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Der Hetero-Analverkehr ist die Metrosexualität des kleinen Mannes: Dietmar Dath zum Arschfick

Bristol Stool ChartMan kann eigentlich ebensogut auch gleich mal über das Anale reden. Dafür sind wir Deutschen ja prädestiniert. Man sieht es an unseren Schimpfwörtern und Flüchen und eben unseren popkulturellen Provokationen, wie Dietmar Dath sie in der von satt.org feierlich mit Lorbeerkranz ausdrapierten Abhandlung beschreibt und zugleich zelebriert. Aber vielleicht geht das schon zu weit und man muss mit einem Gegenwartsbezug beginnen, denn zwar feiert Frank Fischer den Dath’schen Traktat am 6. Januar, jedoch stammt jener bereits vom April 2006 und bezieht sich auf ein Musikstück, dass noch viel älter ist.

Also: “Gas-Like Odor Permeates Parts of New York City,” schreiben Christine Hauser und Sewell Chan am 8. Januar in der New York Times: “The smell was reported from midtown to Battery Park City, and strong odors were reported in Jersey City.” Behörden versuchten an jenem Tag den Beschwerden vieler Einwohner New Yorks nachzugehen, die sich auf einen penetranten faulgasähnlichen Geruch in der Stadt bezogen. Faulgas (natural gas), das ist vor allem Methan, aber eben auch Schwefelwasserstoff (schon einmal an faulen Eiern gerochen?). In der Natur entsteht dieses Gas, von anaerob lebenden Bakterien gebildet, in stehenden Gewässern und Sümpfen, weshalb es auch Sumpfgas genannt wird. Es wird aber auch im Darm von Tieren und Menschen und im Pansen von Wiederkäuern erzeugt. Wie dem auch sei, roch es in New York nach Sumpf, Faulturm, Kuhrülps, Fleischfurz oder eben nach Faulgas. Angestellte wurden aus Bürogebäuden evakuiert, Belüftungsanlagen ausgeschaltet, Schulen geschlossen, doch die Quelle des Gestanks blieb unklar, wie so oft: “Mysterious odors come and go in the New York City area, sometimes never identified.” (Mehr zur “Gas Mystery”.)

Letztendlich bleibt die Erinnerung an Ausscheidungen ganz generell unheimlich, weil Ausscheidung, Verstoffwechslung unheimlich ist–viel zu direkt sensuell körperlich. Deswegen die Reaktionen. Im selben Moment in dem die Meldung über den bestialischen Gestank in New York durch die Medien kreiselt und sich Journalisten fragen, wie sie diese unhaltbaren Zustände in den audio-visuellen Medien darstellen sollen, stolper ich über den Bristol Stoll Chart, ein Diagramm zur Kategorisierung von menschlichem Kot. Sehr interessant, ermöglicht dieses Diagramm doch eine differenziert standardisierte Beschreibung menschlichen Fäzes. Lustigerweise wird diese Kategorisierung in Bristol weder vom United Bristol Healthcare NHS Trust noch vom North Bristol NHS Trust benutzt. Ob die Einordnungen in Deutschland üblich sind, ist mir unbekannt.

Doch zurück zum “teils weißen und teils nicht ganz so weißen Schmuddel-HipHop aus Berlin,” wie Dath ihn nennt. Dem Literazisten ist an einer Analyse (es kalauert!) dieser populärkulturellen Erscheinung gelegen. Ganz klassisch steckt der Schmuddel-HipHop seinen Claim mittels “archetypischer” Verfahren ab: Man suche sich einen Punkt in der Mitte zwischen Spießer und Perversem und erstürme ihn, offene Türen einreißend. Diesen Zugang zum Analen gliedert Dath in die Geschmacksnoten “ganz schlecht,” “etwas besser,” “noch besser” und “am besten.” Wie er das genau tut, und wie man am Ende doch “heavily into urine and excrement” landet, lese man jetzt wirklich bei Dath selbst, der seine Betrachtungen in veränderter Form auch in dem Buch Sauerei Moderne veröffentlichen möchte. Hoffentlich streicht er den alles wieder vereinenden letzten Schmus-Absatz.

4 Trackbacks/Pingbacks

  1. Flohbude on Thursday, January 11, 2007 at 9:40 am

    Am Arsch…

    Die linke Intellekturillia geht dahin, wo’s weh tut und beweist damit, dass ihr kein Scheissthema zu nichtig ist, um nicht seitenweise salbadernd den Graben zwischen “denen und uns” zu vertiefen und sich blind vor angenommener Schläue in der Illusi…

  2. […] Read more: here […]

  3. gelblog » Keywords und was oder wer hier zu finden ist* on Tuesday, February 6, 2007 at 11:45 pm

    […] analverkehr proud to be no. 1 in Google’s blog search […]

  4. […] nur das Objet trouvé (Spreeblick-Link) überrundet hat, sondern eben auch den Dath-Kommentar zum Arschfick (”unanständige” Google-Suche jedoch mit Familienfilter). Das muss wohl an der […]

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