CSD in Leipzig soll unpolitisch harmlos bleiben

Quelle und info: siehe Link.Zum Abschluss der CSD-Woche in Leipzig, soll am 21. Juli auf dem Nikolaikirchhof eine Demonstration zum Thema “Gleiche Chancen für gleiche Liebe” veranstaltet werden. Ein ziemlich politisch korrekter Titel. Eine ebenso politisch korrekte Veranstaltung mit voraussehbaren Inhalten ist zu erwarten. Ein paar Leute werden sprechen, es wird ein bisschen gefeiert, Cliquen-Atmosphäre wird spürbar sein. Es ist ja wohl ohnehin so, dass die CSDs inzwischen vom heterosexuellen Publikum leben, und Lesben und Schwule zu Hause bleiben. Doch etwas stört dann doch plötzlich das Bild: Herr Worch will mit seiner Truppe am gleichen Tag in Leipzig aufmarschieren. Wie unangenehm. Plötzlich sieht man das Gläschen Prosecco und das unauffällig bunte Fest in Gefahr. Anstatt zu sagen, dass man sich auch mal direkt den braunen für Toleranz und Menschenrechte entgegenstellt, beklagt man sich nun bei der Stadt, die den Aufmarsch zuerst nicht verboten hatte:

Dass aber die mehrmals öffentlich bekundete Sorge der Veranstalter um einen geregelten Ablauf der Parade und die Sicherheit der Teilnehmer von der Stadt Leipzig ignoriert zu werden scheint, stößt auf absolutes Unverständnis. [Daniel Gollasch/CSD-Leipzig]

Tja, es ist schon unangenehm, wenn man aus der furchtbaren ostdeutschen Provinz nach Leipzig flieht und dann dort doch irgendwann wieder auf die kahlgeschorenen ehemaligen Klassenkameraden stoßen muss. Äks! Klar ist verständlich, dass man sich um die Sicherheit sorgt. Aber natürlich liefen die Demos unter Polizeischutz. Kein Grund also, solche Schlappschwanzqualitäten zu zeigen. Vielleicht geht es ja aber auch um etwas anderes. Neben der Angst, sich nicht nur im Kämmerlein verbal äußern zu müssen, könnte das geplante Utopia-Straßenfest der AGL den CSDlern missfallen. Eine gut besuchte, politische Veranstaltung dieser Art könnte einem die bunte Schau stehlen. Vielleicht würde dann noch klarer, dass die CSD-Schwulen und -Lesben eigentlich zu vernachlässigend harmlos sind… Leider. Get up, stand up!

4 thoughts on “CSD in Leipzig soll unpolitisch harmlos bleiben”

  1. Natürlich stellen wir uns auch direkt den braunen für Toleranz und Menschenrechte entgegen, so wie es in Eurem Text gefordert wird. Zu den Gegendemonstranten zählten immer auch viele Schwule und Lesben.

    Das der CSD zeitgleich zum Worchaufmarsch stattfindet ist von uns nicht beabsichtigt gewesen. Unsere Demonstration (Die im Gegensatz zu anderen CSDs tatsächlich eine politische Demonstration und keine Prosecco-Parade ist) abzusagen und alle zu bitten sich Worch in den Weg zu stellen wäre natürlich eine Option. Allerdings hieße das auch, sich von den Nazis disktieren zu lassen ob ein CSD stattfindet oder nicht. Und das will ja sicherlich niemand.

    Zweitens finde ich es arg überheblich von Schlappschwanzqualitäten zu sprechen, wenn man sich um die gefahrlose An- und Abreise von CSD-Teilnehmenden sorgt.

    Besten Gruß und uns allen viel Erfolg – wo auch immer – am 21.

  2. @Daniel:Ja, ist schwierig.

    Vielleicht sollte man noch mal festhalten: zum Aufmarsch des Herrn Worch kommen möglicherweise Leute, die die An- und Abreise von Besuchern des CSD gefährden (Kloppe im Zug).

    Der CSD ist eine politische Veranstaltung, die sich für Menschenrechte (queer rights are human rights) einsetzt.

    Man möchte sich nicht diktieren lassen, wie ein CSD ablaufen soll.

    Nochmals, ist schwierig. Aber krass ist auch, dass während der CSD vor sich hin läuft, Aktivisten außerhalb des CSD ein Queerstellen (Doppel-E) gegen den Aufmarsch planen.

    Vielleicht wäre ein Kompromiss doch angebracht (kurze Exkursion zum Worch-Zug oder Einladung der Antifa zum CSD und gemeinsames Programm …). Man stelle sich einmal vor, wenn man vor Worch-Freunden keine Angst hätte und diese mit einer lustigen, bunten Gegenparty konfrontierte. Aber vielleicht würden dann nicht viele mitmachen? Ich weiß es nicht. Nochmals, schwierig ist es. Eine Hamlet-Situation. Die CSD-Planer sind da nicht zu beneiden. Ganz ehrlich meine ich das.

    Meinen satirischen Ton (Schlappschwanzqualitäten) hast du sicher wahrgenommen, und–PS–den Pluralis majestatis brauchst du nicht zu verwenden. 😉

    Viel Erfolg auch am 21. und für den CSD in Leipzig im Allgemeinen!

    Liebe Grüße

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