Teil der Lösung) und Clemens Meyer (Die Nacht, die Lichter).

Clemens Meyer mit Ohrhörer Leipziger Buchmesse 2008

Während die Moderatoren Michael Hametner und Ina Hartwig mit anderen Autoren sprechen, kuckt Meyer gelangweilt in die Runde. Er sieht aus, als brauchte er ein Konterbier. Irgendwann schiebt er sich einen Ohrhörer ins rechte Ohr. Ihn interessiert dieses intellektuelle Gebabbel von rechts scheinbar nicht. Oder er tut so, als ob es ihn nicht interessierte. Vielleicht ist seine Rüpelhaftigkeit inszeniert, vielleicht ist er aber wirklich ungehobelt. Als er spricht, hört man einen starken Akzent, kurze Sätze. Meyer blickt nach unten, scheint sich nicht produzieren zu wollen. Und doch: als er über die Protagonisten seiner Geschichten reden möchte, schafft er die Wendung vom Fremdwort erst sehr spät zum einfacheren “Helden”.

Vielleicht werden seine Helferinnen Monika oder Birgit und Andrea jetzt noch einmal anpacken müssen: 15.000 Euro können eine Menge Holz sein, wenn man sie in Sterni für die Feier anlegt.

Übrigens: Egal, ob Clemens Meyer vollständig, teilweise oder gar nicht inszeniert ist, eine Wohltat ist er allemal. Schon allein deshalb, weil er die Damen in der Runde dazu gebracht hat, pickiert zu kucken. Das muss man in einer Zeit, in der Charlotte Roche gefeiert wird, erst einmal ohne Sex schaffen. Ganz ohne Sex, nur mit Rock ‘n’ Roll … sozusagen.

3 thoughts on ““Mensch Monika!” – Clemens Meyer bekommt den Preis der diesjährigen Leipziger Buchmesse”

  1. Hach, wie herrlich! Da ist ein tätowierter Kerl, der war mal Türsteher und Möbelpacker und was-weiß-ich, ach wie authentisch!, und der mischt mal so richtig die Szene auf. Komisch, dass ich in seinen Texten überhaupt keine Leidenschaft spüre. Hat der Mann jemals gebrannt?

  2. Manchmal liegt so eine fehlende Empfindung auch an dem, der liest. Vielleicht ist Clemens Meyer also gar nicht schuld, und seine Prosa doch leidenschaftlich.

  3. Ich amüsiere mich immer wieder köstlich über seine trockene und witzige Art. Großartig der Mann! Allein sein Auftritt beim blauen Sofa im ZDF… Unbedingt zur Lesung gehen!

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