Heiligendamm ein Erfolg

Irgendwie waren doch alle erfolgreich in Heiligendamm. Die Aktion “Block G8” lebte Antikapitalismus: Tausende Leute kamen zusammen und kauften nichts. Da die Polizei (vgl. G8-TV) den Nachschub an Decken, Lebensmitteln und Wasser stoppte, schmierten Einwohner Stullen für die Globalisierungskritiker. Verschiedene Blockierer fragten im Gegenzug wohl sogar Mülltüten an, um den Abfall nicht in der Gegend liegen zu lassen. Schon nach dem ersten Tag gab die Polizei das Räumen der Zufahrten zum Gipfelgelände auf, so dass der Nachschub an Medienvertretern, hochwertigen Frischlebensmitteln etc. nur über den Seeweg funktionierte.

Auch für die Polizei war der Einsatz wohl ein Erfolg. Der Einsatzleiter der Polizei Knut Abramowski meinte gestern, dass die Aufgabe der Polizei gewesen sei, die Staatsgäste zu schützen und einen ungestörten Ablauf des Gipfels sicherzustellen. Dies sei gelungen. In den Gewaltausbrüchen, die trotz der “Deeskalierungsstrategie” der Polizei zu verzeichnen waren, sieht er eine moralischen Verrohung der Täter. Zur Deeskalierungsstrategie der Polizei passt sicher dieses Video [via Looza].

Für mich bleibt trotz des beidseitigen Erfolgs die Erinnerung an eine verschrobene Bewertung aufseiten der Polizei (Schutz eines Zauns vs. körperliche Unversehrtheit von Gipfel-Kritikern), der mögliche Einsatz von Agents Provocateurs, Bilder von fast von Schiffsschrauben zerhäckselten Greenpeace-Aktivisten und Käfigen in Gefangenlagernsammelstellen, Juristen, die von “Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung” sprechen, deutschen Medien, die ungeprüft Pressemeldungen übernehmen und das Verteilen von Flugblättern auf Pressekonferenzen plus die Reaktion von Putin unter “Vermischtes” laufen lassen. Es bleiben auch Bilder von Vermummten, die gegen strukturelle Gewalt protestieren und selbst Steine auf Polizisten werfen.

Bei all den verschiedenen Eindrücken denke ich immer wieder, man sollte sich vermehrt “Cui bono?” fragen. Ach übrigens, bei SpOn heute zu lesen: der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, kündigt eine stärkere Überwachung von Autonomen an, während in Halberstadt Theaterleute von Rechtsextremen zusammengeschlagen werden.

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