Zwar ist es einige Tage her, doch sollte man noch einmal auf Arno Widmanns Meisner-kritischen Artikel aus der FR verweisen (FR. 17. Sep. 2007, 32). Im Rahmen der allgemeinen, aber doch zu schnell eingeschlafenen Kritik am Kölner Kardinal, schreibt Widmann grundsätzlicher. Nicht nur um Meisners unverschämte Entartungs-Rhetorik ist es ihm, sondern um alle seine verstörenden Verweise auf den Nationalsozialismus.
Der 1933 in Breslau geborene Joachim Meisner scheint besessen vom Nationalsozialismus. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, ihn zu erwähnen. Mal braucht er ihn, um abtreibenden Frauen klarzumachen, dass sie nicht besser sind als die massenmordenden Nazis es waren, mal kultiviert er selbst das nationalsozialistische Vokabular und spricht von ‘Entartung’ oder um ihn genau zu zitieren: ‘Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.’ [hier]
Widmann bewertet, dass Meisners Katholizismus totalitär sei:
Der Anspruch darauf, überall und in allem das letzte Wort zu haben, wird derzeit von niemandem so vorbehaltlos, ja so schamlos vorgetragen wie von Joachim Meisner. Er weiß nicht nur genau, wie Ehepaare sich zu verhalten haben, er weiß auch, was Kunst ist und keine. Er weiß ganz genau wie Gott verehrt werden möchte und dass nur Männer ihm als Priester dienen dürfen. Besorgniserregend ist freilich nicht der totalitäre Wahn von Meisners Glauben. Besorgniserregend wäre eine Gesellschaft, die ernst nimmt, die ihm mit Respekt begegnete.
Bleibt zu hoffen, dass die Position des Herrn Meisner beim nächsten sicher kommenden Meisner-Feuilleton-Bashing einmal Schaden nimmt und er sich nicht wieder für eine Beförderung nach Rom profilieren kann. Ich frage mich, was er äußern muss, damit die Kölner Katholiken ihm mal altes Obst an die Kanzel klatschen.


3 Kommentare
“Besorgniserregend wäre eine Gesellschaft, die ernst nimmt, die ihm mit Respekt begegnete.” Schon die Verwendung des Konjunktiv lässt klar werden, wie Widmann Meisner sieht: Als jemanden, der sich zwar positioniert, aber von keinem mehr ernstgenommen wird. Würden sich mehr in unserer Kultur so konsequent verhalten, hätte man wenigstens wieder mal Partner im allgemeinen Diskurs – wobei ich mich hier auf das Positionieren an sich beziehe, nicht auf Meisners Inhalte.
Dass diese in ihrer vorgespielten Gutsherrenart nur noch belächelbar sind, sei dahingestellt. Er will wahrscheinlich zeigen: Seht her, ich habe noch echte Prinzipien! Doch mit seinem hilflosen Zurückrudern stellt er sich auf die selbe Stufe wie die anderen gesellschaftlichen Organe, die sich in wachsweichen Kampfansagen ergehen und sich in jedem dritten Satz relativieren bzw. es immer “nicht so gemeint haben” wollen.
Flaschen halt.
Natürlich braucht man klare und divergente Positionen, um Dinge auszuhandeln. Aber: Mit Fundamentalisten kann man schwer diskutieren. Man weiß zwar, wo sie im Diskurs stehen würde, aber letztendlich reden sie nicht mit, sondern tragen nur vor (damit sind sie zwar Impulsgeber aber keine Partner).
Guter Einwand, der auf jeden Fall bei Meisner greift.
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