Christian Stöcker von SpOn schreibt gestern über die mogelnden, tricksenden und betrügenden Deutschen. Eine neue Studie zeige, dass die Mehrheit der Deutschen sich nicht an Gesetze halte und dass Misstrauen gegenüber dem Markt, Angst vor Verbrechen und “rechtlicher Zynismus” den Bürgern den Anstand austreiben.
“‘Die moralische Sensibiltät [sic] ist unterentwickelt’, sagt [Georg] Lind [Experte für Moralpsychologie an der Universität Konstanz]. In den Schulen sollten Jugendlichen anhand konkreter Entscheidungsbeispiele beigebracht werden, frühzeitig über ethische Grundsatzfragen nachzudenken. Wer sich ethischer Prinzipien wirklich bewusst sei, könne gar nicht anders, als sich richtig zu verhalten: Wie ein Mensch, der einen anderen ertrinken sehe, auch ohne nachzudenken zu Hilfe eilen würde.” [hier]
Das klingt ja furchtbar! Aus mindestens zwei Gründen.
Erst einmal sollen schon wieder die Schulen ran bei der Erziehung. Da wird dann nicht nur die richtige Mülltrennung, das Poppen mit Präser und die einseitige Toleranz gegenüber muslimischen Fundamentalisten eingeübt, nein, die ohnehin schon überforderten Lehrer sollen ethische Grundsatzfragen, interindividuell differenziert natürlich, denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft (außer natürlich in den national-befreiten Provinzkäffern Ostdeutschlands und Bayerns), im Unterricht aushandeln. Nur muss man sich dann, wenn es praktisch werden soll, auch auf einen ethischen Rahmen einigen. Welcher soll denn das sein? Eigentlich müsste das doch, mit unserem schönen abendländisch-christlichen Hintergrund, ein deontologischer sein. Nur wie will man das denn unterrichten, wie kann denn das Gewollte geschult werden, und, vor allem, passt das auch gar nicht zu einem Rechtstaat wie Deutschland, der, bis auf wenige Ausnahmen, dann doch das Resultat als Maxime kennt. Vertragstheoretisch müsste also dann der Ethikunterricht sein. Man müsste ihn mit dem Wirtschaft- und Recht-Unterricht zusammenlegen, doch was dabei raus käme, wenn man ständig Gesetze und ihre Begründungen predigen würde, ist klar: entweder ein Aufbegehren gegen diesen Unsinn oder gesetzestreue Idioten.
Zuletzt ist Lind wohl immer noch zwei Fehllehren verfangen, 1.) dass Wirtschaft gleich Leben ist und die Einhaltung von Gesetzen moralisch, und 2.) dass Fähigkeiten und Fertigkeiten allein zu einem guten Menschen führen. Um mal den Heidegger rauszukramen: Was kann den Menschen nach dem Scheitern des Humanismus noch Zähmen? Liebe, Gott, Strafen, …, …? Die Frage klingt zwar ein bisschen zu ernst für das Thema der Mogler und Trickser, ist aber im Grundsatz gerechtfertigt. Wäre es nicht vielleicht angebracht, gerade das Brechen von Gesetzen (das Unrecht) zu legitimieren um dem Guten zu dienen?




Solitärkommentar
Ach, da fehlt doch einfach nur die Gottesfürchtigkeit!!! Die Jungs und Mädchen sollen einfach in die Christenlehre gehen. Da (!) lernt man, daß der eine für den anderen einsteht.
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