Skip to content

Monthly Archives: November 2006

Erinnerung im Web 2.0: Vortrag im Studium Universale

Ich fasse zusammen. Erinnerung im Web 2.0 kann heißen:
1.) Verschwimmen der Grenzen zwischen subjektiver und kollektiver Erinnerung
2.) Aktive Erinnerungsarbeit im Sinne des Infragestellens des eigenen Erlebens und der eigenen Erinnerung wird durch Vernetzung möglich
3.) Bedeutung des Begriffs Erinnerung wird hinterfragt
4.) Welche und welche Form der Erinnerung im Netz bestand hat, entscheiden eine Vielzahl von Menschen

Ein Foto von Jan und Aleida Assmann sehen Sie links [Quelle]. Durch klicken wird es größer. Ich gebe zu, dass sie–in der Tat auch äußerlich–zu unterscheiden sind. 😉

Ich bitte um Kommentare.

Literaturliste | Präsentation | rosa & hellblau

Chrissi und Eddi im Einklang, Friedenslieder singend…

Lieber Christian Wilhelm Walter Wulff (Christian WWW),

habe gerade auf D-Radio gehört, dass Sie jetzt das Verbot von Computer-Killer-Spielen fordern. Das finde ich gut. Zum einen, weil damit der Begriff der Computer-Killer-Spiele noch mehr in die Medien dringt. Wegen des englischen Ursprungs des zweitel Teils des Kompositums, fällt es schwer, einfach Computerkillerspiele zu schreiben. Der Spiegel schreibt auch darüber, traut sich aber diese Wortkonstruktionen nicht zu und schreibt stattdessen Killer-Computerspiele. Wie dem auch sei; ich finde es Klasse, dass Sie das Verbot trotz der Unsinnigkeit in Anbetracht des weltweiten Datennetzes durchsetzen möchten. Ihr Freund Edmund meint ja, es dürfe jetzt “keine Ausreden” mehr geben: “Killerspiele animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.” Vielleicht ist ja möglich, Internetinhalte grundsätzlich zu zensieren, damit Jugendliche und Frauen geschützt werden? Vielleicht kann man auch diese blutigen Bilder in den Nachrichten verbieten? Vielleicht die unsinnige Politik der CDU? … Oder vielleicht doch einfach mal global? Lieber Christian WWW, handeln Sie doch einfach mal global! Fordern Sie nicht nur öffentlichkeitswirksam den Verbot des Verkaufs von Computer-Killer-Spielen in Deutschland! Fordern Sie das Verbot von Gewalt weltweit! Das wäre doch was! Sie mit Friedenstaube auf dem Hemd im Bundesrat, Arm in Arm mit Edmund Friedenslieder singend, so wie früher beim CVJM. Jetzt kann es keine Ausrede mehr geben: “Der Zustand der Welt animiert Menschen, andere Menschen zu töten.” Handeln Sie!

Wassis Journal

Irgendwie sehe ich gerade nicht den Sinn des Kundenjournals der Leipziger Wasserwerke. Das kommt regelmäßig und wird zum Glück immer schmaler (jetzt nur noch 8 Seiten), so dass die Altpapierextrabelastung doch noch vertretbar bleibt. Aber warum sollte man etwas über die Aktionstage am Augustusplatz lesen, wenn man sie selbst erlebt hat? Und warum soll man eigentlich solch furchtbare Märchenmetaphern ertragen: “Bis es soweit ist, hält Dirk Thärichen den Froschkönig fest in der Hand. Der wartet auf viele Spendenküsse, denn nur sie können das Stadtbad aus dem Dornröschenschlaf wecken” (aquaL 4/2006, 5)? Der Frosch gehört an die Wand geklatscht, nicht geküsst! So wird ein Prinz draus–wenn man Glück hat. Neben Selbstbeweihräucherung und Berichten über andere Marketingaktionen gibt es dann noch anderthalb Seiten über den Austausch von Bleirohren. Das hätte ja vielleicht auch in die Volkszeitung, auf ein Flugblatt oder ins Internet gepasst.

WILMA-D-Party

Heute steht sie wieder an, die internationalste Deutschlandparty Leipzigs. Bin sehr gespannt, wer diesmal Mr. und Miss Germany werden und auch ob sich die nach dem Einlassstopp draußen wartenden die Zeit mit dem Verzehr von Sauerkraut versüßen…

Wenn zwei sich streiten…


…zum Beispiel Queer-Aktivisten mit ultra-orthodoxen kopfgeldauslobenden Juden in Jerusalem, dann freuen sich liberalere Länder. Deswegen fand ich über einem Artikel in der irischen GCN obiges Werbebanner, das dann tatsächlich auf diese von der deutschen Tourismuszentrale betriebene Seite verlinkt. Die DTZ wirbt seit über 50 Jahren im Auftrag der Bundesregierung für das Reiseland Deutschland im Ausland, und wenn es auch gerade ein bisschen schwierig ist, afrikanische und asiatische Touristen für Eisenhüttenstadt, Magdeburg oder Rostock zu begeistern, dann klappt es doch zumindest mit dem Karneval im Rheinland (da können sich Männer als Frauen verkleiden), Bayern (die kurzen Lederhosen sind nicht nur praktisch, sondern präsentieren den Mann in voller Pracht) und ganz generell dort, wo man sich ausziehen kann (“Equally popular in Germany – and almost a tradition – is taking your clothes off.”). Schön! Noch schöner wäre es natürlich, wenn in Israel, Russland, Polen und anderen Ländern (siehe IGLHRC oder ILGA) Menschenrechte mehr geachtet würden.

Gutes E-Marketing sieht anders aus

Thomas Gigold rollt in seinem Blog eine ganz stümperhafte Aktion einer Hamburger Werbeagentur auf. Sehr lesenswert. Zum Glück ist in der Blog-Community eine derart unvorhersagbare Dynamik drin, dass diese fiese Spam-Aktion schnell entlarvt wurde und das beworbene schwarz-weiß-rote ( ein bischen Flickr-Farben) Kommerz-Blog nun schon verrufen ist, bevor es richtig los ging…

Wie schnell…

…lackiert man so eine Telefons?le?

Zur Hölle mit der Moral?

Christian Stöcker von SpOn schreibt gestern über die mogelnden, tricksenden und betrügenden Deutschen. Eine neue Studie zeige, dass die Mehrheit der Deutschen sich nicht an Gesetze halte und dass Misstrauen gegenüber dem Markt, Angst vor Verbrechen und “rechtlicher Zynismus” den Bürgern den Anstand austreiben.

“‘Die moralische Sensibiltät [sic] ist unterentwickelt’, sagt [Georg] Lind [Experte für Moralpsychologie an der Universität Konstanz]. In den Schulen sollten Jugendlichen anhand konkreter Entscheidungsbeispiele beigebracht werden, frühzeitig über ethische Grundsatzfragen nachzudenken. Wer sich ethischer Prinzipien wirklich bewusst sei, könne gar nicht anders, als sich richtig zu verhalten: Wie ein Mensch, der einen anderen ertrinken sehe, auch ohne nachzudenken zu Hilfe eilen würde.” [hier]

Das klingt ja furchtbar! Aus mindestens zwei Gründen.

Erst einmal sollen schon wieder die Schulen ran bei der Erziehung. Da wird dann nicht nur die richtige Mülltrennung, das Poppen mit Präser und die einseitige Toleranz gegenüber muslimischen Fundamentalisten eingeübt, nein, die ohnehin schon überforderten Lehrer sollen ethische Grundsatzfragen, interindividuell differenziert natürlich, denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft (außer natürlich in den national-befreiten Provinzkäffern Ostdeutschlands und Bayerns), im Unterricht aushandeln. Nur muss man sich dann, wenn es praktisch werden soll, auch auf einen ethischen Rahmen einigen. Welcher soll denn das sein? Eigentlich müsste das doch, mit unserem schönen abendländisch-christlichen Hintergrund, ein deontologischer sein. Nur wie will man das denn unterrichten, wie kann denn das Gewollte geschult werden, und, vor allem, passt das auch gar nicht zu einem Rechtstaat wie Deutschland, der, bis auf wenige Ausnahmen, dann doch das Resultat als Maxime kennt. Vertragstheoretisch müsste also dann der Ethikunterricht sein. Man müsste ihn mit dem Wirtschaft- und Recht-Unterricht zusammenlegen, doch was dabei raus käme, wenn man ständig Gesetze und ihre Begründungen predigen würde, ist klar: entweder ein Aufbegehren gegen diesen Unsinn oder gesetzestreue Idioten.

Zuletzt ist Lind wohl immer noch zwei Fehllehren verfangen, 1.) dass Wirtschaft gleich Leben ist und die Einhaltung von Gesetzen moralisch, und 2.) dass Fähigkeiten und Fertigkeiten allein zu einem guten Menschen führen. Um mal den Heidegger rauszukramen: Was kann den Menschen nach dem Scheitern des Humanismus noch Zähmen? Liebe, Gott, Strafen, …, …? Die Frage klingt zwar ein bisschen zu ernst für das Thema der Mogler und Trickser, ist aber im Grundsatz gerechtfertigt. Wäre es nicht vielleicht angebracht, gerade das Brechen von Gesetzen (das Unrecht) zu legitimieren um dem Guten zu dienen?