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Monthly Archives: March 2008

Tier des Tages: die Handwühle

Whow. Welch ein elegantes Tier die Handwühle doch ist…

Sie gehört zu den Schleichenlurchen/Blindwühlen (Wikispecies).

Olympia- und Olympia-Sponsoren-Boykott

Macht es Sinn, die Olympischen Spiele, die Sponsoren oder die für Übertragungsrechte zahlenden Medien zu boykottieren? Die Bloggosphäre scheint sich sehr intensiv damit zu beschäftigen. Es scheint sich jedoch keine Meinung durchzusetzen.

Eine Liste der Sponsoren der Olympischen Spiele in Peking findet sich auf der offiziellen Website. Mit dabei sind laut Website: Adidas, Coca Cola, McDonalds, Kodak, Panasonic, VISA, Samsung, VW und UPS. Schon eine ganze Weile (Darfur) wird über die Reaktionen der Sponsoren spekuliert. Passiert ist nicht viel.

Beispiel VW: Selbst jetzt, wo die International Campaign for Tibet (ICT) VW vor dem möglichen Szenario warnt (“Bunte VW-Fahrzeuge auf Straßen, die kurz zuvor Schauplatz blutiger Ereignisse waren, wären für die deutsche Öffentlichkeit unerträglich. Das kann nicht im Interesse von Volkswagen sein.”), hält der Autobauer an seinem Engagement fest (vgl. Frankfurter Rundschau, 26.3.: 14).

Gab es 1936 überhaupt auch Sponsoren?

Die zehn leckersten Food-Photography-Tipps…

…findet man bei Photojojo [via]. Am Ende der Liste heißt es:

Meals that are all the same color and brown sauces are best left alone. And tasty though they may be, we defy you to make a haggis look good.

Das jedoch zweifel ich an. In loser Folge werden hier also unter dem Titel: “Meals That Are All the Same Colour” ein paar Aufnahmen von Lebensmitteln vorgestellt.

Alternative Olympia-Logo-Entwürfe

Interessant, wie jetzt Sportler und Sportfunktionäre reden. Sollte man sich für die nächsten Diskussionen über die Sportförderung merken. Übrigens gibt es ja schon Stimmen, die dazu aufrufen, Produkte mit Olympia-Logo nicht zu kaufen und eben auf diese Weise seinen Boykott selbst zu organisieren, wenn die Sportler und ihre Funktionäre nicht dafür zu haben sind.

Aber man könnte natürlich auch ein alternatives Logo auf die Produkte drucken. Es gibt schon Vorschläge:

King Kong und der Osterhase

Über die Feiertage übrigens wieder einmal ganz großes Kino im Fernsehen.

Mittelmeer-Feeling in Leipzig

Ganz klar: Nicht in irgendeine Pizzeria oder zum Griechen oder Südfranzosen oder so. Nein, zu Subway auf den Bahnhof muss man, denn wie mir scheint, wird dort die Toilette mit dem von mir sehr geschätzten Klorix gewischt. Und wenn man dort auf der Schüssel sitzt, die Augen schließt und tief, und auch sehr langsam, durch die Nase einatmet, könnte man glauben, dass man in einem billigen Hotel an der Costa Brava auf dem Klo sitzt, dass draußen der Strand oder abends die Party auf einen wartet. Vielleicht fühlt man sich sogar wieder ganz jung. So jung, wie die Menschen in der Rainbow-Tours-Werbung, die nach Lloret de Mar zum Feiern fahren, die dann die ganze Nacht über der Schüssel hängen, und auch so den wundervollen Klorix-Duft einatmen. Das sieht und riecht man aber nicht in der Werbung.

Silberlinge um die Ecke

Seit Kurzem auch mit DVD-Brenner ausgerüstet. Grund genug, einmal beim Supermarkt um die Ecke zu schauen, wie teuer die Silberlinge pro speicherbarer Datenmenge sind.

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Den ganzen Roman lang namenlos

Hat jemand Reinhard Kaiser-Mühleckers Der lange Weg über die Stationen gelesen? Was soll man darüber denken? Heimatroman? The Handmaid’s Tale oder gar The Turn of the Screw? Oder gar nichts von all dem?

Linkempfehlung …

für Umblätterer.

Awareness Test

Obacht, Aufmerksamkeitstest! Mitzählen! Wie oft wird im weißen Team abgespielt?


http://view.break.com/470052 – Watch more free videos

[via]

Bratwurst

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Diese in Wirklichkeit sicher sehr zu empfehlenden Bratwürste warten auf hungrige Messebesucher.

Buchmessenlogbuch | Ende

Sie ist zu Ende, die Leipziger Buchmesse 2008. Obwohl ich nicht den Eindruck hatte, dass es voller war als beim letzten Mal, wurde die Besucherzahl des Vorjahres doch übertroffen: 129.000 Menschen kamen zur Messe. Die Aussteller ziehen eine positive Bilanz. Fast alle sind zufrieden. Besonders zufrieden ist natürlich der glorreiche Gewinner des Preises der Buchmesse. Über ihn war in den letzten Tagen viel zu lesen und zu hören. Aber weil die Freude so schön ist, hier noch einmal der Jubelmoment.

Clemens Meyer jubelt; Foto: Leipziger Messe

Clemens Meyer, Träger des Preises der Leipziger Buchmesse 2008 (Belletristik). Foto: Leipziger Messe GmbH.

Interessant war in diesem Jahr auch wieder der Lesemarathon für die Autoren und für die Leser und Zuhörer. Scheinbar rücken die Veranstaltungsorte immer weiter auseinander, so dass ganz Leipzig stärker von den Veranstaltungen profitiert, einige aber auch darunter leiden müssen. Ich kann mich an Messen erinnern, bei denen man von einer überfüllten schnell noch zu einer anderen Veranstaltung huschen konnte, da diese direkt um die Ecke stattfand. Von der Baumwollspinnerei oder von der Zschocherschen Straße kommt man jetzt allerdings nicht so schnell mehr ins Musikviertel oder auf die Karli. Einige Veranstalter werden sich in Zukunft sicher genauer über Parallelveranstaltungen informieren müssen, um ihre Autoren nicht vor leeren Rängen lesen zu lassen.

Wir werden sehen, wie das alles weitergeht…

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[Dieser Beitrag wird zeitgleich bei Heldenstadt veröffentlicht und kann dort kommentiert werden.]

Buchmessenlogbuch | Tag 4

Volker Strübing bestätigte gestern die Einschätzung zur Buchmessenbratwurst. Sie sei frittiert, nicht gebraten und deshalb nicht zu empfehlen. Überhaupt war auf der Buchmesse so einiges wahres und gutes zu hören und zu sehen. Einige Impressionen.

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Volker Strübing liest aus seinem Buch Ein Ziegelstein für Dörte.

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Nach einer sehr musikalischen Comic-Buch-Vorstellung mit Harald “Sack” Ziegler entfernt Leo Leowald das Hintergrundposter.

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Ahne liest in der Ausbild-Bar.

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Winfried Glatzeder bei einem seiner vielen Gespräche zu seiner Autobiographie.

Top/Flop/Tipp für Sonntag, 16. März.

Top: 14 Uhr – 14.30 Uhr: Clemens Meyer auf dem Blauen Sofa.

Flop: Manche Leipziger kennen Burkhard Jung nur als das Gesicht der Stadtwerke-Verkaufs-Kampagne. Kaum einer weiß, dass er Oberbürgermeister dieser Stadt und geübter Vorleser ist. Griseldis Wenner, Dieter Bellmann und Sebastian Krumbiegel kennen sicher noch viel weniger Menschen. Aber auch sie können vorlesen. Ihre Fähigkeiten nutzen die vier heute für einen guten Zweck: Sie lesen Kindern etwas vor. 11 Uhr – 12 Uhr, Lesebude 2, Halle 2, Stand G304.

Tipp: Ein typischer Berliner Lesebühnenmensch ist Falko Hennig. In Leipzig kennt man ihn, wenn überhaupt, nur von seinem Buch Radio Hochsee. Und weil nicht nur die Hauptstadt ihn kennt sondern auch er die Hauptstadt, erzählt er morgen etwas über diese. 10:30 Uhr -11 Uhr, Sachbuchforum Halle 2, Stand K203, Lesung mit Präsentation.

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Buchmessenlogbuch | Tag 3

Auf der Buchmesse kann man auch die Flaneurie versuchen. Hat man keine Lesungen zu besuchen, weil man schon unglaublich viele wichtige Autoren gesehen hat oder erst einmal eine Pause einlegen möchte, kann man einfach durch die Hallen bummeln, ein paar Literaturbeilagen bei den Tageszeitungen mitnehmen und sie miteinander vergleichen. Man kann zum Beispiel kucken, welche Tageszeitung in ihrer Buchmessenbeilage keine Rezension des Buchmessenpreisgewinners Belletristik, Clemens Meyer, anbietet.

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Man kann aber ebenso gut etwas zu sich nehmen. Die Auswahl ist groß. Ich kenne Leute, die allein deshalb jedes Jahr zur Buchmesse fahren, weil sie den Genuss der obligatorischen Buchmessenbratwurst in einem der “Restaurants” zwischen den Hallen so herrlich dekadent finden. Die Wurst macht im Allgemeinen einen erbärmlichen Eindruck und doch ist sie nur für einen königlichen Preis zu haben. Falls man auf etwas anderes Appetit hat, findet man nicht nur Crêpes-Stände an jeder Ecke (der Duft verkohlter Stärke ist im Umkreis von zwanzig Metern zu riechen) sondern eben auch exotische asiatische Kost. Ist man gestärkt und hat doch keine Lust, sich wirklich ernsthaft mit den ausgestellten Dingen oder den Ausstellern zu beschäftigen, bleibt einem noch, die Leute zu beobachten und besonders nach bekannten Personen Ausschau zu halten. Gestern hätte man beispielsweise Herrn Escher (siehe Flop gestern) beim Eulenspiegel sehen können. Man hätte Winfried Glatzeder dabei beobachten können, wie er alte Freunde wiedertraf oder Wolfgang Stumpf, wie er durch die Röhre lief, in der später ein zerbrochenes Fenster ausgewechselt werden musste. Vielleicht hätte man sogar den großen Helmut Krausser in Halle 3 erblicken können.

Letztendlich interessiert das sicher niemanden. Jedoch: nicht das Beobachtete ist wichtig beim Bummeln, sondern der Akt des Bummelns und der Akt des Beobachtens. (Versuchen Sie es, geneigter Leser! Bummeln Sie doch auch einmal über die Buchmesse!)

Top/Flop/Tipp für Samstag, 15. März 2008

Top: Die Riesenmaschine läuft und läuft und läuft. Ihre Redakteure indes hocken in einer kleinen Kiste auf der “Leseinsel Junge Verlage” in Halle 5, Stand D200. Dort gehen sie ihren Geschäften nach, schreiben und reden. Ein lohnender Anblick ist es, gerade auch zusammen mit dem Programm auf der Leseinsel und den Ständen der jungen Verlage drum herum. Heute ist dort zum Beispiel Christian Hawkey zu hören. Er liest aus seinen Gedichten. Der Amerikaner ist so etwas wie ein modernerer, ein urbaner Ted Hughes. In seinen Gedichten gibt es ganz starke Bilder, die voller Mythologie sind. Immer wieder wird das Äußere der Natur auf das Innen unseres Seins verschoben. Außerdem heute dabei: Volker Strübing und Leo Leowald (!)…

“Autobahn geht gar nicht”: Wenn es nicht inzwischen, wie eine geplante Demonstration, abgesagt ist, wird von 12.30 Uhr bis 13 Uhr ein Interview mit Eva Herman stattfinden. Titel “Treibjagt auf familiäre Werte?” Untertitel: “Warum der Einsatz für traditionelle Familienwerte bei einigen Medien und Politikern geradezu Hysterie auslöst.” Saal 2, Congress Center.

Tipp: Der Berlin Verlag veranstaltet im Gohliser Schlösschen eine Lyriklesung. Mit dabei: Matthew Sweeney, der irische Lyriker, und Jan Wagner, der deutsche Autor und Übersetzer. 19 Uhr.

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Buchmessenlogbuch | Tag 2

Der erste Tag der Buchmesse war nicht nur für einige Besucher eine große Anstrengung (Tüten schleppen, schlechte Lesungen hören, Kinder ertragen, Erwachsene ertragen) sondern auch für einige Akteure auf Produzentenebene.

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Charlotte Roche, die Autorin des Bestsellers Feuchtgebiete, zum Beispiel, hetzt auf der Leipziger Buchmesse 2008 von einem Termin zum anderen. Am Mittwoch war sie um 22 Uhr im Café Telegraph zur Lesung, gestern (am Donnerstag) las sie um 11 Uhr für 3sat in der Glashalle und beantwortete noch ein paar Fragen von Gert Scobel. 12 Uhr musste sie bereits in Halle 5, am Stand ihres Verlages sein, um dort ebenfalls zu lesen. Auch auf dem blauen Sofa darf die junge Frau mit dem roten Buch mit Pflaster nicht fehlen. Dort war sie um 13 Uhr zu Gast. Danach gab es bestimmt keine Zeit zum durchatmen. Schließlich musste sie in der Nähe bleiben, um kurz vor Toresschluss um 17.45 Uhr erneut dem Herrn Scobel Rede und Antwort stehen zu können.

Top/Flop/Tipp für Freitag, 14. März 2008

Top: Blogger kennen einige Slam-Poeten. Diese bloggen selbst nämlich auch überdurchschnittlich häufig. Wer die Slam-Szene in Leipzig nicht kennt, dem sei gesagt, dass es am Freitag eine Sonderveranstaltung der Leipziger livelyriX gibt. Alle anderen wissen es ohnehin schon. Diesmal dabei: Volker Strübing, Felix Römer, Michael Bittner und einige andere. Diesmal besonders: der Ort und die Moderation. Die letztere teilen sich der beliebte Leipziger Barde Julius Fischer und sein Kollege Christian Meyer. 21 Uhr, Victor Jara, Eintritt.

Flop: Nichts ist unerfreulicher als Selbstdarsteller ohne Grund. Um 13.30 Uhr liest Peter Escher, der in Leipzig deutschlandweit bekannte Fernsehmoderator aus einem Buch, das den Titel Ein Fall für mich trägt. Leider findet man im Programm den Hinweis, dass es sich dabei um eine “mehrmalige Veranstaltung” handelt. Obacht, also! Es könnte passieren, dass man auch zu anderen Zeiten Zeuge einer solchen Lesung wird. 13.30 Uhr – 14.00 Uhr, Leipzig liest Forum (Halle 5, Stand D506).

Tipp: Norbert Leisegang sieht extrem gut aus. Norbert Leisegang macht gute Musik. Norbert Leisegang ist kult. “Keimzeit” sag ich nur für die, die noch nicht verstanden haben, um wen es geht. Dieser Mann ist um 21 Uhr mit dabei, wenn im Anker bekannte Geschichten von Wilhelm Busch gesungen werden. Tageskasse/Abendkasse (am besten vorher einmal telefonisch Anfragen, ob es noch Karten gibt).

Ansonsten fehlt mir nur noch zu sagen: Herzlichen Glückwunsch Clemens Meyer! Ein krasser Typ gewinnt mit ‘nem Buch ‘nen Haufen Kohle. Chapeau!

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“Mensch Monika!” – Clemens Meyer bekommt den Preis der diesjährigen Leipziger Buchmesse

“Das ist mein Telefon, was hier klingelt. Mensch Monika! Ich hab doch gesagt, ich muss zur Buchmesse…”

Drei Stunden vor Bekanntgabe des Gewinners wurden die Nominierten in der Kategorie Belletristik in einem kurzen Gespräch vorgestellt. In einer Reihe saßen also: Jenny Erpenbeck (Heimsuchung), Sherko Fatah (Das dunkle Schiff), Feridun Zaimoglu (Liebesbrand), Ulrich Peltzer (Teil der Lösung) und Clemens Meyer (Die Nacht, die Lichter).

Clemens Meyer mit Ohrhörer Leipziger Buchmesse 2008

Während die Moderatoren Michael Hametner und Ina Hartwig mit anderen Autoren sprechen, kuckt Meyer gelangweilt in die Runde. Er sieht aus, als brauchte er ein Konterbier. Irgendwann schiebt er sich einen Ohrhörer ins rechte Ohr. Ihn interessiert dieses intellektuelle Gebabbel von rechts scheinbar nicht. Oder er tut so, als ob es ihn nicht interessierte. Vielleicht ist seine Rüpelhaftigkeit inszeniert, vielleicht ist er aber wirklich ungehobelt. Als er spricht, hört man einen starken Akzent, kurze Sätze. Meyer blickt nach unten, scheint sich nicht produzieren zu wollen. Und doch: als er über die Protagonisten seiner Geschichten reden möchte, schafft er die Wendung vom Fremdwort erst sehr spät zum einfacheren “Helden”.

Vielleicht werden seine Helferinnen Monika oder Birgit und Andrea jetzt noch einmal anpacken müssen: 15.000 Euro können eine Menge Holz sein, wenn man sie in Sterni für die Feier anlegt.

Übrigens: Egal, ob Clemens Meyer vollständig, teilweise oder gar nicht inszeniert ist, eine Wohltat ist er allemal. Schon allein deshalb, weil er die Damen in der Runde dazu gebracht hat, pickiert zu kucken. Das muss man in einer Zeit, in der Charlotte Roche gefeiert wird, erst einmal ohne Sex schaffen. Ganz ohne Sex, nur mit Rock ‘n’ Roll … sozusagen.

Buchmessenlogbuch | Tag 1

Heute geht es endlich los auf dem Messegelände. Viele freuen sich bereits auf den großen Bücherklau. Alex Rühle hatte bereits gestern in der Süddeutschen darüber geschrieben. Die Verlage freut es manchmal vielleicht auch; ist es doch ein Test, ob ein Buch sexy genug ist – zumindest um gestohlen zu werden. Dennoch gibt es auch legale und, noch dazu, schöne Dinge, die man am Tag eins auf der Buchmesse tun kann. Jedem sei hier das Programm von Leipzig Liest! ans Herz gelegt. So manche erstaunliche Veranstaltung wartet auf die Messebesucher.

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Claudia Gatzemeier übersetzte Alberto Ruy-Sánchez im HDB.

Tag Null der Buchmesse schien indes nicht sehr von Überraschungen geprägt. Wie zu erwarten, fand die feierliche Eröffnung der Buchmesse statt – zumindest ist mir nichts anderes zu Ohren gekommen. Rief man heute beim Café Telegraph an, um einen Platz für die Lesung von Charlotte Roche (Top-Tipp) zu reservieren, wurde einem schnell klar, dass auch viele andere Menschen Interesse an eben dieser Dame oder gar ihrem Buch hatten.

Natürlich hat es mich zum Geheimtipp verschlagen: zur Lesung von Alberto Ruy-Sánchez, dem großen mexikanischen Romancier und Frauenversteher. Unter der Moderation von Alfonso de Toro und mit der Hilfe von Claudia Gatzemeier, die Ruy-Sánchez’ Texteinführung und die Diskussionskommentare geübt übersetzte, las der Schriftsteller Auszüge aus seinem Roman Los jardines secretos de Mogador und plauderte gepflegt aus dem Nähkästchen seines Schaffens.

Top/Flop/Tipp für Donnerstag, 13. März 2008

Top: Natürlich: LLL. Die Lange Leipziger Lesenacht findet ab 19 Uhr in der Moritzbastei statt. Für zehn Euro Eintritt bekommt man von der Agentur Clara Park angeheuerte “junge Wilde” des Literaturgeschäfts zu hören/sehen. Den genauen Zeitplan findet man hier.

Flop: Es ist unglaublich: Das Programmheft weist im Register nur eine einzige Seitenzahl zum Namen “Erich Loest” auf. Sollte es sich da um Aufloesungserscheinungen eines sonst leider kaum zu ignorierenden Zwischenrufers handeln? Wie dem auch sei, diese eine Vorstellung gibt es: Erich Loest, “Einmal Exil und zurück”, Donnerstag, 11.00 Uhr – 11.30 Uhr, LVZ-Autoren-Arena (Halle 5, Stand A100).

Tipp: Um 19.30 Uhr präsentiert der theoretische Physiker Ulrich Woelk sein Astronomiebuch “für Erwachsene und Kinder”, Sternenklar, das im DuMont-Verlag erschienen ist. Das ist vielleicht spannend, verblasst aber auf jeden Fall gegenüber dem Präludium dieser Lesung. Eine Stunde zuvor beginnt nämlich die Führung durch das Wolkenlabor des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung, dessen Gebäude einem schon beim Anblick den Atem stocken lässt. 18.30 Uhr, Wolkenlabor, Permoser Straße 15 (Anmeldung erforderlich: Tel. 0341/2351269).

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Tier des Tages: Die Haarbalgmilbe

Whow. Welch elegantes Viech die Haarbalgmilbe doch ist…

Ey echt, SpOn!

Sowas kannste echt stecken lassen:

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Buchmessenlogbuch | Tag 0

Am Mittwoch wird die Leipziger Buchmesse 2008 offiziell eröffnet. Am Morgen danach geht es auf der Neuen Messe im Norden richtig los. Heldenstadt schickt einen seiner Mitarbeiter hin, um Eindrücke zu sammeln und hier Empfehlungen zu geben.

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Die Buchmesse ist wie ein Gemischtwarenladen. Ein Foto von der Buchmesse 2007.

Eigentlich ist die Buchmesse in Leipzig ja ein Jahrmarkt, ein Rummel. Man findet alles und jeden dort. Da sind die viertklassigen Fernsehschauspieler und C-Prominenten, die zur Autogrammstunde einladen, da sind die politischen Redner, die auf der Messe vortragen oder vor der Messe Zeitungen verteilen. Da sind die Kinder in ihren schwarz-bunten Kostümen, da sind die Bücher-Abstauber, die Sammler, die nach den Messetagen kaum noch ihre mit Papier gefüllten Tragetaschen halten können. Da sind die Menschen, die sich über die überteuerten Würstchen an den Imbissständen ärgern. Da sind die geförderten, die im Kongresszentrum vor leeren Rängen diskutieren und die nicht-geförderten, die an einem kleinen Stand etwas vorstellen und damit Verstopfungen in den Gängen provozieren. Sicher sind da auch wieder Randerscheinungen, wie Banken, Kirchen und Militär. Da sind auch noch die Medien: einerseits die, die für ihre Print-Produkte bekannt sind und die, die zwar keine Print-Produkte herausbringen (dürfen) aber doch hektarweise in den Hallen präsent sind.

Ich bin für Heldenstadt auch dabei. Naja, nicht überall. Zum Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse im großen Saal des Gewandhauses am Mittwoch um 19 Uhr zum Beispiel bin ich nicht eingeladen. Aber würde ich dorthin gehen wollen? Gleichzeitig finden doch schon richtig spannende Veranstaltungen des Festivals Leipzig Liest! statt. Da die Angebote so vielfältig sind, präsentiere ich hier nun für jeden Tag der Buchmesse drei Dinge: Top, Flop und Tipp – ganz subjektiv und mit der Aufforderung zum Kommentar. Top ist eine Veranstaltung, die gut besucht sein wird, bei der bekannte Autoren aus guten Büchern lesen werden. Flop ist das Gegenteil: Meist eine Veranstaltung, zu der viele Menschen gehen werden, um etwas aus (m. E.) schlechten Büchern vorgelesen zu bekommen. Und Tipp steht für den Geheimtipp, einen Underdog unter den Lesungen.

Top/Flop/Tipp für Mittwoch, 12. März 2008

Top: Leute, die vor dem Sex duschen sind von Charlotte Roches Buch Feuchtgebiete schockiert. Für alle anderen ist es sicher einfach ein großer Spaß. Frau Roche ist ganz nett und gibt zusammen mit dem Moderator des Abends, Jo Lendle (Die Kosmonautin), sicher ein ansehnliches Bild auf der Bühne ab. Mittwoch, 22 Uhr, Café und Restaurant Telegraph. (Eintritt frei)

Flop: Der Autor der Bestseller mit den Titeln A Year in the Merde, Merde Actually und Merde happens, die sich allesamt mit den Eigenarten der Franzosen aus britischer Perspektive beschäftigen, liest bei Lehmanns. Moderiert wird das ganze von Denis Scheck. Auf meine Flop-Liste kommt diese Veranstaltung nicht etwa wegen des Autors (Stephen Clarke) oder wegen der Räumlichkeiten bei Lehmanns oder etwa des Eintritts von vier Euro. Mittwoch, nach der Tagesschau, 20.15 Uhr, Lehmanns Buchhandlung. (Abendkasse)

Tipp: Das Iberoamerikanische Forschungsseminar der Uni Leipzig präsentiert Mexikanische Erzählwelten. Die Schriftstellerin Cristina Rivera-Garza und der wohl renommierteste mexikanische Schriftsteller Alberto Ruy-Sánchez lesen aus ihren Texten und reden über diese. Mittwoch, 20 Uhr, Haus des Buches.

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