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Monthly Archives: June 2007

Erfolg und Zensur bei Microsofts Live-Suche

Wie Manniac schreibt ist Microsofts Live-Suche auf dem Vormarsch. Allerdings:

Schon früh berichteten Blogs und Nachrichtenmagazine über das selektive und oft nicht nachvollziehbare Zensur-Verhalten der Microsoft-Suchmaschine. So lässt sich über live.com nicht nach Begriffen suchen, in denen “Penis”, “Vagina”, “Weiber”, “zensiert”, “erotische Fotos” oder “über18? vorkommt. Andere Begriffe, wie “Pädophile” oder “Sex mit Kindern” führen dagegen problemlos zu Kinderschutz-Informationsseiten, Bundesstaatsanwaltschaften und Spiegel-Artikeln.

Auch wissen wir kaum, nach welchen Kriterien Microsoft seine Suchmaschine anweist, bestimmte Themen verdeckt stärker zu gewichten als andere. Zum Beispiel könnte es Webseiten, die sich auf sogenannten “family values” beziehen häufiger anzeigen, als Seiten mit bezug auf alternative Lebensformen […]. “Live Search” geht dabei nur grob darauf ein, wie diese familien-freundlichkeit zu verstehen ist: Nämlich darin, dass sexuellen Inhalte grundsätzlich als Angriff auf die Familie gewertet werden und kompromisslos erst mal gefiltert werden.

Nun fragt man sich, warum M$ auf diese Art einzelne Begriffe filtert. So richtig überzeugt scheint man nämlich nicht zu sein, was sich daran zeigt, dass ein Suchbegriff wie “Weiber” zwar keine Ergebnisse liefert, eine Kombination mit einem trivialen Wort aber eben schon. D. h. es gibt Ergebnisse für “Weiber die”, “Weiber es” und sogar “Weiber www”, wobei das “www” tatsächlich das in der Adresse sein kann. Auch Kombinationen böser Begriffe, wie “Weiber Penis”, “Weiber zensiert” etc. und sogar Reduplikationen liefert Ergebnisse. Drei Gründe scheint es zu geben: 1.) Man will kleine Kinder und Retardierte vor bösen Inhalten schützen -> Kann nicht sein, weil eben auch so komplizierte Begriffe wie “zensiert” zensiert werden (wenn das kein Insiderwitz ist)). 2.) Man will ganz elementar zeigen, dass man Inhalte kontrolliert, was im Rahmen der Störerhaftung in Deutschland (sprich: staatliche Zensur) ja wichtig sein kann. -> Kann nicht sein, weil auch englische Begriffe wie “cunt” gefiltert werden. 3.) M$ beteiligt sich an der großen Verschwörung. Irgendwann wird man es erkennen… Erst fing es mit der Einführung neuer Grammatikregeln bei der englischen Word-Korrektur an, ging über die Reinstallation des garstigen Bob in der XP-Suche weiter und nun kommt diese absurde Sucheinschränkung. Microsoft weiß, dass kleine–augenscheinlich unwichtige–Veränderungen/Störungen auch ihre Wirkung tun (vgl. “A Sound of Thunder”/Bradbury)… 😉

Für mich lehne ich die Live-Suche ganz grundsätzlich ab, weil ich Zensur (auch wenn sie absurd ist) nicht gut heißen kann. Außerdem werden Suchergebnisse bei der Bilder-Suche in meinem Browser nicht richtig angezeigt. Ich vertraue auf eine Kombination aus ODP, Google, Yahoo, Technorati und anderen. Und überhaupt scheint mir eine Kombination aus vielen ideal, denn Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft sondern verringert auch die Zensur. Nach dem Motto “Internet is for Porn”, will der Otto-Normal-Familienvater eben bei der Suche nach “Weibern” explizites Material finden.

CSD in Leipzig soll unpolitisch harmlos bleiben

Quelle und info: siehe Link.Zum Abschluss der CSD-Woche in Leipzig, soll am 21. Juli auf dem Nikolaikirchhof eine Demonstration zum Thema “Gleiche Chancen für gleiche Liebe” veranstaltet werden. Ein ziemlich politisch korrekter Titel. Eine ebenso politisch korrekte Veranstaltung mit voraussehbaren Inhalten ist zu erwarten. Ein paar Leute werden sprechen, es wird ein bisschen gefeiert, Cliquen-Atmosphäre wird spürbar sein. Es ist ja wohl ohnehin so, dass die CSDs inzwischen vom heterosexuellen Publikum leben, und Lesben und Schwule zu Hause bleiben. Doch etwas stört dann doch plötzlich das Bild: Herr Worch will mit seiner Truppe am gleichen Tag in Leipzig aufmarschieren. Wie unangenehm. Plötzlich sieht man das Gläschen Prosecco und das unauffällig bunte Fest in Gefahr. Anstatt zu sagen, dass man sich auch mal direkt den braunen für Toleranz und Menschenrechte entgegenstellt, beklagt man sich nun bei der Stadt, die den Aufmarsch zuerst nicht verboten hatte:

Dass aber die mehrmals öffentlich bekundete Sorge der Veranstalter um einen geregelten Ablauf der Parade und die Sicherheit der Teilnehmer von der Stadt Leipzig ignoriert zu werden scheint, stößt auf absolutes Unverständnis. [Daniel Gollasch/CSD-Leipzig]

Tja, es ist schon unangenehm, wenn man aus der furchtbaren ostdeutschen Provinz nach Leipzig flieht und dann dort doch irgendwann wieder auf die kahlgeschorenen ehemaligen Klassenkameraden stoßen muss. Äks! Klar ist verständlich, dass man sich um die Sicherheit sorgt. Aber natürlich liefen die Demos unter Polizeischutz. Kein Grund also, solche Schlappschwanzqualitäten zu zeigen. Vielleicht geht es ja aber auch um etwas anderes. Neben der Angst, sich nicht nur im Kämmerlein verbal äußern zu müssen, könnte das geplante Utopia-Straßenfest der AGL den CSDlern missfallen. Eine gut besuchte, politische Veranstaltung dieser Art könnte einem die bunte Schau stehlen. Vielleicht würde dann noch klarer, dass die CSD-Schwulen und -Lesben eigentlich zu vernachlässigend harmlos sind… Leider. Get up, stand up!

"Ich sing für die Verrückten": Rede zum Henryk-M.-Börne-Preis

Henryk M. Broder – Dankrede anlässlich der Börne-Preis-Verleihung in Frankfurt bei D-Radio als Podcast.

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Link: hier.

Der Spiegelfechter sieht’s kritisch.

(Sch/St)öckchen: Das Messer Ruft

Morgen werde ich mich ans Messer liefern, denn Ubi pus, ibi evacua. Der Anästhesist warf mir in Vorbereitung darauf schon mal ein Schöckchen zu. Ich habe das ja mit den Stöckchen in Blogs nie verstanden. Wo kommen die her? Wird man dazu aufgefordert, oder nimmt man sich die irgendwo und warum überhaupt, und protestieren nicht so viele Menschen gegen Vorratsdatenspeicherung und geben dann ganz freimütig etc…

1.) Welchen Beruf üben Sie aus?
Ich bin Angestellter und Freiberufler in den Bereichen Bildung und Kunst. Warum ist das wichtig?

2.) Tragen Sie ein Hörgerät?
Nein.

3.) Tragen Sie Kontaktlinsen?
Mit Brille sehe ich angenehmer aus. Die verbirgt meine Augenringe und lässt mich, da ich übersichtig bin, wacher aussehen.

4.) Tragen Sie herausnehmbaren Zahnersatz?
Nein. Aber die Beschaffenheit meiner Zähne deutet darauf hin, dass es nicht ewig so weitergehen kann.

5.) Befanden Sie sich in letzter Zeit in ärztlicher Behandlung?
Hier fängt das ärztliche Schöckchen an unpräzise zu werden. Was heißt “in letzter Zeit”? Ich habe mich letzte Woche impfen lassen. Ob das zählt?

6.) Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
Nein.

7.) Wurde bei Ihnen schon einmal eine Operation mit Betäubungsverfahren durchgeführt?
Nope.

8.) Haben Sie schon einmal eine Bluttransfusion bekommen?
Bisher nur gespendet, und zwar entgeltfrei beim Roten Kreuz.

9.) Haben Sie für die vorgesehene Operation Eigenblut gespendet?
Jetzt bin ich verunsichert. Hätte ich das tun sollen? Wäre bestimmt besser gewesen. Aber eigentlich sollte nicht so viel Blut fließen. Doch wer weiß? Gibt es im Moment genug Spenderblut? Gerade am Sommeranfang ist doch immer das Blut knapp, oder? Die vier Feinde der Blutspendedienste: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das war zumindest das, was mir das DRK nach meinen Blutspenden jahrelang geschrieben hatte. Oder so ähnlich? Ich weiß nicht mehr.

10.) Leiden oder litten Sie an einer der folgenden Krankheiten?
Nein, außer bei der Sache mit diesen wuscheligen mausefangenden Dingern. Ich scheine fast absolut gesund zu sein. Da wundert es mich schon, dass es mir immer so schlecht geht. Ja, man wirft mir zuweilen vor, Hypochonder zu sein. Schnickschnack! Wenn man ab und an befürchtet, eine todliche, unheilbare Krankheit zu haben, dann muss das doch nicht krankhaft sein? Oder? Noch nie gedacht, dass Sie, lieber Leser, Krebs haben könnten (diverse Arten), HIV, eine Blutvergiftung, einen schlimmen Herzfehler, Tuberkulose oder auch Mukoviszidose? Nein? Oh! Naja… *Räusper (Bronchitis?)*

Hier breche ich mal ab, und erkenne, das Stöckchen nichts für mich sind. Sie machen mich nur fertig und produzieren unnützen Traffic für die Feed-Abonnenten, was in Zeiten globaler Erwärmung, kleinerer Salate in der Mensa, Nutten im Leipziger Rathaus, Nazis auf dem Triptiser Markt und so weiter nicht angebracht scheint.

Ja, wünscht mir Glück! Ich wünsche dem Operateur ein gutes Auge und eine ruhige Hand. War schön mit euch! Macht’s gut! (Ich hoffe, dass ich schon wieder übertreibe…)

Info: cf. link.

Kein Ikea in der Mensa Petersteinweg

lampe_mensa_petersteinweg.jpg

Von Ikea ist diese Lampe jedenfalls nicht. Wo kauft man denn solche Schmuckstücke? Gibt es Versandhauskataloge für neu eingerichtete Mensen mit engen Speiseräumen, großen Treppenhäusern und kleiner werdenden Salattellern? Hat das Studentenwerk eine DDR-Retro-Abteilung in der jene Menschen für die Beschaffung zuständig sind, die man nach der Wende weder entlassen, noch auf irgendwelche anderen Verwaltungsposten abschieben konnte?

Einen Architekten scheint die neue Mensa Petersteinweg indessen nicht gesehen zu haben. Die Gänge sind lang und breit, jedoch die Monitore und Aufladegeräte so positioniert, dass Menschentrauben ständig den Weg in das und aus dem Gebäude blockieren, die Ausgabetheke für den Salat hat eine Tiefe, dass man die Dame dahinter anbrüllen muss, für ein gesittetes Anstellen gibt es kein brauchbares Muster und bei der Rückgabe des Geschirrs schlägt man sich den Kopf an. Eieiei! Naja, aber wenigstens gehen dort die Prostituierten nicht ein und aus. Das ist schon mal was.

Coqueluche de Heiligendamm, oder so…

Von der Kommunikationsguerilla stammt eine virtuelle Ernst’sche Dekalkomanie zum G8-Gipfel-Protest. Der Titel: “Les coquelicots de Heiligendamm”.

Quelle   Info: vgl. Link.

Grundlagen des Werks: hier und da.

Bayreuther Donnerträchtigkeit

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Das ist übrigens ein Nachteil einer Campusuniversität, die mitten zu flacher Erde steht und deren Gebäudedächer aus Blech sind: Bei einem Gewitter schlägt ständig ortsnah der Blitz ein. Jetzt vermute ich auch, zu wissen, warum der zentrale Platz abgesenkt ist. Es soll vermieden werden, dass reihenweise Studenten vom Blitz erschlagen werden, wenn sie die Freifläche queren.

Heiligendamm ein Erfolg

Irgendwie waren doch alle erfolgreich in Heiligendamm. Die Aktion “Block G8” lebte Antikapitalismus: Tausende Leute kamen zusammen und kauften nichts. Da die Polizei (vgl. G8-TV) den Nachschub an Decken, Lebensmitteln und Wasser stoppte, schmierten Einwohner Stullen für die Globalisierungskritiker. Verschiedene Blockierer fragten im Gegenzug wohl sogar Mülltüten an, um den Abfall nicht in der Gegend liegen zu lassen. Schon nach dem ersten Tag gab die Polizei das Räumen der Zufahrten zum Gipfelgelände auf, so dass der Nachschub an Medienvertretern, hochwertigen Frischlebensmitteln etc. nur über den Seeweg funktionierte.

Auch für die Polizei war der Einsatz wohl ein Erfolg. Der Einsatzleiter der Polizei Knut Abramowski meinte gestern, dass die Aufgabe der Polizei gewesen sei, die Staatsgäste zu schützen und einen ungestörten Ablauf des Gipfels sicherzustellen. Dies sei gelungen. In den Gewaltausbrüchen, die trotz der “Deeskalierungsstrategie” der Polizei zu verzeichnen waren, sieht er eine moralischen Verrohung der Täter. Zur Deeskalierungsstrategie der Polizei passt sicher dieses Video [via Looza].

Für mich bleibt trotz des beidseitigen Erfolgs die Erinnerung an eine verschrobene Bewertung aufseiten der Polizei (Schutz eines Zauns vs. körperliche Unversehrtheit von Gipfel-Kritikern), der mögliche Einsatz von Agents Provocateurs, Bilder von fast von Schiffsschrauben zerhäckselten Greenpeace-Aktivisten und Käfigen in Gefangenlagernsammelstellen, Juristen, die von “Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung” sprechen, deutschen Medien, die ungeprüft Pressemeldungen übernehmen und das Verteilen von Flugblättern auf Pressekonferenzen plus die Reaktion von Putin unter “Vermischtes” laufen lassen. Es bleiben auch Bilder von Vermummten, die gegen strukturelle Gewalt protestieren und selbst Steine auf Polizisten werfen.

Bei all den verschiedenen Eindrücken denke ich immer wieder, man sollte sich vermehrt “Cui bono?” fragen. Ach übrigens, bei SpOn heute zu lesen: der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, kündigt eine stärkere Überwachung von Autonomen an, während in Halberstadt Theaterleute von Rechtsextremen zusammengeschlagen werden.

Scheinheiligendamm-Links

Zwanzig in einem Käfig, 24 Stunden Licht” / ARD: Britta Scholtys berichtet über unwürdige Zustände in den Gefangensammelstellen (“GeSa” / Warum wird der Begriff ungefragt übernommen? Wenn das ganze in einem anderen Land wäre, würde man es sicher einfach “Gefangenenlager” nennen.), die Meinung von ai und die Verschleppungstaktik der Polizei.

Dokumentierte Polizeigewalt I … n” / Konsumblog: Ralph dokumentiert und verlinkt. Unter anderem das inzwischen sehr bekannte T-Shirt-Foto. Da gibt es auch den Link zum Interview-Video mit Anwältin Katja Herrlicher zur Polizeigewalt.

Anwaltlicher Notdienst: Polizei setzt vermummte Zivilbeamte ein” / ddp: Bereits in den letzten Tagen besprochen… Hier noch die Junge Welt mit einem O-Ton.

Au ja, und dann noch dieses Video. Ich habe die Bilder schon aus einer anderen Perspektive in den Nachrichten gesehen. Dort lief es aber nicht bis zum Ende:

Interessant ist Donalds Kommentar dazu beim Spiegelfechter.

Dieser berichtet über den “MedienGAU Rostock“: Sehr umfänglich zeigt er das Versagen diverser tradierter Medien.

Unheiliger Damm” / Friedrich Schorlemmer: “…Die G 8-Protestbewegung repräsentiert augenblicklich das Weltgewissen. Die Regierenden täten nicht nur gut daran, sondern würden ihre Pflicht erfüllen, wenn sie alles daran setzten, den Dialog zu suchen – wenn sie miteinander alles täten, damit die Anwendung von Gewalt unterbunden bleibt. …” Auch Herr Enzensberger gab kürzlich noch seinen Senf (€) dazu.

G8: Einsatz der Bundeswehr im Innern?

Leider scheinen die öffentlich-rechtlichen irgendwie “embedded” zu sein. Gestern in den Tagesthemen wurde berichtet, dass die um Heiligendamm eingesetzten Hubschrauber Polizeieinsatzkräfte lediglich nach Einsätzen abholten. Bei G8-TV war da etwas ganz anderes zu sehen. Ein bisschen nach Black Hawk Down oder Apocalypse Now sah es aus. Dort gab es auch einen Bericht über im Inneren eingesetzten Bundeswehrangehörige und gepanzerte Fahrzeuge. Leider konnten die Herren Soldaten nicht erklären, auf welcher Rechtsgrundlage sie denn tätig seien. Den Einsatz der Armee erlaubt das Grundgesetz in Friedenszeiten nur bei besonderen Krisen und Katastrophen. Im Rahmen der Amtshilfe ist die Bundeswehr berechtigt, Polizei und Behörden zu unterstützen. Das müsste so ein Soldat aber schon wissen, schließlich wird er auf die Verfassung vereidigt…

Profundes Wissen bei Spiegel-TV

Bei Janita Hämäläinen von Spiegel-TV ist Bono ein britischer Kollege von Campino. Siehe hier (@ 3’22”).

Rufus Wainwright: “Release The Stars In Stores Now”…

PD

schreibt die News-Abteilung von Rufus Wainwright am 14. Mai. Es ist ein Lacher. Wenn man Amazon.de glaubt, liegt das Album erst seit heute dort bereit. Bei iTunes bekommt man es auch erst seit dem 25. Mai. Für echte Rufus-Wainwright-Fans außerhalb des UK und der USA gab es als Option in der Zwischenzeit nur allofmp3. Das Album dort zu kaufen, war nicht etwa nur viel billiger, sondern eben die einzige (!) Option. Es ist echt verrückt, wie die BBC schon seit Wochen für Geffen Werbung für die Platte macht, sie jedoch niemand hierzulande kaufen kann.

Am 25. Mai habe ich eine rechte-mininimierte Version bei iTunes erworben und mich gleich wieder darüber geärgert, dass ich die Lieder nicht sofort auf meinem MP3-Player anhören konnte. Umweg also über eine CD und CDex. Zum Glück ist wenigstens das erlaubt.

Wie zu erwarten, ist “Release the Stars” nicht schlecht. Wenn man Rufus nicht als “Geheule” einschätzt, wird man nicht enttäuscht. Die meisten Lieder klingen wie die Titel auf Want Two, also nicht übel, sondern barock, opulent, herzzerreißend prall. Es sind keine großen Hits dabei, aber das Album insgesamt ist sehr solide. Der beste Titel, “Going to a Town,” glänzt erstaunlicherweise durch fehlende Wainwright-Pomade, wird aber wohl auch keine Nummer 1 werden, da er für Amerika zu politisch und für den Rest der Welt dann doch zu speziell ist.

“Neuschwanstein und Bayreuth haben mich tief berührt” sagte der Sänger noch im Vanity-Fair-Interview. Richtig glaubhaft ist sein Interesse an Deutschland nicht, denn wenn man sich die Tourdaten ansieht, stellt man fest, dass hier nicht ein einziger Auftritt geplant ist–trotz Aufnahme des Albums in Berlin, deutschem Lebensgefährten, dem Lied “Tiergarten” (sprich: “tear garden”) …

Source + info: vgl. link.Wer Herrn Wainwright für seine Ignoranz Europa gegenüber nicht abstrafen möchte, noch keinen Geschenkgutschein bei allofmp3 eingelöst hat und auch keine englische Importversion bestellt hat, kann bei Amazon ab heute das Album bestellen. Vielleicht–aber das kann man, angesichts des zurückhaltenden Verkaufs, nicht wissen–gibt es die Scheibe sogar im “normalen” Musikladen.

Übrigens hat D-Radio auch gerade (10.42-10.50 Uhr) das Werk rezensiert. Einen Podcast-Link scheint es allerdings nicht zu geben. Tenor dort: barock, zuweilen kitschig aber nett.