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Ein Browser ist ein Netzleser

Im Allgemeinen sind Browser Programme, mit denen Textdateien betrachtet werden können. To browse bedeutet im Englischen stöbern, und genau das tut nun der Browser: er stöbert (durch Verzeichnisse, Textdokumente, Skripte etc.).

Nun denkt man aber bei Browser vor allem an Web-Browser, also den Internet Explorer, Safari, Mozilla, Opera, Firefox, Konqueror oder gar den Netscape Navigator. Diese Programme sind allgegenwärtig, nur man redet nicht über sie. Browser (gesprochen: ‘Brauser’) kommt den Menschen schwer über die Lippen (ausgenommen sind natürlich die Netzarbeiter). Warum gibt es da kein deutsches Wort? Mit einem einfach zu merkenden deutschen Wort könnte man auch die Alleinstellung des IE bei Windows leichter brechen. “Wie gehen Sie ins Internet?” “Da starte ich mein’ Internet (Explorer) und gebe da die Adresse ein.” …

Die Macher des weltbesten* Internetbrowsers Opera (gesprochen: ‘Oppera’) sitzen in Oslo/Norwegen. Wenn man sie fragte was denn ein Browser sei, würden sie vielleicht so etwas sagen wie,

En nettleser (engelsk browser) er et program som brukes til å vise innhold fra internett som finnes i HTML-formatet. Nettleserens jobb er å ‘oversette’ HTML-kodene som angir plassering av tekst og bilder og vise dette i henhold til koden. Nettlesere opererer vanligvis på den delen av internett som kalles Verdensveven (WWW — World Wide Web). [Hier]

Und da kommt es schon vor: nettleser. Die Norweger verwenden diesen Begriff. Die deutsche Variante Netzleser könnte ein Ersatz für genanntes Problem sein. Ein paar Leute fordern diese Bezeichnung schon: der Wupperbayer oder der SoeDib. Der auf mich sehr suspekt wirkende Verein Deutsche Sprache e. V. (da wird auf der Website Erika Steinbach gefeatured und bei der Abkürzung “e. V.” verzichtet man auf das Leerzeichen zwischen den beiden Buchstaben) empfiehlt in seinem merkwürdigen Anglizismen-Index den Begriff Navigator, der unmöglich ist, da er als Begründungsgrundlage nur das Netscape-Produkt hat und keinem Menschen natürlich über die Lippen kommt.

Deswegen stelle ich folgende These zur Diskussion: Das Wort Netzleser ist eine brauchbare deutsche Bezeichnung für Webbrowser.

Netzleser, der; -s, – (EDV): 1.) Software zum Finden und Ansehen von Inhalten im World Wide Web. 2.) jmd., der etw. im Internet liest.

Ich bin mir bewusst darüber, dass man nicht nur mit Webbrowsern im Netz lesen kann. Übrigens sollte klar sein, dass ich kein Anglizismenhasser bin. Ich habe jedoch sehr viel mit netztechnisch unbeleckten Leuten zu tun, für die Bezeichnungen wie Browser oder Client immer noch unmöglich schwer sind. Diese Wörter gehen einfach nicht in den Kopf rein. Und das, obwohl diese Menschen täglich mit solchen Applikationen arbeiten. Noch etwas: im Englischen gibt es neben dem browser auch readers. Z. B. wenn es um RSS-Feeds oder PDF-Dokumente geht.

5 Kommentare

  1. Christian wrote:

    Hiermit melde ich eine Teilurheberschaft an dem Wort “Netzleser” an.
    Das Wort wurde am 21. Februar gegen 23.15 mitteleuropäischer Ortszeit in einem Telefonat mit dem Betreiber dieses Netzangebotes kreiert.

    Wednesday, February 21, 2007 at 11:45 am | Permalink
  2. Horatiorama wrote:

    Haste Recht. Allerdings haben wir es nicht zum ersten Mal kreiert. Aber das ist halt so ein Ding mit der genuinen Autorschaft… Ist nicht so einfach wie bei der Schwampel.

    Wednesday, February 21, 2007 at 12:12 pm | Permalink
  3. Barti wrote:

    Netzleser? Nicht schlecht und allemal besser als Browser. Noch besser und logischer finde ich freilich “Brauser”. Das sehen offenbar auch weitere 50 000 Seitenbetreiber, die laut Google auf deutschen Seiten “Brauser” schreiben. Mit einem Brauser durchs Internet brausen – passt doch, oder?

    Thursday, February 22, 2007 at 7:21 pm | Permalink
  4. Mae wrote:

    Vielen dank, ich schreibe gerade eine Anleitung und alternative Übersetzung für das Programm TiddlyWiki und bin am verzweifeln. Es gibt so viele Begriffe, die vielen einfach nicht so leicht über die Zunge kommen, und merkwürdiger weise dann eben nicht im Kopf haften bleiben.
    Ein Tag, das ist für mich das Gegenteil von Nacht, oder vielleicht auch noch 24 Stunden am Stück. Doch im EDV-Jargon ist der Tag etwas vollkommen anderes. Es sitzt in MP3-Stücke, oder auch haufenweise in HTML-Dokumenten…
    Warum also nicht Täk schreiben, das Wort ist noch recht frei. Es gibt den Täck, das ist eine Art Nagel. Und es klingt so wie man Tag in english aussprechen würde.
    Aber Brauser? Bildschirm-Brause – wie?
    Netzleser, das geht in diesem Kontext ja gar nicht: Schließlich arbeitet man mit dem TiddlyWiki in erster Linie offline.
    Schön aber zu wissen, das es Leute gibt, die durch aus auch einmal über die Technischen Begriffe grübeln.
    Warum schreibt man Händy in englischer Schreibweise? Und warum ist die Computersprache nur als Fachlatein vorhanden, obwohl das doch ein Instrument für jeden sein soll?

    Sunday, December 6, 2009 at 1:57 am | Permalink
  5. Horatiorama wrote:

    Tag und Tag halte ich für besonders schlechte Beispiele für eine Kritik. Die sind doch für keinen vernünftigen Deutsch-Muttersprachler ein Problem! Das eine ist sächlich, der andere ist männlich. Damit ist es viel einfacher als bei einer ganzen Reihe deutscher Homonyme und Polyseme. Außerdem wird das Tag schon seit mindestens Anfang der Neunziger auch nichtfachsprachlich verwendet, wenn man über Sprayer redet (vgl.). Wer seit zwanzig Jahren schläft, dem ist wohl auch sprachlich kaum noch zu helfen. Also: Warum lässt du das Tag nicht einfach das Tag sein, auch in der Übersetzung?

    Bei “Netzleser” ist etwas anderes problematisch–nicht aber das Netz. Wenn man sich einmal anschaut, was viele Leute heute im Netz tun und was noch mehr Leute in Zukunft im Netz tun werden, wird klar, dass Lesen nur eine Tätigkeit unter vielen ist. Eine große Zahl Menschen tippt wohl eher eine Adresse in die Adress-Zeile und klickert sich ab dann rgendwie “interaktiv” durch (z. B. von Video zu Video, zu Pornobildchen, zu Flash-Animationen).

    Deine Fragen sind interessant. Neben den persönlichen Antworten–”I find ‘Handy’ much more handy than ‘Funktelefon’”–gibt es aber auch viel Literatur dazu (Z. B. Fleischer/Barz).

    Viel Erfolg beim Über-Setzen!

    PS: Ich finde es ja lustig, dass du als Übersetzer die Rheinische Verlaufsform verwendest. ;-)

    Sunday, December 6, 2009 at 12:16 pm | Permalink

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